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Bonner und Bürgermeister: Ashok-Alexander Sridharan.

Ashok-Alexander Sridharan

Für ein internationales Bonn

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Der neue deutsch-indische Oberbürgermeister will die Stadt prägen.

Erster Oberbürgermeister in einer deutschen Großstadt mit Migrationshintergrund – Ashok-Alexander Sridharan (50) schätzt diesen Begriff nicht sonderlich. Der Christdemokrat, der in Bonn bei der Wahl am Sonntag das Kunststück vollbracht hat, schon im ersten Wahlgang mit 60 Stimmen Vorsprung die absolute Mehrheit zu erzielen und den Sozialdemokraten nach 21 Jahren das Amt des Stadtoberhaupts abzujagen, bezeichnet sich lieber als „bönnsche Jung“.

Ohne Zweifel ist er das. Seine Mutter stammt aus einer alteingesessenen Bonner Familie, der Vater aus Indien, war bei der Fluggesellschaft Air India beschäftigt. „Ich werde natürlich oft auf meinen exotischen Namen angesprochen. Die Leute interessiert erstens, wo er herkommt, und, das ist für mich viel wichtiger, wie er ausgesprochen. Ich antworte dann immer: Sri wie Sri Lanka, und da ran. Mit einem langgezogenen A.“ Seine Vornamen haben die Eltern mit Bedacht gewählt: Ashoka war um 238 v. Chr. Kaiser in Indien, ein Kriegsherr, der zum Friedensfürsten wurde. Alexander weist auf Alexander den Großen hin, der als erster Europäer mit einer Armee nach Indien marschierte.

Anfangs hätten manche in der CDU angesichts seiner Herkunft schon etwas gefremdelt, aber beim Nominierungsparteitag habe er sie letztlich mit dem Satz „Ich bin eine gute Mischung“ überzeugen können, sagt Sridharan. Instinktiv alles richtig gemacht, sagen sie heute bei der CDU. Als hätte es nie Vorbehalte gegen den deutsch-indischen Kandidaten gegeben. Ashok-Alexander Sridharan könnte wie kein Zweiter für das internationale Bonn stehen, das sich immer noch schwer tut, von der Bundesstadt zu einer Stadt der Vereinten Nationen zu werden. Dass er Verwaltungen führen kann, hat der Jurist in den vergangenen 20 Jahren unter Beweis gestellt – als Kämmerer und Erster Beigeordneter von Königswinter.

Für Bonn hat er klare Vorstellungen. Er möchte die ehemalige Bundeshauptstadt als Marke, als Beethoven-Stadt bekannt machen, will die Wirtschaftsförderung zur „Chefsache“ machen und das internationale Bonn stärker prägen. „Ich habe Respekt vor der neuen Aufgabe. Das ist wesentlich verantwortungsvoller als alles, was ich bisher gemacht habe.“ Ein Oberbürgermeister habe trotz „knappen Geldes“ schon einige Gestaltungsmöglichkeiten. Beschlüsse der Politik in die Tat umzusetzen mache er seit 20 Jahren. „Das sollte mir auch in Bonn gelingen.“

Ausdauer durch Halbmarathon

Ob ihm seine internationale Herkunft bei der Wahl förderlich gewesen ist, mag Sridharan nicht beurteilen. Geschadet haben dürfte sie ihm jedenfalls nicht. Natürlich sei ihm klar, dass gerade in Zeiten, in denen die Flüchtlingsfrage die Europäische Union vor eine Zerreißprobe stellt, von einem Deutsch-Inder zumindest unbewusst besondere Erwartungen gestellt werden. „Ich kann nur sagen, dass wir in Bonn mit unseren beiden Erstaufnahme-Einrichtungen vorbildlich arbeiten. Hier kann man wirklich von einer Willkommenskultur sprechen.“

Bonns neues Stadtoberhaupt ist verheiratet und hat drei Söhne. „Die sind 14, 18 und 21 Jahre. Ich weiß also durchaus, wovon ich spreche, wenn ich sage, dass wir in dieser Stadt überall sparen müssen, aber nicht bei den Kindergärten, Schulen und offenen Ganztagsangeboten.“ Die Schulen seien zum Teil in einem schlechten Zustand. „Da macht das Lernen nicht überall Spaß.“ Zudem fehle es an Angeboten für Heranwachsende. „Wir haben zu wenig Bars, zu wenig Lounges und überhaupt viel zu wenige Events.“

Dass die Schuldenlast der Stadt Bonn, die bei stattlichen 1,65 Milliarden Euro angelangt ist, seinen Plänen Abbruch tun könnte, will Sridharan nicht gelten lassen. Das Thema Sparen hat er im Wahlkampf tunlichst vermieden, sondern lieber mit einem Sprüchlein die Lacher auf seine Seite gebracht. Beim Sparen dürfe es keine heiligen Kühe geben. „Und das sage ich trotz meiner indischen Herkunft.“

Er hat Ausdauer, will die Dinge langfristig angehen. Wie beim Sport. Bonns neuer Oberbürgermeister geht seit Jahren gern und ausgiebig laufen, mit achtbaren Ergebnissen. Den letzten Halbmarathon in Bonn hat er knapp unter zwei Stunden. Für einen 50-Jährigen ist das kein schlechtes Ergebnis.

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