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Die Lage im Jemen ist ein Beispiel dafür, wie sich Krisen überlagern können.
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Die Lage im Jemen ist ein Beispiel dafür, wie sich Krisen überlagern können.

Klimakrise

Immer mehr Klimaflüchtlinge

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Eine Rot-Kreuz-Studie zeigt: Mehr als 30 Millionen Menschen wurden im Jahr 2020 durch Dürren, Brände und Überschwemmungen vertrieben.

Die Internationale Föderation der Rot-Kreuz- und Roter-Halbmond-Gesellschaften (IFRC) schlägt in einem neuen Report Alarm wegen der zunehmenden Zahl von Klimaflüchtlingen. Sie verweist darauf, dass im Jahr 2020 rund 30,7 Millionen Menschen durch Naturkatastrophen vertrieben wurden – mehr als dreimal so viele wie durch Konflikte und Gewalt, nämlich 8,9 Millionen. Dies bestimme die Arbeit der Hilfsorganisation immer stärker, heißt es in dem Bericht. Besonders schnell wachse der Bedarf an Hilfe vor allem in Entwicklungsländern, aber auch in Ländern wie den USA und China.

Alle 192 nationalen IFRC-Unterorganisationen befassen sich laut dem Report mittlerweile mit klimabedingten Naturkatastrophen. Wetterbedingte Ereignisse wie Überschwemmungen und Stürme, aber auch Waldbrände, Erdrutsche, extreme Temperaturen und Dürre seien 2020 weltweit für fast alle katastrophenbedingten Vertreibungen verantwortlich gewesen, zitiert die Rot-Kreuz-Gruppe aus einer Analyse der norwegischen NGO „Internal Displacement Monitoring Centre“ (IDMC), die Informationen und Analysen zur Binnenvertreibung weltweit bereitstellt. Der vorgelegte Bericht enthält elf detaillierte Fallstudien aus den Entwicklungsländern Fidschi, Honduras, Irak, Jemen, Malawi, Mosambik, Namibia, Samoa und Tuvalu sowie den Industriestaaten Australien und Deutschland.

Der Generalsekretär der IFRC, Jagan Chapagain, sagte: „Dürre im Irak, Buschbrände in Australien, Überschwemmungen in Deutschland, Wirbelstürme in Mosambik – klimabedingte Katastrophen ereignen sich derzeit überall und zwingen Millionen von Menschen, ihre Heimat zu verlassen.“ Die Untersuchung zeigt laut der Rot-Kreuz-Gruppe, dass die Vertreibung unverhältnismäßig stark bereits benachteiligte Gruppen betrifft, darunter indigene Gemeinschaften, Menschen mit vorhandenen Gesundheitsstörungen und Kinder.

Am Beispiel Jemens zeigt der Report, wie Krisen die humanitären Herausforderungen verschärfen, wenn sie sich überlagern. Im Jemen, wo ein militärischer Konflikt, extreme Überschwemmungen und die Ausbreitung von Krankheiten zusammenkamen, seien Millionen Menschen zu Binnenvertriebenen geworden. Hier könne der jemenitische Rote Halbmond im ganzen Land die Betroffenen auch in Konfliktgebieten erreichen und ihnen medizinische und psychosoziale Hilfe, Nahrungsmittel und lebensnotwendige Güter bereitstellen.

Wie stark auch Industrie- und Schwellenänder betroffen sind, zeigen zum Beispiel die Zahlen für die USA, wo 2020 rund 1,7 Millionen Menschen durch Naturkatastrophen zeitweise aus ihren Häusern vertrieben wurden, und China, wo 5,1 Millionen betroffen waren. Die deutsche Fallstudie des hiesigen Roten Kreuzes beleuchtet unter anderem die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, die nach Analysen von Fachleuten durch den Klimawandel wahrscheinlicher gemacht und verstärkt wurde. Das DRK schätzt, dass etwa 18 000 Menschen in Rheinland-Pfalz und weitere 13 000 bis 18 000 in NRW ihre Häuser oder Wohnungen zeitweise verlassen mussten. Alleine in Rheinland-Pfalz hätten 40 000 Menschen Hilfe benötigt, 3000 Freiwillige seien für das Rote Kreuz im Einsatz gewesen.

Die IFRC forderte, dass das Thema auf dem UN-Klimagipfel (COP26) in Glasgow stärker beachtet werden müsse. Chapagain sagte: „Auf der COP26 und darüber hinaus werden wir deutlich machen, dass Maßnahmen auf lokaler Ebene dringend nötig sind, um Gemeinschaften vor klimabedingter Vertreibung zu schützen und auf ihre verheerenden Auswirkungen zu reagieren, wenn sie eintritt.“

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