Indien

Indiens Terror der Straße

Hindus jagen und töten weiterhin Muslime.

Bei den schlimmsten religiösen Unruhen in Indiens Kapitale Neu-Delhi seit Jahrzehnten ist die Zahl der Toten am Donnerstag auf 35 gestiegen. Wie die Zeitung „Indian Express“ berichtete, wurden bei den seit fünf Tagen anhaltenden Krawallen in mehrheitlich muslimischen Wohngebieten auch mehr als 250 Menschen verletzt. Der frühere Premierminister Manmohan Singh sprach von einer „nationalen Schande“.

Die Polizei steht wegen ihrer abwartenden Haltung weiter in der Kritik. Ein Richter in Neu-Delhi, der das Verhalten der Polizei als untragbar bezeichnet hatte, wurde nur Stunden später versetzt. Der „Chief Minister“ von Neu-Delhi, Arvind Kejriwal, hatte am Mittwoch an Innenminister Amit Shah appelliert, die Armee gegen „Randalierer, Unruhestifter und Plünderer“ einzusetzen. Die Polizei der 19-Millionen-Stadt erhält ihre Befehle direkt von der Zentralregierung. Am Sonntag hatten Hindu-Nationalisten versucht, einen Sitzstreik von Gegnern des Gesetzes rabiat aufzulösen. Die Situation eskalierte, es kam zu ungezügelten Straßenkämpfen. Die Hindus begannen eine Hatz auf Muslime.

Der hindu-nationalistische Premierminister Narendra Modi, der während der Unruhen US-Präsident Donald Trump als Staatsgast empfangen hatte, wird beschuldigt, nicht früh genug eingeschritten zu sein. Unter den Augen der Polizei hatten Männer mit Eisenstangen, Stöcken und Molotowcocktails tagelang Häuser und Geschäfte von Muslimen in Brand gesteckt und auf Einwohner eingeschlagen. Mindestens vier Moscheen wurden zerstört.

Die Unruhen stehen in Zusammenhang mit dem neuen Staatsbürgerschaftsgesetz, das nur Nichtmuslimen aus Bangladesch, Afghanistan und Pakistan ermöglicht, Bürger Indiens zu werden – unter bestimmten Bedingungen. Kritiker sehen in dem Gesetz einen weiteren Schritt zur „Hinduisierung“ Indiens durch Modis Nationalisten. In der Verfassung ist der Staat zu religiöser Neutralität verpflichtet.

Die Mehrheit der Menschen in Indien sind Hindus, etwa 80 Prozent der 1,4-Milliarden-Nation. Die zweitgrößte Religionsgruppe sind die Muslime mit etwa 180 Millionen Menschen. (epd)

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