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Begeistert haben 15000 Iraker Ayatollah Mohammed Bakr el Hakim beim Besuch der heiligen Stätte in Nadschaf empfangen. Der schiitische Geistliche versprach, Irak wieder aufzubauen. Mit Blick auf die Alliierten sagte er: "Wir werden Erniedrigung nie dulden."
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Begeistert haben 15000 Iraker Ayatollah Mohammed Bakr el Hakim beim Besuch der heiligen Stätte in Nadschaf empfangen. Der schiitische Geistliche versprach, Irak wieder aufzubauen. Mit Blick auf die Alliierten sagte er: "Wir werden Erniedrigung nie dulden."

Der Irak-Einsatz könnte zu Polens Babylon werden

Sprachprobleme und fehlende Soldaten anderer Länder gefährden Warschauer Führungsrolle

Von Thomas Roser (Warschau)

Zumindest nach außen demonstrieren Polens Militärs entschlossene Zuversicht. Zu "hundert Prozent" sei er davon überzeugt, dass sich Polen bei der Leitung der Militärzone in Irak zu helfen wisse, übt sich Roman Polko, Chef der Elite-Einheit Grom, in Optimismus. Polen sei im Stande, die Zone militärisch zu führen, versichert auch sein oberster Befehlshaber, Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski.

Weniger erfolgssicher ist sich sein Vorgänger, der frühere Verteidigungsminister Bronislaw Komorowski. Der liberale Abgeordnete sieht das "Risiko", dass sich Polen der Aufgabe als nicht gewachsen erweisen könne: "Dies käme politisch einer sehr kostspieligen Blamage gleich." Bereits im Juli sollen polnische Militärs unter Leitung von General Andrzej Tyszkiewicz die Führung in dem 80 000 Quadratkilometer großen Militärsektor zwischen Basra und Bagdad übernehmen. Doch nicht nur die Zahl der Länder, die für die polnisch geführte Stabilisierungstruppe Soldaten bereitstellen wollen, ist noch ungewiss. Mit der von den USA angetragenen Zone hat sich Warschau einen Problemberg von unabsehbarer Größe aufgehalst.

1500 Militärs und zwei Hundertschaften Polizisten will Warschau nach Irak entsenden - doch zur Verwaltung der Zone ist eine Truppenstärke von rund 10 000 Soldaten vonnöten. Der Großteil der Besatzungstruppe wird sich vermutlich aus US-Soldaten rekrutieren. Ohnehin wird Washington den Löwenanteil der Kosten für die polnische Truppenentsendung übernehmen. Diese werden auf jährlich 90 Millionen Dollar geschätzt.

Von mindestens 18 Monaten Dauer des Irak-Einsatzes geht Polen aus. Welche Länder tatsächlich ihre Soldaten unter polnischem Oberkommando in Irak stationieren, dürfte sich erst bei der Konferenz der Teilnehmerstaaten nächste Woche in Warschau erweisen. Kleinere Truppenkontingente haben die Ukraine und die baltischen Staaten zugesagt, auch Indonesien und die Philippinen sollen die Bereitschaft zur Teilnahme signalisiert haben. Die Integration kleiner Truppenverbände ist militärisch zwar schwierig, doch auch von Polen politisch erwünscht. Fieberhaft müht sich Warschau aber noch um einen nennenswerten europäischen Anteil im multilateralen Korps. Außenminister Wlodimierz Cimoszewicz macht sich diese Woche zu außerplanmäßigen Konsultationen nach Italien auf. Daneben würde Polen gerne einen islamischen Staat aus der Region für den Irak-Einsatz gewinnen.

Nicht nur die Sprachenvielfalt der zusammengestoppelten Besatzungstruppe und die geringen Englischkenntnisse der eigenen Soldaten könnten den Einsatz zwischen Euphrat und Tigris zu Polens Babylon werden lassen. Verstärkt will sich Warschau darum die engen Bindungen zu Irak während der sozialistischen Jahre zu Nutze machen. Aus dem Potenzial von mehreren tausend Exil-Irakern in Polen und Irakern, die früher an der Weichsel studierten, hofft Warschau zusätzliche zweisprachige Hilfstruppen anwerben zu können.

Während Washington eine Demokratisierung Iraks nach westlichem Muster anstrebt, schließen Polens Experten die Zusammenarbeit mit alten Bekannten nicht aus: Auch aufgrund der eigenen Transformationserfahrung halten sie langfristig eine Kooperation mit Mitgliedern der unteren Führungsebene von Saddams Baath-Partei für möglich.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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