Nicht die herzlichste Beziehung zwischen Trumo und Merkel.
+
Nicht die herzlichste Beziehung zwischen Trumo und Merkel.

Trump

Impulsiv gegen Deutschland

  • Karl Doemens
    vonKarl Doemens
    schließen

Trump heizt jedweden transatlantischen Dissens an, wenn es für den Augenblick nützt. Auch bei Berlin. Das verdeutlicht das Enthüllungsbuch von Ex-Berater John Bolton.

Die amerikanische Entscheidung zur Truppenreduzierung wurzelt offenbar in Donald Trumps obsessiver Verärgerung über Deutschland. In den Enthüllungsmemoiren „The Room Where It Happened“ schildert sein Ex-Sicherheitsberater John Bolton zahlreiche Gespräche, in denen sich der US-Präsident abfällig über Berlin äußerte. So soll er sich beim französischen Präsidenten Emmanuel Macron über den „furchtbaren Nato-Partner“ Deutschland beklagt haben und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg gedroht haben, die USA würden ihre Leistungen für das Verteidigungsbündnis auf das deutsche Niveau senken.

Trotz Trumps angeblicher Beteuerung „I love Angela“ auf dem Brüsseler Nato-Gipfel im Juli 2018 hält sich offenbar auch die Sympathie des Präsidenten für Kanzlerin Merkel in Grenzen. Laut Bolton veralbert er sie wegen ihrer Argumentation im Streit über das Zwei-Prozent-Ausgabenziel als „eine der größten Stepptänzerinnen der Nato“.

Bei einer Kundgebung in Tulsa am Samstag hatte Trump behauptet, wegen zu geringer Verteidigungsausgaben schulde Deutschland der Nato eine Billion Dollar. Mit dieser Fiktion begründete er dann den von ihm angeordneten Abzug von 9500 der derzeit 34 500 US-Soldaten.

Boltons Buch, das am Dienstag in den USA erschienen ist, schildert jedoch, wie sich Trump in den vergangenen zwei Jahren bei fast jeder Gelegenheit über die Deutschen beschwert hat. Die Anlässe reichen vom deutschen Handelsüberschuss über die Verteidigungsausgaben, die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, die Ukraine-Politik und den Iran-Deal bis zur deutschen Nicht-Beteiligung am Vergeltungsschlag für einen syrischen Giftgasangriff.

So begannen die bilateralen Gespräche beim Merkel-Besuch im Weißen Haus im April 2018 nach Boltons Schilderung gleich mit einem Vorwurf: Trump beschwerte sich, dass Berlin mit Nord Stream 2 „die Bestie“ (Russland, d. Red.) füttern würde. Der Präsident hält die Deutschen für „Gefangene Russlands“, schreibt Bolton. Zudem habe er sich massiv über die Handelspolitik beklagt und schon damals gesagt, die Europäische Union sei „schlimmer als China, nur kleiner“. Merkels Bitte um einen Aufschub der angedrohten Zölle auf Stahl und Aluminium quittierte der US-Präsident dem Buch zufolge mit der Frage, wann Deutschland die angestrebten zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben werde. Nachdem die Kanzlerin laut Bolton das Jahr 2030 nannte, habe Trump die erbetene Galgenfrist als „Zeitverschwendung“ abgelehnt.

Die Vermischung wirtschaftlicher und militärischer Fragen ist ebenso typisch für Trump wie die fälschliche Darstellung, Deutschland zahle zu geringe Beiträge zur Nato. Tatsächlich einigten sich die Nato-Partner 2014 auf ein zweiprozentiges Ausgabenziel ihrer jeweiligen Verteidigungshaushalte, nicht auf Anteile an irgendeinem gemeinsamen Topf. „Ob Trump das jemals verstanden hat, (…) habe ich nicht herausgefunden“, schreibt Bolton, der vom April 2018 bis September 2019 Nationaler Sicherheitsberater war.

Deutschland lag zuletzt bei 1,38 Prozent. Auch beim Nato-Gipfel in Brüssel soll Trump verärgert gesagt haben: „Viele Nato-Partner schulden uns eine Menge Geld.“ Als Trump dann offenbar drohte, die US-Leistungen auf das deutsche Niveau zu senken, soll sein damalige Verteidigungsminister James Mattis zu ihm gesagt haben: „Das wird hier ziemlich verrückt.“

Bei einem Besuch im Weißen Haus 2019 lenkte der südkoreanische Präsident Moon Jae-In laut Bolton den Groll des US-Präsidenten bewusst auf Deutschland, um aus der Schusslinie zu geraten. Trump habe sich über die Kosten der US-Militärbasen in Südkorea beklagt, woraufhin Moon erwidert haben soll, dass sein Land mit 2,4 Prozent das Nato-Ausgabenziel im Gegensatz zu Berlin übererfülle. Und Trump setzte zu einer neuerlichen antideutschen Tirade an.

Die negative Fixierung Trumps auf Deutschland wirkt kurios, da sein Großvater aus der Pfalz auswanderte. Der Präsident hat das in der Vergangenheit jedoch öfter geleugnet und von schwedischen Familienwurzeln gesprochen. Offenbar um dem Verdacht der Voreingenommenheit zu begegnen, behauptete Trump laut Bolton dann kurioserweise beim Nato-Gipfel im Juli 2018, dass „sein Vater aus Deutschland stammt“. Tatsächlich wurde Fred C. Trump in der Bronx geboren.

Doch solche Details kümmern Trump nicht. Bolton war Augenzeuge des Treffens in Trumps Golfclub in Bedminster im August 2019, bei dem es eigentlich um das Friedensabkommen mit den afghanischen Taliban ging. Dort verwechselte Trump nach Angaben seines Ex-Sicherheitsberaters öfter den afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani mit dessen Vorgänger Hamid Karzai. Dann sprach er über die Ukraine und beklagte, dass Deutschland nichts für das Land tue. Inzwischen ist bekannt, dass er zu dieser Zeit US-Militärhilfe zurückhielt, um Kiew zu einer Intrige gegen den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden zu nötigen.

Offenbar war Trump über Deutschland ähnlich frustriert wie über Afghanistan. Jedenfalls erklärte er nach Boltons Schilderung plötzlich: „Ich will aus allem heraus.“ Er wolle „unsere Soldaten auf unserem Boden“, habe Trump hinzugefügt: „Zieht sie aus Deutschland ab!“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare