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Mitt Romney ist zwar kein Revoluzzer, widerspricht dem US-Präsidenten aber offen.   Bernstein/rtr

US-Republikaner

Mitt Romney ist der Dissident mit Tarnung

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Der Widerstand gegen Donald Trump innerhalb der Republikaner wird vor allem von Senator Mitt Romney geführt. Ein Porträt.

Ausführlich pries Donald Trump in einer bizarren Kabinettssitzung am Montag seine Errungenschaften und wetterte gegen die „boshaften“ Demokraten. Doch eines, räumte der US-Präsident plötzlich ein, müsse man den politischen Gegnern lassen: „Sie halten zusammen. Sie haben keinen Mitt Romney in ihrer Mitte.“

Die Äußerung hebt den Senator von Utah klar aus der Masse seiner republikanischen Parteifreunde heraus, die Donald Trump immer wieder hinter vorgehaltener Hand kritisieren, aber die öffentliche Konfrontation mit ihm scheuen. Auch Romney ist kein Revoluzzer. Aber in der Ukraine-Affäre und beim Syrienabzug hat er dem Amtsinhaber offen widersprochen. Und aus seiner Geringschätzung für dessen charakterlichen Eigenschaften macht er keinen Hehl. So wird der 72-Jährige zunehmend zur zentralen Figur im bevorstehenden Amtsenthebungsverfahren gegen Trump.

Bemerkenswert ist, dass der gläubige Mormone und millionenschwere Geschäftsmann, der bei der Präsidentschaftswahl 2012 dem damaligen Amtsinhaber Barack Obama unterlag, seinen ehemaligen Kontrahenten ebenso wie dessen Stellvertreter Joe Biden vor wenigen Tagen in einem Interview mit der Nachrichtenseite Axios als „Ehrenmänner“ bezeichnete, Trump diesen Titel aber vorenthielt: „Er hat sicher Elemente von Ehre in seinem Leben. Und es gibt Dinge, die ich nicht für ehrenwert halte. Ich sage das wegen der Schweigegeldzahlungen an einen Pornostar für eine außereheliche Affäre“, erläuterte Romney.

Der Senator hat nicht nur moralische Bedenken gegen Trump. Kritik übte er auch an dessen Rassismus und Frauenfeindlichkeit, die das Fundament der amerikanischen Gesellschaft schwer beschädigten. Entschieden distanzierte er sich zuletzt von Trumps Versuch, den ukrainischen Präsidenten und andere ausländische Regierungschefs zu einer Schmutzkampagne gegen die Demokraten zu nötigen. Und die überstürzte Abwendung des Präsidenten von den kurdischen Verbündeten in Syrien geißelte er als „Verstoß gegen unsere heiligsten Pflichten“.

So hart ist Romney den Präsidenten bislang nicht angegangen. „Der Gentleman aus Utah scheint plötzlich bereit, die Glacéhandschuhe fallen zu lassen“, beobachtete die Zeitschrift „The Atlantic“. Das wäre bemerkenswert, denn ein Amtsenthebungsantrag gegen den Präsidenten bedürfte der Zustimmung des Senats. Romney hat sich als erster Vertreter der republikanischen Mehrheit offen für ein Impeachment gezeigt.

Mehr als ein erster Riss in der Partei ist das freilich nicht. Am Ende müssten 20 der 53 Republikaner in der Kammer für Trumps Absetzung votieren. Und für eine offene Revolte müsste Romney endgültig die Glacé- gegen die Boxhandschuhe austauschen. Jahrelang hatte er kritische Tweets über Trump unter einem Decknamen gelikt. Erst als ihm am Wochenende eine Journalistin auf die Schliche kam und fragte, ob er den inzwischen privat gestellten Twitter-Account eines gewissen Pierre Delecto betreibe, hatte er sein digitales Coming out. „C’est moi“, bestätigte er knapp.

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