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Neu Delhi: Leute warten mit Gasflaschen auf neuen Sauerstoff.
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Neu Delhi: Leute warten mit Gasflaschen auf neuen Sauerstoff.

Corona

Indien setzt auf Nationalismus

  • VonAgnes Tandler
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Der größte Vakzinhersteller der Welt versagt bei seiner eigenen Impfkampagne. Auf dem Subkontinent zeigt sich immer deutlicher die verheerende Wirkung des Virus.

In anderen Ländern würde Adar Poonawalla mit Verdienstorden und Auszeichnungen überhäuft werden. Der 40-jährige Inder leitet das größte Impfstoffunternehmen der Welt in Pune. Das Serum Institute of India (SII) exportiert seine Produkte in Dutzende Länder. Es stellt das Vakzin von Astrazeneca in Lizenz her und hat 64 Millionen Impfdosen an arme Länder wie Afghanistan und Nepal, aber auch an reichere Staaten wie Kanada, Großbritannien, Brasilien und Mexiko geliefert. Von den in Indien bislang rund 130 Millionen gespritzten Impfdosen lieferte Poonawallas Firma mehr als 90 Prozent.

Lächerlich wenig bestellt

Angesichts der katastrophalen Situation in Indien, wo jeden Tag mehr als 350 000 Menschen neu an Covid-19 erkranken und Tausende sterben, sollten Poonawalla und sein Unternehmen eigentlich alle Hilfe bekommen, die nötig wäre, um Indiens schwächelnde Impfkampagne voranzubringen. Doch Poonawalla ist in London. „Alles fällt auf meine Schultern zurück“, klagt er. „Aber ich kann das nicht alleine schaffen.“ Er habe Drohungen erhalten und es für besser erachtet, Indien zu verlassen. „Die Erwartungen, die Aggression, die mir entgegenschlägt, so etwas habe ich noch nie erlebt“, berichtet er der „Times“. „Jeder glaubt, er müsse als Erster den Impfstoff bekommen.“

Während andere Staaten längst Impfstoffbestellungen abgegeben hatten, orderte Indiens Regierung spät und zögerlich – erst im Januar 2021 – und dann auch nur 15,5 Millionen Impfdosen vom SII und Bharat Biotech, das das heimische Vakzin Covaxin herstellt. Angesichts von Indiens riesiger Bevölkerung von mehr als 1,3 Milliarden Menschen war dies lächerlich. Nun mangelt es an Impfstoff, während die Pandemie ungehindert das ganze Land erfasst. Weniger als zwei Prozent der indischen Bevölkerung sind bislang vollständig geimpft, um die 9,5 Prozent haben immerhin eine Impfung erhalten. Gleichzeitig sinkt die tägliche Zahl der Impfungen in der jetzigen Krise, die Indiens ohnehin unterfinanziertes Gesundheitssystem hat kollabieren lassen. Im Schnitt werden täglich nur noch 2,5 Millionen Anti-Corona-Spritzen gesetzt. Anfang April waren es noch 4,5 Millionen Dosen am Tag. Seit dem 1. Mai sollen sich alle Inder ab 18 Jahren impfen lassen können, nachdem zuvor nur Risikogruppen, Ältere und medizinisches Personal ein Anrecht auf eine Immunisierung hatten. Doch nur zwölf von 36 Bundesstaaten hatten genug Impfstoff, um am 1. Mai mit der Gruppe der über 18-Jährigen zu starten.

In der Finanzmetropole Mumbai schlossen alle Impfzentren aus Mangel an Vakzin. Und im Bundesstaat Odisha wurden gerade einmal 96 Leute geimpft, bevor die Vorräte erschöpft waren. Zudem legte die Zentralregierung die Bestellung und Verteilung in die Hände der Bundesstaaten, die nun händeringend Impfstoff für die 18- bis 45-Jährigen beschaffen müssen.

Der Markt sollte es richten

Das SII und Bharat stehen unter dem Druck, so schnell wie möglich zu liefern. „Die Impfstoffherstellung ist sehr komplex. Man kann nicht einfach von heute auf morgen beliebig mehr produzieren“, verteidigt sich Poonawalla. Der Unternehmer sieht kein schnelles Ende der Krise. Die Impfstoffe würden in Indien noch länger knapp bleiben, vermutlich bis in den Juli.

Indiens Regierung hat kaum in die Impfstoffproduktion investiert, in der Hoffnung, der Markt werde dies schon regeln. Zudem setzte der hindunationalistische Premierminister Narendra Modi auf einen Impfstoff „made in India“. Das heimische Serum Covaxin von Bharat wurde bereits zugelassen, ohne dass es klinische Daten für seine Wirksamkeit und Sicherheit gab. Vorläufige Studienresultate bescheinigen dem Impfstoff inzwischen eine gute Effizienz gegen das Virus, doch das Misstrauen in der Bevölkerung bleibt. Ärzte, Pfleger und Schwestern in Kliniken haben sich vielfach geweigert, eine Impfung mit Covaxin zu bekommen. Bislang sind nur rund zwölf Millionen Dosen Covaxin verimpft worden.

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