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Berichten zufolge leben 400 000 Menschen in Äthiopien unter den Bedingungen einer Hungersnot. Foto: Amanuel Sileshi / AFP.
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Berichten zufolge leben 400 000 Menschen in Äthiopien unter den Bedingungen einer Hungersnot.

Bürgerkireg

Äthiopien: UN-Abgesandte ausgewiesen - 400.000 Menschen in Tigray leiden unter Hungersnot

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Äthiopien weist sieben leitende UN-Abgesandte aus. Die humanitäre Lage in der Krisenregion Tigray spitzt sich unterdessen zu.

Tigray - Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed manövriert sich immer tiefer ins internationale Abseits. Seine jüngste Entscheidung, sieben leitende Abgesandte der Vereinten Nationen aus dem Bürgerkriegsstaat am Horn von Afrika auszuweisen, stieß sowohl im New Yorker UN-Hauptquartier wie bei der US-Regierung in Washington auf heftige Kritik: Es scheint deshalb nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis US-Präsident Joe Biden bereits im vergangenen Monat angedrohte Sanktionen gegenüber Äthiopien verhängt.

UN-Generalsekretär António Guterres bemühe sich gegenwärtig, Premierminister Abiy Ahmed zu einer Korrektur seiner „schockierenden“ Entscheidung zu bewegen, hieß es am Freitag in New York. Doch die bisherigen Erfahrungen im Umgang mit der äthiopischen Regierung erlauben kaum Hoffnung.

Äthiopien: Lage in Tigray spitzt sich zu - 400.000 Menschen leiden Hungersnot

Die Ausweisung der sieben UN-Gesandten hatten Äußerungen des Nothilfekoordinators des Staatenbunds, Martin Griffith, ausgelöst, der nach einem Äthiopienbesuch Anfang dieser Woche von einer „de facto Blockade“ der Bürgerkriegsprovinz Tigray durch Abiy Ahmeds Regierung gesprochen hatte. Sie sei absichtlich geschaffen worden und könne durch „einen Akt der Regierung“ wieder aufgehoben werden. Griffith machte die Blockade für die sich zuspitzende humanitäre Lage in Tigray verantwortlich.

Dort sollen bereits 400.000 Menschen unter den Bedingungen einer Hungersnot leben, die Rate der Mangelernährung liegt bei über 22 Prozent: „Ungefähr so hoch wie zu Beginn der somalischen Hungersnot 2011“, sagt Griffith: Ihr waren fast eine Viertelmillion Menschen zum Opfer gefallen.

Äthiopien: Tigray ist seit drei Monaten von der Außenwelt abgeschnitten

Die UN-Hilfswerke verfügen in Äthiopien über ausreichende Vorräte an Nahrungsmitteln: Doch die Blockade verhindert, dass die Hilfe in die Provinz gelangt. Um eine Hungersnot vorzubeugen, müssten nach UN-Schätzungen täglich mindestens 100 Lastwagen in Tigray eintreffen: In den vergangenen zweieinhalb Monaten sollen jedoch lediglich 606 Transporter tatsächlich in die Provinz gelangt sein, nur 38 kehrten wieder zurück. Dafür verantwortlich wird die akute Treibstoffknappheit in Tigray gemacht: Derzeit stecken offenbar Hunderte von Lastwagen in der Provinzhauptstadt Mekele ohne Diesel fest. Regelmäßig werden UN-Konvois aber auch an der Grenze zu Tigray von den Sicherheitskräften an der Weiterfahrt gehindert. Und immer wieder schließen auch Kampfhandlungen aus, dass die Hilfstransporter weiterfahren können.

Tigray ist seit drei Monaten von der Außenwelt abgeschnitten: Die Regierung ließ sowohl das Mobilfunknetz wie den Zugang zum Internet kappen. Außerdem ist das Bankenwesen in der Provinz zum Erliegen gekommen, weil Addis Abeba kein Geld mehr nach Tigray lässt. Selbst die Elektrizitätsversorgung ist weitgehend lahm gelegt, Krankenhäuser haben keine Medikamente mehr. Es soll bereits vorgekommen sein, dass den Opfern von Schussverletzungen Kugeln ohne Narkose aus dem Körper entfernt werden mussten. Reporter:innen, die über die Zustände in der Bürgerkriegsprovinz berichten könnten, werden schon seit Monaten nicht mehr nach Tigray gelassen.

Äthiopien: Vizeregierungschef bezeichnet Vorfälle als „gefälscht“

Äthiopiens UN-Mission in New York bezeichnete die Blockadevorwürfe als „grundlos“. Internationale Hilfswerke produzierten Geschichten „mit schrecklichen Bildern und gefälschten Vorfällen“, beklagte Äthiopiens Vizeregierungschef, Demeke Mekonnen, kürzlich vor der UN-Vollversammlung: In Äthiopien verfolgten die humanitären Organisationen eine politische Agenda. Bereits im August wurde die holländische Sektion der „Ärzte ohne Grenzen“ sowie der „Norwegische Flüchtlingsrat“ (NRC) des Landes verwiesen: Die beiden Hilfswerke hätten falsche Informationen in den sozialen Medien verbreitet und es versäumt, Genehmigungen für die Arbeit internationaler Mitarbeiter:innen in dem Land einzuholen. Die Hilfswerke weisen die Vorwürfe zurück. (Johannes Dieterich)

Transparenzhinweis: Wir haben den Text am Ende aufgrund neuer Informationen aktualisiert.

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