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Mögliche Urheber: Wladimir Putin (links) und Sebastian kurz.

Urheber

Potenzielle Profiteure

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Die Gerüchteküche um die Urheberschaft des Ibiza-Videos kocht über.

Wer hat Hans-Christian Strache und seinem Vertrauten Johann Gudenus die Falle auf Ibiza gestellt? Auch vier Tage nach Veröffentlichung des belastenden Videos gibt es keine heiße Spur, aber jede Menge Spekulationen. Eine Übersicht.

1. Jan Böhmermann

Der Satiriker hat das heikle Video bereits vor Wochen gekannt. Das bedeutet nicht, dass er damit etwas zu tun hatte oder ihm die Aufnahmen auch nur angeboten wurden. Letzteres dementierte sein Manager Peter Burtz am Wochenende. Woher Böhmermann die Aufnahmen kannte, wisse er nicht, sagte Burtz.

Böhmermann hatte bereits im April bei der Verleihung des österreichischen TV-Preises „Romy“ per Video Andeutungen zu dem Fall gemacht. Das brachte ihm hinter den Kulissen scharfe Kritik ein: Er könnte „den Feind“ damit vorgewarnt haben.

Am Montag legte Böhmermann nach: Er setzte auf Twitter eine Botschaft ab, die nur aus der Adresse einer Internetseite besteht: dotheyknowitseurope.eu (Wissen sie, dass es Europa ist?). Auf der Seite ist bislang nur ein Countdown bis Mittwochabend zu sehen. Zu der Seite gibt es noch eine zweite Adresse: comediansforworldpeace.eu („Komödianten für den Weltfrieden“).

2. Zentrum für politische Schönheit

Auch der Polit-Künstlergruppe „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS) war das Video anscheinend schon länger bekannt – von ihr könnte Böhmermann, der als ZPS-Unterstützer gilt, seine Kenntnisse haben. Nach einem Bericht der „Wiener Zeitung“ soll der Gruppe das Material zuerst zugespielt worden sein, sie hätte dann die Weitergabe an „Spiegel“ und „Süddeutsche Zeitung“ organisiert. Philipp Ruch, Kopf der Gruppe, sagt nur: „Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu den inneren Angelegenheiten anderer Länder. Aber die Fakten sprechen ja für sich.“ Damit meint er einen ZPS-Hinweis auf Twitter am Freitagabend auf das just eingerichtete Profil @kurzschluss14. Dieser Nutzer veröffentlichte dann am Samstag Ausschnitte des Videos, die „Spiegel“ und „Süddeutsche“ nicht gezeigt hatten.

Dass das ZPS die Aufnahmen gemacht hat, ist komplett unwahrscheinlich. Der renommierte österreichische Journalist Armin Wolf berichtet, das Video sei mehreren Medien in Österreich zunächst gegen Bezahlung angeboten worden. Das widerspreche der Arbeitsweise des ZPS. Nachdem ein derartiges Geschäft nicht zustande kam, waren die Aufnahmen quasi „herrenlos“.

3. Tal Silberstein

Sowohl Strache als auch Österreichs Kanzler Sebastian Kurz erklärten, das Vorgehen bei der Erstellung des Videos erinnere sie an die Arbeitsweise von Tal Silberstein, früher Politikberater der SPÖ. Der Israeli hatte 2017 in den sozialen Netzwerken Falschmeldungen primär gegen Kurz gestreut. Der Skandal flog im Herbst 2017 auf. Beweise für Silbersteins neuerliche Aktivität gibt es nicht.

4. Kurz oder Putin 

Kurz ist der potenzielle Profiteur des FPÖ-Skandals: Er ist den lästigen Koalitionspartner los und kann auf seine Wiederwahl hoffen. Das ist aber alles Spekulation. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wollte das Video nicht „kommentieren, weil es nichts mit Russland, dem Präsidenten oder der Regierung zu tun hat.“

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