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Demonstranten machen eine Straße bei Madamados auf Lesbos dicht.

Flüchtlinge in Griechenland

Die Insulaner wehren sich

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Gegen neue Flüchlingslager auf Chios und Lesbos erhebt sich massiver Widerstand. Die Polizei setzt Tränengas ein, um die Blockaden der Einheimischen zu durchbrechen.

Die Spannungen auf den griechischen Inseln der östlichen Ägäis, wo Zehntausende Migranten festsitzen, spitzen sich weiter zu. In der Nacht zum Dienstag kam es auf der Insel Chios zu Ausschreitungen, als aufgebrachte Bewohner am Hafen von Mesta versuchten, das Entladen der Fähre „Blue Star Naxos“ zu verhindern. Das Schiff brachte Baumaschinen und Materialien für die Errichtung eines geplanten Flüchtlingslagers.

Auch auf Lesbos, Samos, Kos und Leros plant die Regierung den Bau geschlossener Aufnahme- und Abschiebelager. Sie sollen die total überfüllten und chaotischen bisherigen Camps ersetzen. Doch die lokale Bevölkerung und Kommunalpolitiker auf den Inseln wollen den Bau verhindern. Sie fordern die Verlegung der Migranten aufs Festland.

Mit massivem Tränengaseinsatz gelang es der Polizei auf Chios, die Entladung der Fähre durchzusetzen und Blockaden auf den Zufahrtswegen zum Bauplatz aufzulösen. Am frühen Dienstagmorgen gab es auch auf der Nachbarinsel Lesbos Ausschreitungen, als Bewohner Grundstücke besetzten, deren Enteignung die Regierung für den Bau des neuen Camps angekündigt hatte.

Auch am Hafen der Inselhauptstadt Mytilini kam es in der Nacht zu Auseinandersetzungen, als dort die Fähre „Pegasus“ anlegte. Das Schiff brachte 100 Bereitschaftspolizisten und zahlreiche Polizeifahrzeuge aus Piräus. Regierungssprecher Stelios Petsas bekräftigte am Dienstag die Absicht der Regierung, die Lager zu bauen. „Das wird gut sein für das Land und die Einwohner der Inseln“, sagte Petsas.

Auf Lesbos soll das geplante Lager das berüchtigte Camp Moria ersetzen. Dort leben nach offiziellen Angaben vom Montag 19 484 Menschen. Ausgelegt sind die Einrichtungen für 2840 Personen. Auch die bisherigen Aufnahmelager auf Samos, Chios, Kos und Leros, in denen die Migranten auf ihre Asylbescheide warten, sind teils um das Fünffache überbelegt. Insgesamt hielten sich zu Wochenbeginn auf den Inseln 42 568 Migranten auf. Die offiziellen Unterkünfte haben nur eine Kapazität für 7046 Personen. Weitere 1770 Plätze stellt die UN-Flüchtlingsagentur UNHCR zur Verfügung.

Die Überfüllung der Insellager ist ein Ergebnis der schleppenden Asylverfahren, die Jahre dauern können, sowie der erneut steigenden Zahl von Neuankömmlingen aus der Türkei. Zwischen Anfang Januar und Mitte Februar kamen 4129 Migranten von der türkischen Küste auf die griechischen Inseln, 50 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Mit einer zum 1. Januar in Kraft getretenen Reform des Asylrechts will die Regierung die Asylverfahren auf drei Monate verkürzen. Abgelehnte Bewerber sollen zügig in die Türkei zurückgeschickt werden, wie es das EU-Flüchtlingsabkommen vorsieht. Bisher tauchten Migranten, deren Asylanträge abgewiesen wurden, meist unter. Das will die Regierung mit den neuen geschlossenen Lagern verhindern.

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