1. Startseite
  2. Politik

„Ich liebe Nazis“: Bestürzende Äußerungen von Rapper Kanye West sind auch für Musk zu viel

Erstellt:

Von: Sebastian Richter

Kommentare

Skandale sind zum Markenzeichen von Kanye West geworden. Inzwischen ist der Rapper bei Nazi-Lobpreisungen und Hakenkreuzbildern angelangt.

Los Angeles – Der US-Rapper Kanye West hat in einem Interview mit dem ultrarechten Radiomoderator und Verschwörungstheoretiker Alex Jones seine Verbundenheit mit dem Nationalsozialismus gezeigt. „Ich liebe Nazis“, sagte der 45-Jährige bei der rechten Website Infowars. Auch bei Hitler sehe er „gute Dinge“. Die Äußerungen des US-Rappers sind selbst für Free-Speech-Fan Elon Musk zu viel – erneut flog West vom Kurznachrichtendienst Twitter, den Musk vor einigen Wochen übernommen hatte.

Zu diesen „guten Dingen“, die Hitler gemacht haben soll, gehört für West das fast zum Klischee abgestumpfte „Erfinden“ der Autobahnen. Auch das Mikrofon, das der Rapper selbst als Musiker benutze, sei von „diesem Kerl“ erfunden worden. „Man kann nicht laut sagen, dass diese Person jemals irgendetwas Gutes getan hat“, sagt West in dem fast drei Stunden langen Interview. „Und damit bin ich fertig.“

Selbst der verschwörungsgläubige Ultrarechte Alex Jones wird bei diesen Äußerungen stutzig. Die Nazis hätten „richtig schlechte Dinge“ getan, entgegnete er West. Doch der Rapper ließ sich nicht bremsen. „Jeder Mensch hat etwas von Wert, das er auf den Tisch gebracht hat. Vor allem Hitler“.

Kanye West hofiert bei rechten Moderatoren

Während des Interviews trägt West eine Maske, die sein gesamtes Gesicht verhüllt. Dass es West selbst ist, der bei Infowars neben Alex Jones die abstrusen Lobpreisungen für Hitler von sich gibt, könnte man also theoretisch anzweifeln – es passt aber in das Gebaren des Musikers in der letzten Zeit. Antisemitische Wutreden kommen bei West immer häufiger vor. Schon im US-Sender Fox News brachte er verstörende Aussagen ins Gespräch mit Trump-Unterstützer Tucker Carlson.

Rapper Kanye West ist bei Twitter rausgeflogen. (Archivfoto)
Rapper Kanye West ist bei Twitter rausgeflogen. (Archivfoto) © Michael Wyke/dpa

Nun zog auch Twitter-Chef Elon Musk Konsequenzen. Aufhänger dafür: ein mittlerweile gelöschter Post im Kurznachrichtendienst. West hatte ein mit einem Davidstern verflochtenes Hakenkreuz gepostet. „Ich habe mein Bestes versucht. Trotzdem hat er erneut gegen unsere Richtlinien gegen Anstiftung zur Gewalt verstoßen. Der Account wird suspendiert“, schrieb Musk bei Twitter am Freitag.

Selbst Musk hat genug von Wests Äußerungen

Um von Twitter in der Musk-Ära verbannt zu werden, muss man sich schon einiges leisten. Seit Musk das Unternehmen übernommen hat, geht man freier damit um, was als Sperrgrund gelten kann. Der neue Boss wollte mit einer „Generalamnestie“ sogar gesperrte Accounts zurückbringen. Die finale Entscheidung überließ Musk den Nutzern in einer Abstimmung. Zurück fand so auch der gesperrte Donald Trump.

Für Kanye West war die Zeit auf Twitter dennoch nur kurz. Nach seiner Sperrung bei Instagram hatte er im Oktober erstmals seit knapp zwei Jahren einen Tweet abgesetzt, damals kommentierte Musk die Rückkehr mit „Willkommen zurück bei Twitter, mein Freund!“.

Die extremer werdenden Tiraden führen zu immer größeren Ablehnung des Rappers. Schon Ende Oktober beendete Adidas die Zusammenarbeit mit Kanye West. Sogar das rechte Netzwerk Parler gab nach dem Interview bei Infowars bekannt, dass ein geplanter Verkauf an West abgesagt wurde, wie ntv berichtet. Kanye West gehen die Kanäle aus, bei denen er sich noch äußern kann. Kein Wunder, wenn selbst der rechtsextreme Verschwörungstheoretiker Alex Jones, der normalerweise kein Blatt vor den Mund nimmt, im Interview die Verbrechen der Nazis relativeren muss. (spr)

Auch interessant

Kommentare