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Äthiopien

In Tigray droht Hunderttausenden der Hungertod

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Versorgung der äthiopischen Region reicht nicht aus. Lokale Streitkräfte führen Kämpfe gegen benachbarte Provinzen.

Die Nahrungsmittelvorräte des Welternährungsprogramms WFP in der äthiopischen Bürgerkriegsprovinz Tigray sind aufgebraucht, ohne dass bislang ein neuer Konvoi in der Hungerregion eintraf. UN-Berichten vom Wochenende zufolge konnten zwar insgesamt 200 Lastwagen den Flughafen in Semera in der benachbarten Afar-Provinz verlassen. Ob sie die rund 300 Kilometer lange unwirtliche und umkämpfte Strecke tatsächlich passieren können, steht zur Stunde allerdings nicht fest.

Um den tatsächlichen Bedarf an Hilfsgütern in Tigray zu decken, müssten täglich 100 Lastwagen in die Bürgerkriegsprovinz gelangen, teilte WFP-Sprecher Tomson Phiri mit. WFP-Chef David Beasley gab in der vergangenen Woche bekannt, dass die Lagerbestände des UN-Hilfswerks am Freitag aufgebraucht worden seien.

Mehr als 100 000 Kinder seien in den kommenden Monaten vom Hungerstod bedroht, teilte das Kinderhilfswerk Unicef mit. „Unsere schlimmsten Befürchtungen haben sich bestätigt“, sagte Unicef-Sprecherin Marixie Mercado nach ihrer Rückkehr aus der Region am Freitag in Genf. Eine aktuelle Untersuchung habe ergeben, dass eine von zwei schwangeren oder stillenden Müttern „akut unterernährt“ sei. Derzeit lebten 400 000 Menschen in Tigray „unter den Bedingungen einer Hungersnot“, teilt die UN mit. Fast fünf Millionen seien auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

Äthiopiens Regierung besteht weiterhin darauf, dass sich in Tigray keine Hungersnot abzeichne. Bei ihrem Abzug Ende Juni hätten die Regierungstruppen 44 000 Tonnen Weizen und 2,5 Millionen Liter Pflanzenöl zurückgelassen, sagte die Sprecherin des Regierungschefs Abiy Ahmed, Billene Seyoum. Wo sich diese befinden und wer sie verteilen soll, wurde nicht mitgeteilt.

Premierminister Abiy, der 2019 den Friedensnobelpreis erhalten hatte, beharrt darauf, dass seine Regierung die Versorgung der Bevölkerung Tigrays mit Nahrungsmittelhilfe „in keiner Weise“ behindere. Internationale Hilfswerke tun sich schwer, die Blockade Tigrays seitens der äthiopischen Regierung zu kritisieren. Sie befürchten, von Addis Abeba als parteiisch hingestellt zu werden: Ihre Mitarbeiter vor Ort würden so noch zusätzlich gefährdet.

Die Provinz ist abgeschottet

Die Tigray-Provinz ist von der Außenwelt fast vollständig abgeschottet: Mobilfunk- und Internetverbindungen sind unterbrochen, ausländische Presse wird nicht mehr nach Tigray gelassen.

Unterdessen weiten sich auch die Kämpfe in der Region weiter aus. „Tigrays Verteidigungsstreitkräfte“ (TDF) drangen bereits in die beiden benachbarten Provinzen Amhara und Afar vor: Dort liefern sie sich Gefechte mit der äthiopischen Armee und den Provinzmilizen. Beobachter vermuten, dass die TDF die Eisenbahnlinie zwischen Addis Abeba und dem Hafen in Dschibuti unterbrechen will: Auf ihr werden rund 95 Prozent der Ein- und Ausfuhren des 110 Millionen Einwohner zählenden Landes befördert.

Die Präsidenten der Afar- und Amhara-Provinzen riefen ihre Bevölkerung zu den Waffen. Jeder über 18-jährige Mann solle sich dem „Kampf ums Überleben“ anschließen, sagte Amharas Präsident Agegnehu Teshager.

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