+
Ein Minister will mehr: Jens Spahn.

Jens Spahn

Immer forsch in die nächste Bresche

  • schließen

Jens Spahn empfiehlt sich geschickt für die Nachfolge im Verteidigungsministerium.

Jens Spahn war just im Kosovo. Üblicherweise statten dem jungen Westbalkan-Staat Ministeriale aus dem Außenamt oder vom Bendlerblock Besuche ab. Schließlich ist dort seit 20 Jahren die Bundeswehr stationiert; Deutschland unternimmt viel zur Friedenssicherung in der Region.

Spahn aber warb als Bundesgesundheitsminister in Pristina um Alten- und Krankenpfleger für Deutschland. Gut möglich, dass aber der 39-jährige Münsterländer beim nächsten Mal im Kosovo die Truppe besucht. Denn kein Name als der seine fällt derzeit häufiger, wenn es um die Nachfolge für die scheidende Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen geht.

Dabei kann Spahn nun wahrlich keine militärpolitische Expertise vorweisen. Mit geostrategischen Analysen oder verteidigungspolitischen Akzenten fiel er bisher nicht auf. Wenigstens gedient? Auch Fehlanzeige.

Vielmehr ist es seinem Ehrgeiz zuzuschreiben, dass ihm viele in der Hauptstadt den wichtigen Posten des Verteidigungsministers zutrauen. Spahn selbst vermeidet es, diese Spekulationen zu fördern. Er würgt sie aber auch nicht ab.

Das Amt wäre der vorläufige Höhepunkt einer steilen Karriere. Mit nur 22 wurde er in den Bundestag gewählt: Nebenher studierte der Jungpolitiker Politikwissenschaft. Im Parlament machte sich Spahn bald als Gesundheitspolitiker einen Namen. Umso größer war das Erstaunen, als er 2015 von Wolfgang Schäuble als Parlamentarischer Staatssekretär in dessen Finanzministerium berufen wurde. Schäuble hatte Gefallen gefunden an Spahns mitunter provokanter Art. Die unterdrückte er aber recht prompt, als er Ende 2018 für den CDU-Vorsitz kandidierte.

Richtig gepunktet hat Spahn als Gesundheitsminister. Terminservice-, Masernschutz-, Organspendegesetz – kaum ein anderes Kabinettsmitglied hat so viele Gesetze auf den Weg gebracht. Das Gesundheitskapitel im Koalitionsvertrag ist weitgehend abgearbeitet. Auch deshalb sehen viele Spahn zumindest perspektivisch schon zu neuen Ufern aufbrechen. Auch wenn das Verteidigungsministeramt wegen der Skandalanfälligkeit seines Apparats als Schleudersitz gilt. Wer jedoch durchhält, empfiehlt sich für Höheres – siehe von der Leyen.

Doch Spahn ist nicht der einzige Anwärter. Neben dem CDU-Verteidigungspolitiker Henning Otte sind aber auch im Gespräch der Unions-Außenexperte Johann Wadephul und der frühere CDU-Generalsekretär Peter Tauber, heute Staatssekretär im Verteidigungsministerium.

Ein männlicher Nachfolger würde Kanzlerin Angela Merkel wegen ihrer Zusage, die unionsgeführten Ministerien paritätisch zu besetzen, zu einer Frau auf Spahns Sessel zwingen. Kein Problem: Integrationsbeauftragte Annette Widmann-Mauz könnte dem Gesundheitsminister nachfolgen. Die Baden-Württembergerin war dort lange Staatssekretärin; sie kennt sich aus.

Der Reservistenverband pocht derweil auf inhaltliche Kontinuität im Bendlerblock. „Ursula von der Leyen hat in den sechs Jahren im Verteidigungsministerium viele wichtige Reformen angestoßen, die es weiterzuführen gilt. Durchhaltefähigkeit und Respekt vor der Arbeit des Vorgängers sind also unabdingbar“, sagte der Verbandspräsident und CDU-Bundestagsabgeordnete Oswin Veith.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion