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Im Konflikt um die Straße von Hormus geht es vor allem auch um eine funktionierende  Handelsschifffahrt.

Deutsche Beteiligung

Konflikt am Golf: Im Interesse der Wirtschaft

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  • Patrick Fam
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Der Ruf nach deutscher Beteiligung an einer Mission im Golf will nicht verstummen.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas hat Nein gesagt, Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer ist vage geblieben. Da hat der US-Botschafter Richard Grenell dann doch nochmal nachdrücklich auf die Forderung seines Präsidenten hingewiesen, sich an einem US-Militäreinsatz in der Straße von Hormus zu beteiligen. „Amerika hat viel geopfert, um Deutschland dabei zu helfen, ein Bestandteil des Westens zu bleiben“, sagte Grenell der „Augsburger Allgemeinen“. „Und wir haben zurzeit 34.000 Soldaten in Deutschland stationiert – das sind Milliarden Dollar, die die amerikanische Bevölkerung ausgibt.“ Deutschland sei die größte Wirtschaftsmacht in Europa. „Deswegen bringt dieser Erfolg globale Verantwortlichkeiten mit sich.“

Die deutsche Wirtschaft ist durchaus auch dafür, dass Deutschland internationale Handelsrouten schützt, unterstützt aber gleichwohl die Absage an die USA: „Damit hätte sich Deutschland einer Politik des maximalen Drucks angeschlossen“, sagte Stefan Mair, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Es sei jedoch bedauerlich, dass die Bundesregierung sich nicht dazu durchgerungen habe, der britischen Bitte nach einer europäischen Mission rechtzeitig zu entsprechen. „Eine defensive, europäisch geführte Schutzmission wäre nach wie vor ein starkes und wichtiges Signal“, so Mair.

Eine funktionierende Handelsschifffahrt sei für die Exportnation und das Industrieland Deutschland von herausragender Bedeutung. Die Straße von Hormus sei eine der wichtigsten Routen für den Transport von Öl und Gas weltweit. Auch ein Großteil der deutschen Ausfuhren in Form von PKW und Produkten für den Maschinen- und Anlagenbau sei auf sichere Seeschifffahrtswege angewiesen“, so der BDI-Experte. „Die Handelsnation Deutschland sollte sich deshalb stärker einbringen.“

DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier erklärt, die deutsche Wirtschaft blicke besorgt Richtung Straße von Hormus. Man befürchte eine Energiekrise. „Schon eine vorübergehende Schließung dieser Meerenge hätte gravierende Auswirkungen auf die globale Energieversorgung.“ Über die Strecke werde viel Öl nach Asien transportiert. Eine Blockade würde das Öl-Angebot weltweit verknappen und daher zu einem Anstieg des Ölpreises führen. Schlimmstenfalls sei „mit einer weltweiten Rezession zu rechnen“.

Die Präferenz der Bundesregierung bleibt – wenn überhaupt – ein Einsatz der Bundeswehr im Rahmen einer europäischen Mission. Deren Umfang und Auftrag allerdings ist noch nicht erkennbar.

Sascha Lohmann von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) gab jedoch zu bedenken, es sei fraglich, „ob die Europäer überhaupt über die nötigen Ressourcen verfügen, um eine eigene Mission auf die Beine zu stellen“. Außerdem müsste Europa sicherstellen, nicht zwischen die Fronten der Vereinigten Staaten und dem Iran zu geraten. „Es dürfte sehr schwierig sein, auf beide Kontrahenten in so einem Fall vor Ort deeskalierend einzuwirken.“

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