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Dutzende Menschen sind bei den Protesten bislang ums Leben gekommen – viele durch Polizeikugeln.
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Dutzende Menschen sind bei den Protesten bislang ums Leben gekommen – viele durch Polizeikugeln.

Proteste in Kolumbien

„Ich bin wütend auf die Regierung“

  • Stefan Simon
    VonStefan Simon
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Michael Guerrero, gebürtig aus Kolumbien, hat bei den Protesten seinen Neffen verloren.

Herr Guerrero, Ihre Familie lebt in Cali in Kolumbien. Ihr Neffe hat bei den Protesten sein Leben verloren. Wissen Sie, wie es zu diesem tragischen Vorfall kam?

Es war am vierten Tag der Proteste. Einen Tag zuvor wurde ein junger Mann von der Polizei erschossen. Mein Neffe Nicolas und die gesamte Gemeinde des Ortes versammelten sich für eine Totenwache. Zwei Stunden später stürmte die Polizei das Viertel. Nicolas rannte in eine Seitenstraße und wurde von einem Polizisten in den Kopf geschossen. Die Polizei schoss daraufhin mehrere Tränengasgranaten, damit niemand den Verletzten helfen konnte. Das war ekelhaft. Nicolas wusste, dass die Polizei brutal vorgehen wird. Alle wissen das.

Was meinen Sie damit? Gehen die Demonstrierenden davon aus, dass es jeden Abend um Leben und Tod geht?

Ja, alle tun das. Kolumbien ist ein Land mit sehr viel Gewalt, leider. Aber die Menschen wollen trotz allem für ihre Gerechtigkeit kämpfen.

Wie haben Sie vom Tod Ihres Neffen erfahren?

Als ich morgens aufwachte, erhielt ich sehr viele Whatsapp- Nachrichten von meiner Schwester. Sie sagte, er sei in den Kopf geschossen und in ein Krankenhaus gebracht worden. Sie hoffte noch, dass alles gut wird. Diese Hoffnung hatte ich auch. Zehn Minuten nach dieser Nachricht ist er gestorben. Ich wusste, dass er sterben wird, aber ich wollte es nicht wahrhaben.

Wie geht es Ihnen seitdem?

Es ist komisch. Ich verurteile nicht den Polizisten, der ihn erschossen hat. Der Polizist ist auch nur ein Teil von diesem Machtapparat in Kolumbien. Ich bin wütend auf die Regierung, dass sie der Polizei freie Hand gibt. Polizisten erschießen Menschen und müssen keine Konsequenzen befürchten.

Zur Person

Michael Guerrero, 34, stammt aus Cali und lebt seit acht Jahren in Offenbach am Main.

Nehmen Ihre Geschwister an den Protesten teil?

Ja, meine Schwester und mein Bruder kämpfen. Sie kämpfen auch weiter für Nicolas.

Haben Sie keine Angst um sie?

Doch, jeden Tag. Meine ganze Familie hat Angst.

Wie fühlen Sie sich damit, dass Sie hier in Offenbach sind und Ihre Familie täglich auf den Straßen Calis unterwegs ist und protestiert?

Ich fühle mich oft schlecht, weil ich hier ein gutes Leben führe. Ich komme nicht aus einer wohlhabenden Familie. Ich komme aus der „Barrio“, also von der Straße. Wenn ich jetzt in Cali wäre, würde ich auch täglich auf der Straße sein und kämpfen. Dann wäre ich auch ein Teil der „Primera Línea“, der ersten Reihe.

Interview: Stefan Simon

Michael Guerrero.

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