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Impfstoff in Afrika: Container statt Patent – Biontech startet erst in einem Jahr

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Von: Lucas Maier

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Nachhaltige Impfstoffherstellung bei Biontech wird vorgestellt
„Biontainer“: In Marburg hat Biontech den Plan für den afrikanischen Kontinent vorgestellt. © Andreas Arnold/DPA

Die Corona-Impfquoten in Afrika sind niedrig. Biontech will nun Vakzine auf dem Kontinent produzieren. Das Patent soll trotzdem in Marburg bleiben.

Marburg – In Deutschland sind 74,8 Prozent (Stand: 16.02.022) der Bevölkerung bereits vollständig geimpft. Auch in anderen Ländern der EU sind die Impfquoten hoch. Auf dem afrikanischen Kontinent stellt sich die Lage weitaus dramatischer dar.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt die Impfquote auf dem Kontinent lediglich bei elf Prozent, wie der evangelische Pressedienst mitteilt. Ein Grund für die niedrige Impfquote ist laut verschiedenen Hilfs- und Entwicklungsorganisationen der Patentschutz von Impfstoffen. Der Hersteller Biontech aus Marburg hat nun eine Container-Lösung für die Vakzin-Produktion vorgestellt.

Biontech-Impfstoff in Afrika: Produktion Ja – Patent Nein

Das Pharmaunternehmen Biontech will die Impfstoff-Produktion in Afrika voranbringen, ohne die eigenen Patente freigeben zu müssen. Sogenannte „Biontainer“ sollen die Herstellung von Corona-Vakzinen vor Ort ermöglichen. Beginnen soll die Produktion jedoch erst ab dem kommenden Jahr.

Gemeinsam mit hochrangigen Vertretern afrikanischer Staaten stellte Biontech am Mittwoch (16.02.2022) in Marburg seine Pläne zur Impfstoff-Produktion vor. Die ersten mobilen Produktionsanlagen wolle man noch dieses Jahr auf den afrikanischen Kontinent bringen, sagte der Vorstandsvorsitzende von Biontech, Ugur Sahin.

Biontech in Afrika: Produktion von Corona-Impfstoff startet erst in 12 Monaten

Die Produktion von Corona-Impfstoff könne jedoch erst 12 Monate später starten, so der Vertreter von Biontech. Zwölf der „Biontainer“ braucht es für die Produktion des Impfstoffes. Diese würden in zwei Ebenen aufgebaut, seien komplett standardisiert und könnten auf Lkw, Züge oder Schiffe geladen werden, so das Unternehmen.

Die am Biontech-Standort Marburg entwickelten Container können mit minimaler Infrastruktur betrieben werden, berichtet der epd weiter. Bei der Entwicklung habe man von Anfang an mit lokalen Partnern zusammengearbeitet.

Große Versprechen in Marburg: mRNA soll in Zukunft gegen Tuberkulose und HIV eingesetzt werden

Die Infrastruktur soll von lokale Organisationen und Regierungen bereitgestellt und ermöglicht werden, während die Auslieferung und die Installation der Module durch Biontech erfolgt, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Der Vorstandsvorsitzende Sahin stellte weitere Vakzine in Aussicht. Die mRNA-Technologie könne angepasst werden und so für zukünftige Herausforderungen und Impfstoffe verwendet werden, so Sahin. Konkret sprach er von möglichen Medikamenten und Vakzinen gegen:

Der operative Geschäftsführer von Biontech, Sierk Pötting, sieht in den Containern eine Lösung, um so schnell wie möglich mit der Vakzin-Produktion auf den afrikanischen Kontinent zu kommen.

Afrikanische Union dankt Biontech: „Historischer Tag“ und ein Ende der Ungerechtigkeit in der Impfstoff-Verteilung

Biontech will die Container zunächst im Senegal, in Ruanda und eventuell in Südafrika aufstellen. Der sogenannte «fill and finish»-Prozess, also die letzten Schritte der Produktion, sei für Ghana geplant. Der Präsident von Ruanda, Paul Kagame, dankte Biontech für die innovative Lösung.

Wohlwollende Worte kamen auch von der Afrikanischen Union. Von einem „historischen Tag“ und einem Ende der Ungerechtigkeit in der Impfstoffverteilung, sprach der Präsident der Afrikanischen Union und Präsident des Senegals, Macky Sall.

ONE begrüßt Vorgehen von Biontech – hofft aber auf eine Weitergabe der„Lizenzen an Hersteller in Afrika“

Der Aufbau von Impfstoff-Produktionsstätten in Afrika wird auch von der Organisation ONE begrüßt. Die internationale Organisation setzt sich für ein „Ende extremer Armut und vermeidbarer Krankheiten bis zum Jahr 2030“ ein. Entscheidend sei aber die Weitergabe der Technologie, des Wissens und „idealerweise Lizenzen an Hersteller in Afrika“, teilte die Organisation am Mittwoch mit.

Nur so lässt sich der gewaltige Impfrückstand in Afrika aufholen und künftigen Pandemien schneller, effektiver und gerechter begegnen.

ONE am Mittwoch (16.02.2022)

Mehr als ein Jahr nach der Zulassung der ersten Corona-Impfstoffe sind in den meisten afrikanischen Ländern im Vergleich zu reichen Industrienationen nur wenige Menschen geimpft. Das Treffen in Marburg fand vor dem Hintergrund des EU-Afrika-Gipfels am 17. und 18.02.2022 in Brüssel statt. (Lucas Maier mit EPD)

Nicht nur in Marburg wurde ein mRNA-Impfstoff entwickelt, auch in Kapstadt gab es einen Durchbruch beim Thema Corona-Impfstoff.

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