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Emmanuel Macron im Mai 2017 bei seiner Amtseinführung im Elyseepalast in Paris.

Polit-Unruhe in Paris

Innenminister-Rücktritt stürzt Macron in neue Krise

Erst gut einen Monat ist es her, dass der beliebte Pariser Umweltminister überraschend das Handtuch schmiss. Nun geht dem Präsidenten Macron auch noch der wichtige Innenminister von Bord.

Neue Krise für Präsident Emmanuel Macron: Die französische Regierung ist durch den Rücktritt von Innenminister Gérard Collomb in schwere Turbulenzen geraten. Premierminister Édouard Philippe übernahm am Mittwoch übergangsweise die Führung des wichtigen Innenressorts.

Collomb ist nach Umweltminister Nicolas Hulot das zweite Schwergewicht der Pariser Regierung, das innerhalb weniger Wochen von Bord geht. Er galt lange als enger Vertrauter des sozialliberalen Staatschefs, den er schon früh bei seiner Kandidatur für das Präsidentenamt unterstützt hatte.

Anfang der Woche hatte Macron ein erstes Rücktrittsangebot des Ministers noch abgelehnt - dieser legte am Dienstag aber in einem Interview nach. Schließlich akzeptierte Macron den Abgang der Nummer zwei der Regierung. Oppositionspolitiker kritisierten das öffentliche Hin und Her um den Posten, dessen Inhaber oft als „erster Polizist Frankreichs“ bezeichnet wird.

Der 71 Jahre alte bisherige Minister will nun in die Kommunalpolitik in Lyon zurückkehren, wo er lange Bürgermeister war. Er stand unter dem Druck der Opposition, nachdem er Mitte September angekündigt hatte, im kommenden Jahr aus der Regierung auszuscheiden, um 2020 in Lyon zu kandidieren. Collomb begründete seinen Rücktritt nun damit, dass er nicht wolle, dass seine künftige Kandidatur die Arbeit des Ministeriums störe.

Premierminister Édouard Philippe dankte Collomb für seine Arbeit und betonte die Entschlossenheit der Regierung, „den Franzosen das höchste Niveau an Sicherheit zu gewährleisten“. Das Innenministerium hat in Frankreich auch vor dem Hintergrund der Terroranschläge der vergangenen Jahre großes Gewicht.

Die Atmosphäre bei der Amtsübergabe wirkte frostig: Zunächst musste Collomb auf dem roten Teppich lange auf den Premier warten. Während der Minister dann die Bilanz seiner Amtszeit zog, starrte Philippe nach vorne und erwiderte nur selten Collombs Blick.

Beobachter hatten in den vergangenen Monaten mehrfach über eine Entfremdung Collombs von Macron spekuliert. Anfang September hatte der frühere Sozialist in einem Fernsehinterview über einen „Mangel an Bescheidenheit“ der Exekutive gesprochen.

Zudem hatte die Affäre um Macrons früheren Sicherheitsmitarbeiter Alexandre Benalla den Innenminister nach dem Eindruck politischer Beobachter geschwächt. Benalla war offiziell als Beobachter eines Polizeieinsatzes bei einer Demonstration, dort aber gegen junge Menschen vorgegangen. Nach Medienenthüllungen musste er den Élyséepalast verlassen.

Der bisherige Bürgermeister von Lyon, Georges Képénékian, will nun zugunsten Collombs zur Seite treten. Die Zeitung „Le Monde“ berichtete, dass der Stadtchef sein Rücktrittsschreiben bereits abgeschickt habe. (dpa)

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