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Indopazifik - Geographie und geopolitische Lage einer umkämpften Weltregion

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Spratly-Inseln
Spratly-Inseln © IMAGO / UIG

Der Indopazifik sorgt seit Jahren für Spannungen zwischen China und den westlichen Mächten, die zum Teil als Schutzmacht für Anrainerstaaten auftreten. Eine politische Lösung für dieses Problem liegt fern.

Singapur – In der Region Indopazifik treffen die Machtbestrebungen verschiedener Länder wie China, Indien und den USA aufeinander. Vor allem die Expansionspolitik Chinas und die von der Volksrepublik erhobenen Ansprüche auf Taiwan könnten hier in den kommenden Jahren für geopolitischen Zündstoff sorgen.

Indopazifik: Die Geografie

In der Geografie umfasst der Begriff Indopazifik den gesamten Indischen Ozean zwischen der afrikanischen Ostküste im Westen, Indien und Südostasien im Norden und Australien im Süden sowie Teile des Pazifiks.

In früheren Zeiten war dieser Begriff vor allem in der Biologie und in der Sprachwissenschaft von Bedeutung, da die Region Indopazifik viele Gemeinsamkeiten teilt. Doch der Beginn des neuen Jahrtausends stellte eine Zeitenwende dar. Dank der Geografie befindet sich der erwachende politische und wirtschaftliche Riese China nun im Zentrum dieser Region und machte seine Agenda mehrfach deutlich: Vor allem das Südchinesische Meer wird als eigenes Hoheitsgebiet betrachtet. Zugleich stört sich China an der Präsenz westlicher Kriegsschiffe, insbesondere Schiffen der USA, die als Schutzmacht für unter anderem Taiwan und die Philippinen auftreten.

Indopazifik: Die geopolitische Lage

Um die geopolitische Lage im Indopazifik zu verstehen, ist ein Blick in die Vergangenheit wichtig, denn die Interessen der beiden Hauptakteure USA und China stehen sich seit Langem diametral gegenüber.

Die USA im Indopazifik

Die USA engagierten sich bereits im 19. Jahrhundert in der Region Südostasien und beanspruchten die Philippinen nach einem dreijährigen Krieg von 1899 bis 1902 als Kolonie für sich. In den folgenden Jahrzehnten entstanden große amerikanische Plantagen, auf denen unter anderem Ananas angebaut wurde.

Im Zweiten Weltkrieg dienten die Philippinen den Amerikanern und ihren Verbündeten als wichtige Basis im Kampf gegen das japanische Kaiserreich. Später folgten kriegerische Auseinandersetzungen in Korea und in Indochina (Vietnam, Kambodscha und Laos).

Außerdem treten die USA als Schutzmacht für Taiwan auf. Diese Insel vor der chinesischen Küste diente den Verlierern des chinesischen Bürgerkriegs 1949 als Rückzugsort. Hier rief die nationalistische Kuonmintang unter Führung von Chiang Kai-shek die Republik China aus, die seither international als unabhängig wahrgenommen wird. Auf dem chinesischen Festland entstand die kommunistische Volksrepublik China. Diese erkannte Taiwan nie als unabhängigen Staat an und erhebt bis heute mit ihrer Ein-China-Politik Ansprüche auf eine „Wiedervereinigung“.

Chinas Rolle im Indopazifik

Chinas Agenda sieht eine fast vollständige Beherrschung des Südchinesischen Meeres und damit einiger der wichtigsten Handelsrouten der Welt vor. Besondere Bedeutung kommt dabei den Spratly-Inseln zu, auf die mehrere Länder territoriale Ansprüche erheben:

China ging dabei in den letzten Jahren besonders rücksichtslos vor und baute die zuvor kleine Insel Yongshu Jiao künstlich zu einem großen Militärhafen und Flugplatz aus. Mittlerweile ist die Insel fünfmal so groß wie die größte natürliche Insel Taiping Dao.

1988 kam es auf der Insel Chigua Jiao zu einem militärischen Zwischenfall zwischen China und Vietnam, bei dem 64 vietnamesische Marine-Soldaten ums Leben kamen. Auch diese Insel wurde mittlerweile umfassend zu einer Militärbasis ausgebaut.

Weitere territoriale Ansprüche Chinas im Indopazifik

Die Spratly-Inseln sind jedoch nur einer von mehreren umstrittenen Hotspots im Indopazifik, in denen die geopolitische Lage potenziellen Zündstoff darstellt:

Trotz verschiedener Abkommen zwischen China und den Staaten der ASEAN (Association of Southeast Asian Nations) kommt es wiederholt zu Konflikten. China treibt den Ausbau seiner Basen dabei unbeirrt voran. Die USA bezeichnen die chinesischen Ansprüche als illegal und lassen immer wieder Flugzeugträger im Indopazifik kreuzen.

Ein noch kleiner Player auf diesem geopolitischen Schachbrett ist das rohstoffhungrige Indien, das Kooperationen mit Vietnam, Japan, Australien, Indonesien und Singapur unterhält.

Indopazifik: Die Bündnisse im Überblick

Schon 1967 gründeten die südostasiatischen Staaten nach dem Vorbild der Europäischen Gemeinschaft das Bündnis ASEAN. Der ASEAN gehören heute folgende Länder an:

Bereits seit 1946 existiert der UKUSA genannte Pakt der amerikanischen und britischen Geheimdienste, dem sich später auch Australien, Neuseeland und Kanada anschlossen. Ziel war zunächst die Überwachung der Sowjetunion, doch mit der Veränderung der geopolitischen Lage nach dem Zerfall des Ostblocks gewann die Region Indopazifik eine größere Bedeutung.

Die USA gründeten zudem mit den Anrainer-Staaten Japan, Indien und Australien die Quad-Gruppe (Quadrilateral Security Dialogue) zur Wahrnehmung ihrer sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Interessen im Indopazifik.

Zuletzt kam der AUKUS genannte Pakt zwischen Australien, Großbritannien (UK) und den USA hinzu. Die beiden letzteren Bündnisse stehen offen zu den Zielen, die steigenden Machtansprüche Chinas im Indopazifik einzugrenzen und Bündnispartnern im Bedarfsfall beiseitezustehen.

Der Indopazifik und der Ukraine-Krieg

Unklar ist zurzeit noch, wie sich der russische Angriffskrieg auf die Ukraine auf die geopolitische Lage im Indopazifik auswirkt. Dabei steht vor allem die Befürchtung im Raum, dass China das russische Expansionsbestreben unterstützt, um im Gegenzug russische Unterstützung für eine gewaltsame Rückeroberung von Taiwan zu erhalten. Ebenso unklar ist die Rolle Indiens, das einerseits der westlich orientierten Quad-Gruppe angehört, andererseits aber weiter gute Handelsbeziehungen zu Russland unterhält. Allerdings sprachen sich alle vier Regierungen beim letzten Quad-Gipfel Ende Mai 2022 dafür aus, einen mit der Ukraine vergleichbaren Konflikt im Indopazifik unbedingt verhindern zu wollen.

Indopazifik: Deutschlands Engagement

Die Machtspiele im Indopazifik werden auch in Deutschland mit Sorge betrachtet. Offiziell positionieren sich die westeuropäischen Staaten neutral zwischen China auf der einen Seite und dem neuen Quad genannten Pakt zwischen den USA, Indien, Japan und Australien auf der anderen Seite. Dennoch ist klar, dass sich die Länder dem Konflikt in der Region nicht ganz entziehen können. Zwischen 2010 und 2019 stiegen die Rüstungsausgaben der Anrainer-Staaten im Indopazifik um 50 Prozent, in China sogar um 80 Prozent.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine haben die Sorgen um eine Eskalation im Indopazifik weiter angeheizt. Befürchtet wird, dass China Russland in diesem Konflikt unterstützt, um seinerseits Unterstützung für eine gewaltsame Rückeroberung von Taiwan zu erhalten.

Das deutsche Verteidigungsministerium formulierte bereits 2020 neue Leitlinien für die Politik im Indopazifik, die ein stärkeres Engagement in der Region vorsehen. Diese umfassen unter anderem den gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel, die Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen und eine gemeinsame Sicherheitspolitik.

Die Bundeswehr im Indopazifik

Als erstes eindeutiges Zeichen ihres Engagements schickte die Bundeswehr im Sommer 2021 die Fregatte Bayern in den Indopazifik. Auf dem Programm standen Übungen mit den Marinen der USA, Australien, Japan und Singapur sowie diplomatische Besuche. Außerdem beteiligte sich die Fregatte an der Anti-Piraterie-Mission Atalanta am Horn von Afrika und an der Überwachung der UN-Sanktionen gegen Nordkorea.

Weitere Engagements im Indopazifik wurden bereits angekündigt. So will die Luftwaffe mit mindestens vier Eurofightern in Australien an der Übung Pitch Black teilnehmen. Auch die Marine soll weiterhin mit Fregatten Präsenz zeigen.

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