Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Die Menschen haben gesagt, dass Impfungen voller Kinderblut seien, dass Kanzlerin Angela Merkel einen Keller habe, in dem sie Kinder knechte ...“
+
„Die Menschen haben gesagt, dass Impfungen voller Kinderblut seien, dass Kanzlerin Angela Merkel einen Keller habe, in dem sie Kinder knechte ...“

Corona-Demo

„Ich konnte zu niemandem durchdringen“

  • Tobias Peter
    VonTobias Peter
    schließen

FDP-Politikerin Karoline Preisler, die an Covid-19 erkrankt war, über ihre Erlebnisse mitten in der Corona-Demo in Berlin.

Frau Preisler, Sie waren bei der Corona-Demonstration in Berlin, aber nicht als Demonstrantin. Was war ihr Anliegen?

Meine Botschaft war ganz klar auf einem Schild zusammengefasst: „Ich hatte Covid-19 und mache mir Sorgen um euch.“ In den sozialen Netzwerken hatte ich in den Tagen vor der Demonstration Ankündigungen von Menschen gesehen, die positiv auf Corona getestet worden waren und trotzdem zur Demonstration kommen wollten. Ich wollte mit den Menschen, die andere und sich selbst gefährden, ins Gespräch kommen. Für mich ist es legitim, Corona-Maßnahmen zu hinterfragen. Versammlungsfreiheit ist die Basis demokratischer Prozesse.

Ist es Ihnen gelungen, jemanden zu überzeugen?

Leider nein. Ich fürchte, ich habe zu niemandem durchdringen können. Dabei habe ich ja durchaus eine eindrucksvolle Geschichte zu erzählen. Ich war sehr früh mit Corona infiziert – mit einem mittelschweren Verlauf. Mir blieb die Luft weg, und ich war froh, in die Klinik zu kommen. Ich hatte Angst, vor den Augen meiner Kinder einzugehen.

„Als Politiker müssen wir dahin gehen, wo es wehtut.“

Karoline Preisler (FDP)

Wie haben die Demonstranten, denen Sie begegnet sind, auf Ihre Geschichte reagiert?

Viele sind pöbelnd an mir vorbeigelaufen, ohne dass es zum Gespräch kam. Diejenigen, mit denen ich geredet habe, waren in ihren Glauben verrannt, dass Corona nur eine große Verschwörungserzählung sei. Ich hatte Masken dabei, die ich verteilen wollte. Aber wenn jemand eine genommen hat, ist sie wohl meist einfach in der Tasche verschwunden.

Die ehrenamtliche FDP-Politikerin Karoline Preisler (49) .

Was haben diejenigen, mit denen es zum Gespräch kam, denn gesagt?

Ach, das waren, wenn man so will, teils fast schon besorgte Hinweise mir gegenüber – von krudestem Inhalt. Die Menschen haben gesagt, dass Impfungen voller Kinderblut seien, dass Kanzlerin Angela Merkel einen Keller habe, in dem sie Kinder knechte, und dass die Reichskriegsflagge kein Zeichen für eine rechte Gesinnung sei. Einige warfen mir auch vor, ich sei eine gut bezahlte Schauspielerin. Die Leute riefen: „Du bist eine Merkel-Jüngerin, die hier die große Corona-Lüge aufrechterhalten will.“

Die geschilderten Gespräche mit Demonstranten klingen alles andere als vergnügungssteuerpflichtig. Warum tun Sie sich das an?

Ich bin ehrenamtliche FDP-Politikerin. Mir geht es darum, dass wir den Gesprächsfaden auch zu diesen Menschen nicht verlieren. Darunter sind Leute, die – auch wenn wir das nicht nachvollziehen können – im Gespräch fast schon zittern, weil sie so aufgewühlt über das angebliche Unrecht im Land sind. Mich entsetzt es, wenn ich auf so einer Demonstration mit einem Unternehmer ins Gespräch komme, wir aber nicht darüber reden können, wie sich der Kampf gegen Corona verhältnismäßig führen lässt. Auch er war komplett auf die Seite der Corona-Leugner und Wissenschaftsfeinde gewechselt.

Wollen Sie auch zur nächsten großen Corona-Demonstration gehen, um mit den Menschen zu sprechen – oder haben Sie genug von dem, was Sie am Wochenende in der Hauptstadt erlebt haben?

Als Politiker müssen wir dahin gehen, wo es wehtut. Wir müssen den Dialog auch dort suchen, wo er fast unmöglich scheint. Ich will niemanden für die Demokratie verloren geben.

Interview: Tobias Peter

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare