HINTERGRUND

Irak-Mission ohne Rendite

Erhöhte Alarmbereitschaft hat der polnische General Andrzej Tyszkiewicz nach der Anschlagserie in Bagdad für die multinationale Besatzungstruppe in

Von THOMAS ROSER (WARSCHAU)

Erhöhte Alarmbereitschaft hat der polnische General Andrzej Tyszkiewicz nach der Anschlagserie in Bagdad für die multinationale Besatzungstruppe in Zentral-Irak angeordnet. Soldaten sollten Stätten religiöser Versammlungen meiden. Rauchen, Essen und Trinken seien während des Fastenmonats Ramadan in der Öffentlichkeit verboten, mahnte er seine Soldaten zu einem "bescheidenen Auftreten". In der Dämmerung sollten sich die Soldaten in ihre Stützpunkte zurückziehen. Mit der Verstärkung der Wachmannschaften begegne man zudem der Gefahr nächtlicher Überraschungsangriffe.

Alle Soldaten der polnischen Mission erfreuten sich bester Gesundheit, mühte sich unterdessen Marek Belka, Koordinator für Wiederaufbauhilfe in Irak, die Sorgen der Angehörigen in der Heimat zu zerstreuen: "Wir sind in Irak schon seit Monaten das Ziel von Anschlägen: Wenn wir Angst hätten, müssten wir uns von dort zurückziehen."

Tatsächlich ist der befürchtete "Blutzoll" für den größten Auslandseinsatz des polnischen Heeres bislang ausgeblieben. 2200 der 10 000 Soldaten starken Besatzungstruppe aus 20 Nationen der polnischen "Stabilisierungszone" hat Warschau entsandt. Doch auch in Zentralirak richten sich Anschläge vor allem gegen Patrouillen von US-Militärs. Zudem müht sich Polens Militärverwaltung um einen Dialog mit den lokalen Würdenträgern und Religionsführern. Die polnischen Soldaten scheinen ein wesentlich entspannteres Verhältnis zur ansässigen Bevölkerung zu pflegen als ihre US-Kollegen. Zwar musste ein knappes Dutzend Soldaten wegen ausufernder Trinkgelage vorzeitig die Heimreise antreten. Dennoch zeigen sich die Polen der Verwaltung ihrer Multinationen-Zone weitaus besser gewachsen als vorab befürchtet.

In der Heimat wird die Erleichterung über den Verlauf der Babylon-Mission aber von Ernüchterung über das Ausbleiben der erhofften Rendite getrübt: Weder politisch noch wirtschaftlich hat sich das Irak-Engagement bislang ausgezahlt. Zwar hat sich eine erkleckliche Zahl polnischer Firmen um Wiederaufbau-Aufträge in Irak beworben. Doch bisher haben nur einige Elitesoldaten von US-Firmen hoch dotierte Verträge als Wachleute erhalten. Ansonsten hat der Irak-Einsatz weder wie erhofft den Export angekurbelt noch für eine Entlastung des angespannten Arbeitsmarktes gesorgt. "Wo ist unsere Beute? Wir verlieren die Schlacht um Irak", zog unlängst das Boulevardblatt Superexpress Bilanz. Zu allem Übel ist nach Ansicht der Zeitung auch der erhoffte Prestigegewinn als Zonenmacht ausgeblieben: "Wir haben nichts gewonnen - und unsere Beziehungen zu Frankreich und Deutschland sind abgekühlt."

Dossier: Irak nach dem Krieg

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