Radioaktiver Abfall

Warum die Suche nach Atommüll-Endlager so schwierig ist

  • Viktor Funk
    vonViktor Funk
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Mehr als 10.000 Tonnen radioaktiver Müll fallen bis zum Atomaustieg in Deutschland an. Wohin damit?

  • Die Suche nach einem Endlager für Atommüll in Deutschland gestaltet sich weiterhin schwierig.
  • Erschwert wird die Suche auch durch die Corona-Pandemie.
  • Das Problem des Atommülls ist ein weltweites - und die Menge wächst weiter.

Die Standortprüfung: Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat geologische Daten ausgewertet, die sie von den Bundesländern bekommen hatte. Die Länder hatten die Daten in einer Vielzahl digitaler Formate und teilweise analog übermittelt. Dies hat die Verarbeitung erschwert. Ausgeschlossen wurde ein Gebiet, wenn es potenziell in einer Erdbeben- oder Vulkanzone liegt oder früher intensiv bergbaulich genutzt worden war.

Der nächste Schritt: Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (Base) führt die Aufsicht über das Suchverfahren und ist für die Beteiligung der Öffentlichkeit. Es veranstaltet am 17. und 18. Oktober in Kassel die „Fachkonferenz Teilgebiete“. Dabei soll der Zwischenbericht der BGE vorgestellt werden, die Teilnehmer der Konferenz können Fragen dazu stellen. Bei drei weiteren gesetzlich festgelegten Beratungen zwischen Februar und Juni wird über den Bericht diskutiert. Wegen der Corona-Pandemie findet der Auftakt vor allem virtuell im Internet statt.

Kritik an Suche für Atommüllendlager

Kritik an dem Verfahren: Umweltorganisationen und Antiatominitiativen bemängeln, dass die Zeit zwischen der Veröffentlichung des Zwischenberichts und der ersten Konferenz viel zu kurz sei, um sich in die Materie einzuarbeiten. Es gebe seitens der Behörden auch keine Hilfen für unabhängige Expertise. Die Zivilgesellschaft könne sich zudem unter den Corona-Bedingungen viel schlechter organisieren als üblicherweise. Schließlich seien die Stellungnahmen aus der Konferenz nicht „ergebniswirksam“. Denn die BGE arbeite in der Zwischenzeit schon weiter an der Auswahl von Regionen, statt Einwände der Betroffenen abzuwarten.

Immer weniger Orte: Die Zahl der infrage kommenden Standorte wird Schritt für Schritt reduziert. Der Bundestag entscheidet jeweils, welche der vorgeschlagenen Gebiete oberirdisch und schließlich unterirdisch erkundet werden sollen. Der Standort soll bis 2031 feststehen, die Einlagerung von Atommüll ab dem Jahr 2050 beginnen.

Viele Atommülllager entsprechen nicht den aktuellen Anforderungen

Der Atommüll: Das Endlager soll alle hoch radioaktiven Abfälle aufnehmen, die zum Atomausstieg Ende 2022 in Deutschland angefallen sein werden. Es handelt sich um abgebrannte Brennstäbe und Rückstände aus der Wiederaufarbeitung – insgesamt etwa 10.500 Tonnen. Die Abfälle werden in rund 1900 Castorbehälter verpackt. Nicht auszuschließen ist, dass neben dem künftigen Endlager noch eine zweite Lagerstätte für mittel- und schwach radioaktiven Atommüll gebaut wird. Denn das dafür vorgesehene Endlager Schacht Konrad in Salzgitter kann voraussichtlich nicht alle Abfälle dieser Art aufnehmen. Für die 126.000 Fässer, die aus dem maroden Bergwerk Asse geborgen werden sollen, hat Schacht Konrad keine Genehmigung.

Weltweites Problem: 30 Staaten gewinnen Energie aus der Atomkraft. Einige haben für schwach- und mittelstark strahlende Abfälle Endlager, auch gibt es in den USA, Russland und Weißrussland einige wenige Lager für hoch radioaktiven Müll. Doch diese genügen nicht den heutigen wissenschaftlichen Anforderungen. Ein erstes Lager, das die strengen Kriterien erfüllen soll, entsteht in Finnland. „Onkels“ ist ein Tunnelsystem unter der Insel Okklusion. In diesem Jahr sollte der Betreiber die Genehmigung für die Nutzung erhalten.

Gigantische Mengen Atommüll weltweit

Die Gesamtmenge: Seit dem Beginn der zivilen Nutzung der Atomkraft sind weltweit mehr als 250.000 Tonnen radioaktiver Abfälle angefallen, rund 60.000 davon in Europa. Jährlich kommt weiterer Müll hinzu. Entgegen dem europäischen Trend bauen anderen Staaten ihre Atomenergie aus. Trotz einer hohen Wiederverwertungsrate wird auch künftig neuer Atommüll hinzukommen. (Von Viktor Funk mit epd)

Rubriklistenbild: © Uli Deck / dpa / picture alliance

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