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Die 1975 gebaute "Suunta" heißt inzwischen "C Star" und ist von Rechtsextremen gechartert worden, um Flüchtlinge aus Europa fernzuhalten.

"C Star"

Identitäre unter Schlepper-Verdacht

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Mit ihrem Schiff "C Star" wollen rechtsextreme Identitäre Flüchtlinge aus Europa fernhalten. Dass der Kapitän unter Schlepper-Verdacht geriet und das Schiff auf Zypern festgesetzt wurde, amüsiert das Netz. Inzwischen ist die "C Star" wieder in See gestochen.

Nach der Zwangspause im Hafen von Famagusta auf Zypern sind die rechtsextremen Identitären am Donnerstag wieder in See gestochen. Mehr als 24 Stunden lang lag ihr Schiff „C Star“ in dem Hafen im türkischen Teil der Insel fest. Die Behörden hatten den Kapitän und weitere Mitglieder der Besatzung vorübergehend festgenommen und das Schiff durchsucht. Der Verdacht: Menschenschmuggel. Das Blatt „Kibris Gazetesi“ berichtet, dass gegen insgesamt zehn Verdächtige ein eintägiger Gefängnisaufenthalt angeordnet worden sei.

Eigentlich wollten die rechtsextremen Aktivisten aus Deutschland, Frankreich und Italien mit dem Schlachtruf „Defend Europe“ ausziehen, um flüchtende Menschen an der Überfahrt übers Mittelmeer zu hindern und den privaten Hilfsorganisationen das Retten von Schiffbrüchigen zu erschweren.  Nun musste sich ihr Kapitän erst einmal selbst verteidigen.

Wenn Nazis mit der CStar unter mongolischer Flagge und asiatischer Crew Europa verteidigen wollen. Kannst du dir nicht ausdenken^^.

— Franzi (@Schokomaid)

26. Juli 2017

„Defend Europe“ beschuldigt NGOs

Das Schiff der Rechtsextremen war nach eigener Auskunft auf dem Weg in die sizilianische Hafenstadt Catania, wo führende Mitglieder der Identitären an Bord gehen wollten. Von dort aus soll die „C Star“ Richtung libyscher Küste aufbrechen, dort Flüchtlingsboote orten und die Küstenwache des afrikanischen Staates auf sie aufmerksam machen, damit diese die Geflüchteten zurück nach Libyen bringt.

Beim Zwischenstopp auf Zypern sind den Medienberichten zufolge  Tamilen aus Sri Lanka von Bord gegangen, die für die Überfahrt Geld bezahlt hätten. Auf der Mittelmeerinsel sollen einige von ihnen anschließend Asyl beantragt haben sollen.

Die Identitären weisen den Vorwurf der Schlepperei zurück: Die  Crew, bestehend aus  „Seemannsanwärtern verschiedener Nationalitäten“, sei im Rahmen eines kostenpflichtigen Trainings an Bord gewesen, hätte ursprünglich bereits in Ägypten von Bord gehen sollen. In Zypern hätten NGOs sie angeblich am Flughafen abgepasst und dazu gedrängt, Asyl zu beantragen, behaupten die Rechtsextremen, die sich als Opfer einer Kampagne inszenieren.

Inzwischen seien die Festgenommenen wieder frei, vermelden die Identitären. Auf der Online-Plattform Marinetraffic lässt sich verfolgen, dass die „C Star“ am Donnerstag gegen 18:30 Uhr hiesiger Zeit den Hafen von Famagusta zunächst Richtung Süden verlassen hat. Auf Twitter teilen die Rechtsextremen mit, sie seien nun auf dem Weg nach Catania. Doch nach 14-stündiger Fahrt westwärts entlang der Südküste Zyperns scheint die „C Star“ wieder umzudrehen: Als nächstes Ziel meldet die Besatzung den Behörden nun den zypriotischen Hafen Kalecik, der nördlich von Famagusta liegt.

Dass die Identitären, die in Deutschland aufgrund ihrer völkischen Ideologie vom Verfassungsschutz beobachtet werden,  selbst unter Schlepper-Verdacht gerieten, löste in den sozialen Netzwerken unverhohlene Häme aus. Ein „Treppenwitz der Geschichte“,kommentiert  Robert Fietzke  .  „Ironie kennt keine Grenzen“, twittert Maggy Lou. „Wir sind entzückt“, reagiert Leobold Schneck und postet ein Foto vom Monopoly-Gefängnisfeld. „Wenn Nazis mit der C Star unter mongolischer Flagge und asiatischer Crew Europa verteidigen. Kannst du dir nicht ausdenken“, schreibt Franzi. Das von den Identitären gechartete Schiff „C Star“ ist offiziell als Forschungsschiff gekennzeichnet und fährt unter mongolischer Flagge.   

Mitte Mai hatten die Rechtsextremisten übers Internet rund 76.000 Euro an Spenden gesammelt und das Schiff angemietet.  In Catania könnte bereits das nächste Problem warten: Der dortige Bürgermeister hat angekündigt, den Identitären das Anlegen im Hafen zu verweigern. „Auf diesem Schiff befinden sich unerwünschte Personen“, sagt er gegenüber dem Portal Siciliainformazioni.

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