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Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hält anlässlich des 100. Geburtstags der Kommunistischen Partei Chinas eine Rede.
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Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hält anlässlich des 100. Geburtstags der Kommunistischen Partei Chinas eine Rede.

Chinas langer Arm

„Ich komme nach Australien und bin trotzdem nicht frei“

  • VonBarbara Barkhausen
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Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch prangert Repressalien gegen chinesische Auslandsstudierende an.

In China feiert sich die Kommunistische Partei gerade selbst: Zum 100. Geburtstag der KP bekräftigte Chinas Präsident Xi Jinping soeben die „absolute Führungsrolle“ der Partei.

Wie mächtig und einflussreich der chinesische Staatsapparat ist, das zeigt auch ein aktueller Bericht von Human Rights Watch (HRW). In diesem schildert die Menschenrechtsorganisation am Beispiel der australischen Universitäten, wie weit der Arm Pekings reicht: So fühlen sich chinesische Studierende selbst an australischen Hochschulen – Tausende Kilometer von Peking entfernt – vom chinesischen Staat „überwacht“. „Ich muss mich selbst zensieren“, berichtete beispielsweise Lei Chen, ein Student vom chinesischen Festland, der in Australien studiert und im Interview ein Pseudonym verwendet. „Ich komme nach Australien und bin immer noch nicht frei.“

Bespitzelt von Freunden

Insgesamt hat die Menschenrechtsorganisation fast 50 chinesische Studierende und Akademiker:innen im Land befragt. Pro-demokratische Befragte berichteten in den Interviews, dass sie sich selbst „zensierten“, um Drohungen und Schikane durch Mitschüler:innen zu vermeiden und um zu verhindern, dass sie bei den Behörden in der Heimat „denunziert“ würden. Lehrkräfte, die Sinologiekurse unterrichten, bestätigten, dass sie einen ähnlichen Druck verspürten.

Es herrsche eine „Atmosphäre der Angst“, die sich in den vergangenen Jahren verschlimmert habe, heißt es in dem Bericht, der Ende Juni veröffentlicht wurde. Auslöser seien die prodemokratischen Demonstrationen in Hongkong 2019 gewesen. Ein Student berichtete, dass der Name des Gebäudes, in dem er gewohnt habe, öffentlich gemacht worden sei.

Einer hat Angst, dass seinen Eltern etwas zustößt

Ein anderer sagte: „Wenn du die chinesische Kommunistische Partei im Ausland kritisierst, werden sie Menschen finden, die du liebst, um an dir Rache zu üben.“ Eine junge Frau schilderte, wie ein Klassenkamerad ihr eine Nachricht habe zukommen lassen, in der er sie gewarnt habe, dass er sie „beobachte“. Er sei auf der Seite der Polizei in Hongkong.

Während der Interviews stieß HRW zudem auf drei Fälle, in denen die Aktivitäten der Studierenden in Australien dazu führten, dass die chinesische Polizei die Familien in China kontaktierte. In einem Fall drohten die chinesischen Behörden einem jungen Mann mit Gefängnis, nachdem er einen Twitter-Account in Australien eröffnet und prodemokratische Botschaften veröffentlicht hatte. Der Student sagte, er habe den Twitter-Account letztendlich gelöscht, da er Angst gehabt habe, dass seinen Eltern etwas zustoßen könnte. „Es gibt viele Studenten, die die gleiche Meinung wie ich vertreten, aber sie haben zu viel Angst sie auszusprechen.“ Sie hätten Angst vor den Konsequenzen.

China dementiert, dass es Umerziehungslager gebe

Ein ähnliches Bild zeichnet ein junger Uigure in Neuseeland in einem Interview mit dem Sender „Radio New Zealand“. „Ich kann mich nicht wirklich sicher fühlen“, sagte der Mann, der unter dem Pseudonym Sam auftrat und seine Stimme zusätzlich verzerren ließ. Als er das letzte Mal ein Interview gegeben habe, habe er einen Anruf von der chinesischen Botschaft in Neuseeland erhalten. „Das hat mich wirklich erschreckt – als ob mich jemand sogar noch in Neuseeland überwacht“, sagte er.

Sam berichtete, wie er bereits 2019 jeglichen Kontakt zu seiner Familie in der Provinz Xinjiang verloren habe und Angst habe, dass seine Familienmitglieder in eines der dortigen Umerziehungslager geschickt worden seien. „Ich kann sie nicht anrufen. Niemand nimmt das Telefon ab. Ich habe keine Ahnung, was los ist oder was mit meiner Familie passiert ist.“ Westliche Medien haben bereits über Folter, Zwangssterilisationen und Vergewaltigungen in den Lagern berichtet und dazu die Erfahrungsberichte von Überlebenden veröffentlicht. Doch China dementiert die Vorwürfe aufs Schärfste und sagt, die vermeintlichen Opfer seien nur „Schauspieler, die falsche Nachrichten verbreiten“.

Vergleiche zur NS-Zeit

Westliche Staaten werfen China inzwischen Völkermord an der Volksgruppe der Uiguren vor. Auch der Uigure Sam verglich das Vorgehen der Kommunistischen Partei in seinem Interview mit der Judenverfolgung in Deutschland während der NS-Zeit. „Was in China in der Region Xinjiang passiert, ähnelt dem Nazideutschland während des Weltkriegs“, sagte er. „Sie bringen Menschen einfach ohne Grund und ohne Anklage in Konzentrationslager.“

Der Bericht „They Don’t Understand The Fear We Have“ findet sich unter: https://www.hrw.org/publications

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