Irak dominiert Wahlkampf-Finale

Parteispitzen Schröder, Stoiber, Merkel und Fischer bei Kundgebungen in Hessen

Von unseren Korrespondenten

Mit viel bundespolitischer Prominenz haben die Landtagsparteien am Donnerstagabend ihren Hessen-Wahlkampf beendet. Drei Tage vor dem Urnengang kamen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), die Unions-Spitzen Angela Merkel und Edmund Stoiber sowie Außenminister Joschka Fischer (Grüne), um noch einmal für ihre Parteien zu mobilisieren.

FRANKFURT A. M. "Ich finde, dass Hessen es verdient hätte, ehrlicher und gradliniger regiert zu werden, als das derzeit der Fall ist", sagte Schröder vor rund 1500 SPD-Anhängern im Wiesbadener Kurhaus. Den SPD-Spitzenkandidaten Gerhard Bökel kennzeichneten Sachkenntnis, Aufrichtigkeit und eine "hohe Sensibilität für Fragen, die die Menschen bewegen: Soziale Gerechtigkeit und Frieden." Er selbst werde "nicht aufhören" für eine friedliche Lösung des Irak-Konfliktes zu arbeiten, versicherte der Kanzler unter großem Applaus und rief die CDU auf, eine klare Position zu beziehen.

Auch in Bökels Rede nahm das Thema Irak breiten Raum ein. Mit jeder Stimme für die SPD werde die Friedenspolitik der Bundesregierung gestärkt, sagte er. Mit Blick auf die schlechten Umfragewerte forderte der hessische SPD-Chef ,"den Meinungsforschern ein Schnippchen zu schlagen". Wenn die SPD es schaffe, die noch unentschlossenen Wähler zu mobilisieren, könne sie die Koch-Regierung ablösen.

Immer wieder griff Bökel den Amtsinhaber direkt an. Koch stehe für eine bildungsfeindliche soziale Auslese an den Schulen, ein verstaubtes Familienbild und zahlreiche "Bilanzfälschungen". Bökel erinnerte an den CDU-Schwarzgeldskandal und die auch von Koch verbreitete Legende von den angeblichen "jüdischen Vermächtnissen": "So einen will Hessen nicht", rief er unter starkem Applaus.

Zur gleichen Zeit froren auf dem Frankfurter Opernplatz etwa 3500 Zuhörer bei der Abschlusskundgebung der CDU. Zum Finale hatte sich Ministerpräsident Roland Koch neben der Bundesvorsitzenden Angela Merkel "den halben Bundesrat" geladen. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber bejubelte ebenso wie die Kollegen Erwin Teufel (Baden-Württemberg), Ole von Beust (Hamburg), Peter Müller (Saarland), Bernhard Vogel (Thüringen) die "hervorragende Arbeit", die Koch geleistet habe. "Ein Mann, ein Wort", dieser Satz treffe haargenau, sagte Stoiber. Koch habe erreicht, dass "hessische Schüler wieder mit bayerischen konkurrieren können". Merkel und Oberbürgermeisterin Petra Roth hoben hervor, wie viel Roland Koch, indem er sich für das Erlernen der deutschen Sprache einsetze, für die Integration von Ausländern getan habe. Der CDU-Spitzenkandidat selbst rief die Anhängerschaft dazu auf, nicht den "guten Umfrageergebnissen zu trauen", sondern zur Stimmabgabe am Sonntag zu mobilisieren. Der SPD warf er vor, den Irak-Konflikt nur zur Ablenkung zu nutzen. Seine Beiträge wurden teilweise durch Trillerpfeifen sowie "Lügner"-Rufen gestört.

Bei den Grünen im Frankfurter Bürgerhaus Bornheim, das mit gut 800 Besuchern aus allen Nähten platzte, wurde der Auftritt des Außenministers zunächst von einem guten Dutzend Demonstranten gestört, die mit Trillerpfeifen und Transparenten gegen den drohenden Irak-Krieg demonstriert. "Ich verstehe das ehrlich gesagt nicht ganz", konterte Fischer: "Sie sind auf der falschen Veranstaltung, ich dachte, wir wären uns einig, dass wir keinen Krieg wollen."

Fischer warnte vor "alten und primitivem Anti-Amerikanismus" und auch vor einem "Rückzug der USA auf sich selbst", der ein weltpolitisches Vakuum hinterlassen würde. Aussagen zum Wahlkampf überlies er weitgehend den hessischen Spitzenkandidaten Tarek Al-Wazir und Evelin Schönhut-Keil, die ebenfalls Koch scharf angriffen. Schönhut-Keil rief dazu auf, Koch abzuwählen, "damit er Deutschland erspart bleibt.

Bei den Liberalen in Darmstadt ging die Angst vor einer absoluten Mehrheit der CDU um: Koch brauche "die FDP im Rücken", sagte die Landesvorsitzende Ruth Wagner. Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) meinte, eine absolute CDU-Mehrheit sei für Hessen fast so schlecht wie eine rot-grüne Koalition. mat/ox/skb/lhe

Dossier: Krieg gegen Irak?

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