Der Leiter des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, spricht auf einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland.
+
Der Leiter des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, spricht auf einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland.

Coronavirus

Infektionszahlen steigen wieder deutlich

  • vonJuliane Schultz
    schließen

Die Experten des Robert-Koch-Instituts befürchten eine Trendumkehr in Deutschland.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) warnt vor einem raschen Anstieg der Corona-Infektionen im Zuge der Rückreisewelle zum Ferienende. RKI-Präsident Lothar Wieler verwies auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Dienstag auf die zuletzt stark gestiegenen Infektionszahlen in Deutschland: In den vergangenen sieben Tagen seien 3611 Infektionen gemeldet worden. Die neueste Entwicklung bereite „große Sorgen“. Als Ursache für den Anstieg nannte Wieler Nachlässigkeit bei der Einhaltung der Verhaltensregeln. Bis zu 18 Prozent aller Neuinfektionen gehen auf Urlaubsrückkehrer zurück. Ob es sich um den Beginn einer möglichen zweiten Welle handle, könne man nicht wissen, aber es könne sein.

Um frühzeitig Infektionsketten unterbrechen zu können, plant Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verpflichtende Corona-Tests für Reiserückkehrende. Denen sollen sich all jene unterziehen, die aus einer Region mit erhöhter Infektionsgefahr nach Deutschland zurückkehren. Wie genau diese Pflicht umgesetzt werden soll, ist noch unklar. Auch ob das eine zweite Welle in Deutschland verhindern kann, scheint den Schilderungen Wielers zufolge gar nicht mehr so sicher. „Die ganze Welt ist mittendrin in dieser Pandemie,“ sagte Wieler. Er nannte alarmierend hohe Fallzahlen aus Nord- und Südamerika sowie exponentielle Anstiege in Osteuropa und den Balkanstaaten. In West- und Südeuropa zeige sich der Trend ebenfalls, wenn auch langsamer.

Am Montag hatte Bundesgesundheitsminister Spahn in einer Schaltkonferenz den Gesundheitsministern der Bundesländer mitgeteilt: Reiserückkehrende und sonstige Einreisende aus Risikogebieten im Ausland müssen sich künftig testen lassen. Grundlage ist demnach das zuletzt erweiterte Infektionsschutzgesetz.

„Wir müssen verhindern, dass Reiserückkehrer unbemerkt andere anstecken und so neue Infektionsketten auslösen. Deswegen werde ich eine Testpflicht für Einreisende aus Risikogebieten anordnen“, sagte Spahn. Auch wer aus Staaten einreist, die nicht als Risikogebiet im Sinne der Veröffentlichungen des RKI ausgewiesen sind, soll sich nach dem Beschluss innerhalb von 72 Stunden nach der Einreise freiwillig testen lassen können.

Wie eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums mitteilte, wird die entsprechende Verordnung derzeit erarbeitet und voraussichtlich in der kommenden Woche in Kraft treten. Die Tests sollen für die Reisenden kostenfrei sein. Wie genau die Kostenübernahme geregelt wird, müsse allerdings noch festgelegt werden.

Verantwortlich für die Umsetzung sind die Bundesländer. Konkrete Pläne gibt es dort noch nicht: „Da fehlen uns noch die Vorgaben des Bundes“, sagt Mecklenburg-Vorpommerns Regierungssprecher Andreas Timm. Klar sei bereits, dass Testverweigerer in jedem Fall zu einer 14-tägigen Quarantäne verpflichtet würden und bei Nichteinhaltung Bußgelder drohten.

Die SPD-Bundestagsfraktion sieht Spahn in der Pflicht. „Der Bundesgesundheitsminister ist nun aufgefordert darzulegen, wie er die Testpflicht gemeinsam mit den Bundesländern umsetzen will“, teilten die stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Bärbel Bas und Dirk Wiese mit. (mit dpa)

Mehr zum Thema

Kommentare