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Die Nahrungsmittelversorgung sei „angespannt“, verkündete Kim Jong Un seinen Landsleuten am Dienstag.
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Die Nahrungsmittelversorgung sei „angespannt“, verkündete Kim Jong Un seinen Landsleuten am Dienstag.

Zentralkomitee

In Nordkorea geben die Hardliner den Ton an

  • VonFabian Kretschmer
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Machthaber Kim Jong Un will das Land weiter abschotten – mit drastischen Folgen für die Menschen. Viele sind massiv unterernährt.

Pjöngjang – Als Kim Jong Un nach mehr als einem Monat Abwesenheit wieder in die Öffentlichkeit trat, sorgte der 37-jährige Diktator wie so oft für mediales Kaffeesatzlesen: Er wirkte schmaler, und selbst renommierte Nordkorea-Fachleute analysierten auf Twitter jedes Kim-Foto der Staatsmedien. Doch letztlich bleiben die Gründe für seinen Gewichtsverlust Spekulation.

Dabei lenken solche Äußerlichkeiten ab von den Transformationen im Land. Denn wie Kim beim Auftakt des mehrtägigen Treffens des Zentralkomitees am Dienstag bekannt gab, sei die Nahrungsmittelversorgung „angespannt“. Offenbar hat neben der ohnehin katastrophalen Misswirtschaft des Regimes und den Naturkatastrophen auch die Pandemie die humanitäre Lage im Land verschärft.

Preise für Importprodukte in Nordkorea haben sich teilweise verzehnfacht

Dennoch gehört der indirekte Hilferuf aus Pjöngjang mittlerweile längst zur Routine im nordkoreanischen Polit-Kalender, und ohne Entwicklungshelfer:innen vor Ort lässt sich das wirkliche Ausmaß nicht überprüfen. „Nordkorea übertreibt oftmals seine Ernteprobleme zumindest etwas, um mehr internationale Hilfe anzufordern“, sagt Mason Richey von der Hankuk University of Foreign Studies in Seoul. Dennoch stünde außer Frage, dass im Land viele Menschen massiv unterernährt seien.

Auch die Elite in Pjöngjang muss zumindest auf einige Annehmlichkeiten verzichten. Wie das Fachmedium „NK News“ zuletzt berichtete, haben sich die Preise für Importprodukte teilweise verzehnfacht: Bestimmte Shampoo-Marken kosten in ausgewählten Supermärkten mittlerweile umgerechnet 200 US-Dollar, ein Kilogramm Bananen immerhin 45 Dollar. Das deutet darauf hin, dass die Grenzschließungen auch die Warenströme ins Land beeinträchtigen.

Nordkorea: Schießbefehl an der Grenze zu China

Und daran wird sich sobald wenig ändern. Der wirtschaftliche Einbruch im vergangenen Jahr betrug nach einer Schätzung des südkoreanischen „Hana Institut für Finanzen“ knapp zehn Prozent. Stärkster Faktor war der fast zum Stillstand gekommene Handel mit China – dem einzig signifikanten Außenhandelspartner Nordkoreas.

Die Pandemie hat schließlich geschafft, was die jahrelange US-geführte Sanktionspolitik nicht vollbringen konnte: die vollständige Isolation Nordkoreas. Der aktuelle Zustand des Landes ist also der wahr gewordene Traum eines jeden Hardliners in Washington: Seit fast anderthalb Jahren hat Pjöngjang sämtliche internationalen Flug- und Zugverbindungen gekappt sowie einen Schießbefehl an der Grenze zu China ausgegeben.

Diplomatie mit Nordkorea ist stark eingeschränkt

Dennoch ist damit noch gar nichts erreicht, denn die Isolation hat auch jede Möglichkeit für Diplomatie eingeschränkt. „Dies ermöglicht Nordkorea wiederum, sein Atomprogramm voranzutreiben, ohne dass die internationale Gemeinschaft wirklich Druck ausüben kann“, sagt Richey.

Beim Parteiplenum diese Woche hat Kim angedeutet, dass die Grenzschließungen wohl auf absehbare Zukunft bestehen bleiben. So habe der Machthaber den Staatsapparat angewiesen, „einen perfekten antiepidemischen Zustand aufrecht zu erhalten“, wie Nordkoreas Staatsmedien es formulieren.

Düngerlieferungen nach Nordkorea bleiben aus

Konkret bedeutet das: Die jüngsten Anzeichen für einen wiederaufgenommenen Handel an der Grenze zu China– etwa neue Desinfektionsstände am Zollübergang, erhöhter Schiffsverkehr – scheinen nun vollständig umgekehrt. Und solange die Brückenverbindung zwischen den beiden Staaten geschlossen bleibt, bleiben auch die für die Landwirtschaft dringend benötigten Düngerlieferungen aus.

Wer die Verlautbarungen der Staatsmedien aufmerksam liest, kann nur zu dem Schluss kommen, dass die Reformer innerhalb des Regimes sämtlichen Einfluss verloren haben. Die konservativen Hardliner, die die Rolle des Staates stärken wollen, geben längst den Ton an. Für sie bedeuten die geschlossenen Grenzen nicht nur Schutz vor dem Virus, sondern auch vor ausländischen Einflüssen. (Fabian Kretschmer)

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