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Ein Menschenrechtsaktivist demonstriert gegen Ferdinand Marcos Junior und Sara Duterte.
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Ein Menschenrechtsaktivist demonstriert gegen Ferdinand Marcos Junior und Sara Duterte.

Philippinen

In den Fußstapfen des Diktators

  • VonFelix Lill
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Auf den Philippinen will Ferdinand Marcos Junior Präsident werden - flankiert von Sara Duterte.

Auf den Philippinen bewirbt sich ein Duo um die neue politische Führung, das es in demokratischen Wahlen eigentlich kaum geben dürfte: Ferdinand Marcos, Sohn eines Ex-Diktatoren, und Sara Duterte, Tochter des autoritären Präsidenten Rodrigo Duterte. Und die zwei haben gute Chancen.

Was für Ferdinand Marcos Junior der Rat seines Vaters bedeutet? Auf diese Frage muss der Diktatorenspross ein kurzes Lachen ausstoßen, dann blickt er an der Kamera vorbei in die Ferne: „Die Welt. Er bedeutet so viel wie die ganze Welt für mich.“ Das PR-Video, das der Politiker schon vor zwei Jahren auf Youtube hochlud, enthielt noch Fragen über den Modestil des 1989 verstorbenen Ferdinand Marcos Senior, dessen Humor und die Dinge, die der Sohn an ihm besonders schätzt. Eine kritische Frage kam nicht vor.

Die Familie stahl Milliarden US-Dollar öffentlicher Mittel

Dabei müsste es in einer Demokratie, wie es die Philippinen sind, eigentlich Konsens sein, dass man sich mit einem Namen wie Marcos erstmal distanziert auseinandersetzt, ehe man womöglich ins Loben kommt. Ferdinand Marcos Senior regierte den Inselstaat in Südostasien von 1965 bis 1986, rund die Hälfte der Zeit als Diktator. Ab 1972 galt das Kriegsrecht im Land, Zehntausende Oppositionelle, Journalist:innen und Aktivist:innen wurden verhaftet oder getötet. Außerdem stahl die Familie Milliarden US-Dollar öffentlicher Mittel. Als das Marcos-Regime 1986 durch Demokratieproteste abgesetzt wurde, galt die Marcos-Ära längst als dunkler Abschnitt der nationalen Geschichte.

Dieses vermeintlich abgeschlossene Kapitel erlangt nun neue Bedeutung, denn Ferdinand Marcos Junior will in die Fußstapfen des Vaters treten. Wenn die Philippinen im Mai 2022 ihr neues Staats- und Regierungsoberhaupt wählen, würde Marcos Junior gerne der neue Präsident für 110 Millionen Menschen werden. Dabei hat „Bongbong“, wie der 64-Jährige oft genannt wird, zwar seinen Respekt für Menschenrechte erklärt. Von seinem Vater distanzieren will er sich aber nicht. Und dennoch, oder gerade deshalb, geht Marcos laut Umfragen als Favorit in den gerade begonnen Wahlkampf.

Demokratie-Ikone Leni Robredo tritt zur Wahl an

Ein Grund, warum seine Aussichten gut erscheinen, ist eine zweite kontroverse Personalie: Sara Duterte, 43 Jahre alt und Tochter des seit 2016 regierenden Präsidenten Rodrigo Duterte. Der Vater gewann vor sechs Jahren eine Wahl, in der er damit geworben hatte, Drogenabhängige töten zu lassen. Auch durch den Einsatz von Trollen im Internet konnte sich der Politiker, der es zuvor als Bürgermeister der südphilippinischen Stadt Davao mit ähnlichen Mitteln zu fragwürdiger Popularität geschafft hatte, bis jetzt an der Macht halten. Und Sara Duterte, die derzeit Davao regiert, will nun in die nationale Politik einsteigen und Vizepräsidentin werden. Marcos Junior will mit Duterte gemeinsam Wahlkampf machen.

Der Sohn eines Ex-Diktators im Duett mit der Tochter eines autoritär und brutal regierenden Präsidenten: Es ist nur eine von mehreren kuriosen Facetten, die sich im Vorfeld der philippinischen Wahlen zeigen. Da ist etwa der Ex-Boxer Manny Pacquiao, der als einziger Athlet seiner Sportart in acht Gewichtsklassen Weltmeistertitel gewann. Seit einigen Jahren ist der streng katholische und erklärt homophobe Pacquiao auch Abgeordneter im Parlament, hat lange Zeit Dutertes Arbeit unterstützt. Nun tritt Pacquiao mit einem Versprechen, gegen Korruption und Armut vorzugehen, als Kandidat auf den Präsidentschaftsposten an.

Rodrigo Duterte setzt auf Sündenböcke

Mit Christopher Go bewirbt sich noch ein weiterer Weggefährte von Rodrigo Duterte, mit der Demokratie-Ikone Leni Robredo allerdings auch eine harsche Gegnerin. Die Menschenrechtlerin ist derzeit Vizepräsidentin, ein Amt, das separat von jenem des Präsidenten gewählt wird und in den Philippinen durchaus in Opposition zum Regierungschef stehen kann. Robredo hat den Kurs von Duterte immer wieder kritisiert, setzte sich 2016 auch mit ihrer erklärten Distanz zu Duterte in der Wahl ums Vizepräsidentenamt durch – damals gegen Ferdinand Marcos Junior, der den Posten ebenfalls ins Visier genommen hatte.

Diesmal aber gilt aber Marcos als Favorit, und dies eben im Duett mit Sara Duterte. Was diese beiden im Rahmen einer demokratischen Wahl so populär macht, ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Als wichtige Gründe gelten die harte Hand und Rhetorik ihrer Väter, die zwar brutal gewesen ist, aber eben auch kompromisslos daherkommt. Und sie ist die Antithese zu den Dynastien demokratischer Politikerinnen und Politiker, die als elitär und bisweilen unentschlossen angesehen werden.

Verhindert das Duo die Aufarbeitung der Verbrechen?

Wo demokratische und moderate Politiker:innen des liberalen Lagers etwa bei der Bekämpfung von Armut und Kriminalität eher auf sachliche Art kleine Fortschritte betonen, sucht etwa Rodrigo Duterte lieber Emotionen und Sündenböcke. Die vermeintlich ehrliche Brutalität, die auch als Qualität des Ex-Diktators Marcos gilt, wird bei vielen Wähler:innen nun zu einem Vorteil für deren Kinder. Weil Marcos und Duterte aber immer wieder ausweichen, wenn es darum geht, sich von ihren Eltern zu distanzieren, wären von einer durch sie geführten Regierung zunächst kaum große Fortschritte zu erwarten, was etwa die Achtung von Menschenrechten angeht.

Die linke Opposition befürchtet vielmehr, dass Marcos und Duterte die Aufarbeitung der Verbrechen des nun scheidenden Präsidenten verhindern würden. Und dies womöglich für längere Zeit. Denn wenn die sechs Jahre, auf die eine Regentschaft begrenzt sind, vorbei sind, könnte umgekehrt Sara Duterte um den Präsidentenposten kandidieren, dann mit Marcos Junior als Vize.

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