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Linken-Sozialexpertin über Inflation: Hartz-IV-Empfänger müssten sechs Tage hungern

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Von: Teresa Toth

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Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind die Preise für Nahrungsmittel massiv gestiegen – Empfänger:innen von Hartz IV leiden besonders darunter.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind die Preise für Nahrungsmittel massiv gestiegen – Empfänger:innen von Hartz IV leiden besonders darunter. © Moritz Frankenberg/dpa

In Zeiten der Inflation wird das Geld für Empfänger:innen von Sozialleistungen besonders knapp. Das zeigt nun auch eine Rechnung der Sozialexpertin Jessica Tatti.

Frankfurt – Die Inflation trifft alle. Doch vor allem für Menschen mit wenig Einkommen spitzt sich die Lage zu. Die Sozial- und Arbeitsmarktexpertin der Linken, Jessica Tatti, rechnet auf Twitter vor, warum insbesondere Hartz IV-Empfänger:innen die steigenden Kosten kaum noch bestreiten können – theoretisch müssten sie sechs Tage hungern.

Insbesondere die Preise für Lebensmittel sind seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine massiv gestiegen. Der Preisanstieg von Nahrungsmitteln im Zeitraum von Juni 2021 bis Juni 2022 liegt bei 12,7 Prozent – die Jahre zuvor lag der Preisanstieg bei weniger als 1,5 Prozent. Für Hartz IV-Empfänger:innen hat das laut Tatti massive Auswirkungen.

Inflation und Hartz IV: Einige User:innen kritisieren die Rechnung von Tatti

In ihrer Rechnung zeigt sie, dass ausgehend von der aktuellen Inflationsrate bei 449 Euro Hartz IV – so der Regelsatz für alleinstehende Personen – über 30 Euro zu wenig vorhanden sind: „Die Inflation für Menschen in Hartz IV beträgt 7,4 %. Also fehlen 33 Euro im Monat. Zum Vergleich: 5,19 Euro sind täglich für Nahrung veranschlagt. Die Inflation bedeutet für Leute in Hartz IV rechnerisch: 6 Tage kein Geld für Essen.”

Im Netz reagieren nicht alle mit Zustimmung auf die Rechnung der Sozialexpertin Tatti. Ein User kritisiert, es handle sich um eine „Milchmädchenrechnung”, eine weitere Userin meint, „so könne man nicht rechnen”. Ein anderer User auf Twitter wirft der Politikerin „Jammern auf hohem Niveau“ vor und rechnet selbst vor, wie eine günstige Ernährung aussehen könnte.

Inflation und Hartz IV: „Anhebung der Regelsätze Anfang des Jahres verfassungswidrig”

Doch auch Sozialverbände kritisieren, dass die Regelleistungen von Hartz IV in Anbetracht der aktuellen Situation zu gering seien. Zum Jahreswechsel 2022 wurden die Regelsätze bei Hartz IV lediglich um 3 Euro angehoben – laut dem Sozialverbband VdK sowie der Sozialverband Deutschland (SoVD) viel zu wenig. „Aus unserer Sicht war die Anhebung der Regelsätze Anfang des Jahres verfassungswidrig”, so VdK-Präsidentin Verena Bentele. Sie klagen daher gemeinsam gegen die Anpassung der Regelsätze.

Wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zeigt, würden Hartz IV Beziehende derzeit 100 Euro je Person mehr benötigen, um die Auswirkungen der seit Monaten ansteigenden Inflation zu kompensieren. Einkommensschwächere Haushalte seien erheblich stärker durch die Inflation belastet als einkommensstarke Haushalte. DIW-Präsident Marcel Fratzscher fordert daher „permanent höhere Löhne und Sozialleistungen.“ (tt)

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