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Corona

„Falsche Priorität“: Impfen Kinderärzte heimlich gegen Corona?

  • VonMirko Schmid
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Bisher gibt es keine Zulassung für eine Impfung von unter zwölf Jahre alten Kindern gegen Corona. Trotzdem sollen Kinderärzte gemäß eines Medienberichts bereits impfen.

Berlin – Bisher ist eine Impfung gegen das Coronavirus für Kinder unter zwölf Jahren noch nicht zugelassen. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat zwar bereits grünes Licht für eine Verabreichung der Vakzine an Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren geben, unterhalb dieser Altersgrenze soll und darf allerdings noch nicht geimpft werden. Doch während Politik und die Ständige Impfkommission (Stiko) noch uneins über eine Empfehlung einer solchen Impfung von Minderjährigen sind, schaffen Kinderärzte allem Anschein nach bereits Fakten – und das sogar bei noch jüngeren Kindern.

Einem Bericht des Tagesspiegels zufolge impft ein Netzwerk von Ärzten nämlich ungeachtet aller Zulassungsrichtlinien und Empfehlungen Kinder sämtlicher Altersklassen. Er habe „doch eine Verantwortung“, wird einer der impfenden Ärzte zitiert, er sei der Meinung, dass es sich für einen Arzt „einfach gehöre“, schweren Erkrankungen vorzubeugen. Dies schulde er seinen Patient:innen und „der Gesellschaft“.

Aufgrund von Morddrohungen, die er nach eigenen Angaben erhalten habe, wollte der Arzt seine Angaben gegenüber der Tageszeitung nur unter dem Schutz der Anonymität abgeben, heißt es. Das Impfen Minderjähriger rechtfertigt der Mediziner mit seiner „sehr dynamischen Situation“, schließlich herrschten gerade nicht die Umstände vor, „für die diese Regeln entwickelt“ worden seien. Was der Arzt damit meint: Im Zeitraum, in dem Corona-Impfstoffe an Zwölfjährigen getestet wurden, war in Deutschland noch die – gerade für Kinder und Jugendliche – vergleichsweise weniger aggressive Alpha-Variante dominant, welche inzwischen von der Delta-Variante verdrängt wurde.

Arzt impft Kinder gegen Corona: Sorgen um deren Sicherheit „falsche Priorität“

Kinder aus bloßer „Sorge um ihre Sicherheit dem Virus auszusetzen“, sei für den Mediziner eine „falsche Priorität“. Im Gegensatz zur Stiko, die gemäß dem Mediziner lediglich „normales Leben“, nicht aber „Pandemie kann“, vertrete er die Auffassung, dass der Nutzen einer Impfung von Minderjährigen schwerer wiege, als mögliche Nebenwirkungen. Dementsprechend impft der Arzt, ungeachtet der Tatsache, dass Impfgegner:innen ihn in den Sozialen Medien zum Teil aggressiv und vulgär angreifen, bereits die Jüngsten – so auch Kleinkinder.

Während im europäischen Ausland, wie beispielsweise hier in Utrecht, bereits Kinder und Jugendliche in den Impfzentren versorgt werden, gibt es für Deutschland noch keine allgemeine Empfehlung.

Diesen verabreiche er die für Kinder ab zwölf Jahren zugelassenen Impfstoffe, lediglich die Dosis passe er an und verringere die Menge entsprechend dem jeweiligen Alter seines jungen Klientels. Und sein Angebot findet Anklang. Der Tagesspiegel berichtet von Eltern aus dem gesamten Bundesgebiet, welche nach Brandenburg reisten, um ihre Sprösslinge gegen Corona impfen zu lassen.

Mit seinem Handeln bewegt sich der Mediziner trotz aller Anfeindungen im legalen Bereich. In Deutschland liegt es im eigenen Ermessen von Ärzt:innen, Arzneimittel auch außerhalb des zugelassenen Bereiches anzuwenden, solange diese über eine grundsätzliche Zulassung verfügen. Dabei nehmen sie allerdings in Kauf, dass sie im Falle eines Impfschadens selbst in Haftung genommen werden können.

Impfungen von Kindern erfolgen auf eigene Verantwortung der Ärzt:innen

Er und andere Ärzt:innen hätten dennoch entschieden, das mit der Impfung von Kindern unter zwölf Jahren einhergehende Risiko zu tragen. Begonnen habe er die Impfungen mit einem sechsjährigen Jungen mit Down-Syndrom und Herzfehler, dessen kleine Schwester den Kindergarten besuche. Die Eltern der beiden Kinder seien darum in großer Sorge gewesen, gemeinsam habe man die Sachlage „lange diskutiert“ und sei zu dem Schluss gekommen, dass es verantwortungslos sei, „so einem Kind“ die Impfung zu verweigern.

Während der Arzt nun also bereits Kinder unter zwölf Jahren impft, hat die Stiko des Landes Sachsen Corona-Impfungen für Kinder oberhalb dieser Altersgrenze inzwischen empfohlen. Ab dem 1. August sollen Kinder und Jugendliche im ostdeutschen Bundesland nun standardmäßig gegen eine schwere Corona-Infektion geschützt werden. Bislang war es bundesweit üblich, dass eine Impfung lediglich für jene Minderjährige empfohlen war, welche Risikofaktoren respektive chronische Erkrankungen aufweisen. Druck der Politik, etwa von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), sei in dieser Frage nicht hilfreich, betonte Martin Terhardt, Mitglied der Bundes-Stiko, zuletzt. Solcherlei Äußerungen seien ein „grober Fehler“ und würden die Arbeit der Stiko „entwerten“. (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © imago

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