Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wahl im Irak

Irak: Schiitischer Geistlicher Al-Sadr wohl klarer Wahlsieger

  • VonLukas Zigo
    schließen

Der umstrittene Geistliche Muktada al-Sadr ist wohl Sieger bei den Parlamentswahlen im Irak. Al-Sadr warnt andere Staaten vor Einmischung.

Bagdad – Ersten Auszählungen zufolge wird der schiitische Geistliche Muktada al-Sadr stärkste Kraft im Irak. In der Nacht zum Dienstag (12.10.2021) feierten seine Anhänger bereits den Wahlsieg auf den Straßen. Zahlreiche Menschen fuhren in Autokorsos mit Hupkonzerten durch die Hauptstadt Bagdad, viele von ihnen schwenkten Irak-Fahnen. Vorläufigen Ergebnissen der Wahlkommission zufolge erreichte Al-Sadrs Strömung bei der Parlamentswahl am Sonntag die meisten Stimmen für das Abgeordnetenhaus.

Al-Sadr warnte andere Staaten in einer Fernsehansprache davor, sich in die Regierungsbildung im Irak einzumischen. Zugleich sagte er der Korruption den Kampf an. Al-Sadrs Strömung war schon bei der Parlamentswahl 2018 stärkste Kraft. Die damals zweitplatzierte Fatah-Koalition muss den aktuellen Ergebnissen nach deutliche Einbußen hinnehmen. Sie ist mit den schiitischen Milizen verbunden und wird vom Iran unterstützt. Fatah könnte mehr als die Hälfte ihrer Sitze verlieren.

Irak in schlechter Wirtschaftslage – Auch der IS weiter ein Problem

Mustafa al-Kasimi, derzeitiger Ministerpräsident des Landes, hatte die Abstimmung nach Massenprotesten gegen die politische Führung des Landes um mehrere Monate vorgezogen. Im Oktober 2019 waren Demonstrationen ausgebrochen, welche sich gegen die Korruption, die schwache Wirtschaftslage und die schlechte Infrastruktur richteten. Auch sind Zellen der IS-Terrormiliz weiter im Land aktiv. In 2014 hatten die Extremisten große Gebiete im Norden und Westen des Landes überrannt.

Anhänger des Klerikers Al-Sadr feiern seinen Wahlsieg

Im Wahlkampf warb Al-Sadrs Bewegung für Reformen. Sie ist jedoch Teil der politischen Elite, die viele Iraker für die Missstände im Land verantwortlich machen. Das Misstrauen in die Politik zeigte sich auch bei der Wahlbeteiligung, die bei der Abstimmung auf ein Rekordtief von rund 41 Prozent sank. Beobachter sahen darin ein deutliches Zeichen für den Frust vieler Iraker über die politischen Zustände in ihrem Land.

Irak: Protestbewegung hatte zum Boykott der Wahlen aufgerufen

Anhänger der Protestbewegungen im Irak hatten zum Boykott der Wahlen aufgerufen. Innerhalb des bestehenden politischen Systems erwarten sie keine Änderung der Machtverhältnisse. Das aktuelle System war nach dem Sturz von Langzeitherrscher Saddam Hussein 2003 errichtet worden.

Al-Sadr selbst kandidierte allerdings nicht, er hatte vor der Wahl Anspruch auf das Amt des Regierungschefs für ein Mitglied seiner Bewegung erhoben. Ob er das durchsetzten kann, ist unklar; er benötigt Bündnispartner für eine Mehrheit im Parlament. Auch die USA und der Iran haben Einfluss auf die Regierungsbildung. Der bisherige Regierungschef Al-Kasimi hat noch geringe Chancen, als Kompromisskandidat eine weitere Amtsperiode zu regieren. Im Westen genießt er hohes Ansehen, trat aber bei den Wahlen selbst nicht an und verfügt somit über keine Hausmacht.

Irak: Al-Sadr kämpfte gegen US-Truppen – Gibt sich nun gemäßigt

Der 47-jährige Al-Sadr gilt als kontroverse Figur, bekämpfte er nach Saddams Sturz doch die US-Truppen mit seiner Mahdi-Armee. Heutzutage gibt er sich gemäßigt und tritt in einer Mischung aus Nationalist und Populist auf. Seine Anhänger finden sich vornehmlich in den ärmeren Vierteln von Bagdad und anderen Städten. (lz/dpa)

Rubriklistenbild: © Khalid Mohammed/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare