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Tony Blair in guter Laune. Grund ist der "Freispruch" in der Kelly-Affäre.

Hutton spricht Blair von Schuld frei

Lordrichter sieht im so genannten Fall Kelly kein Fehlverhalten des PremiersDie Regierung von Premierminister Tony Blair hat die Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen vor dem Irak-Krieg nicht aufgebauscht. Das sagte Lordrichter Brian Hutton bei der Vorlage des Untersuchungsberichtes zur Kelly-Affäre. Kommentar und weitere Berichte im Dossier Die Kelly-Affäre

Von PETER NONNENMACHER

London · 28. Januar · Lord Hutton sprach am Mittwoch Premier Blair von aller Verantwortung für den Tod des Wissenschaftlers David Kelly frei. Eine "bewusst unehrenhafte, hinterhältige, doppelbödige Strategie" der britischen Regierung habe es in der so genannten Kelly-Affäre nicht gegeben, erklärte er in seinem Untersuchungsbericht.

Er kritisierte aber das Verteidigungsministerium dafür, Kelly nicht rechtzeitig vor der Veröffentlichung seines Namens gewarnt zu haben. Die Rüge fiel aber milde aus, und Minister Geoff Hoon entging - unerwartet - weiterer Kritik.

Blair nahm das Hutton-Verdikt erleichtert auf. Der "gründliche Bericht" Huttons habe "Angriffe auf die Integrität der Regierung" nachdrücklich abgewehrt, und lasse nun "keinen Raum für Zweifel oder Interpretationen mehr", sagte Blair.

Deutliche Kritik wurde im Hutton-Bericht an der BBC und deren Radioreporter Andrew Gilligan laut, der mit seiner Sendung über das Waffendossier der Regierung die Kelly-Affäre erst losgetreten hatte. Gilligan, urteilte Hutton, habe mit "unhaltbaren Behauptungen" gearbeitet, und ein "defektes" BBC-Management habe es an einer stichhaltigen Überprüfung dieser Behauptungen fehlen lassen.

Dem Rundfunkrat der BBC warf Hutton vor, er habe es versäumt, eine "detaillierte Untersuchung" der Vorwürfe gegen Gilligan einzuleiten. Die BBC hatte sich bereits zu einer Reihe von "Fehlern" in der Kelly-Affäre bekannt. Der Vorsitzende des BBC-Aufsichtsrats, Gavyn Davies, kündigte am Mittwoch seinen Rücktritt an.

Keine Kampagne gegen Kelly

Auch Kelly selbst, der sich nach seinem "Outing" im August das Leben nahm, entging der Kritik nicht. Der Waffenexperte, fand Lord Hutton, habe durch seine diversen Pressekontakte gegenüber seinen Arbeitgebern "Richtlinien verletzt" und sich ins Unrecht gesetzt. Es habe aber keine "Kampagne" gegen Kelly gegeben.

Hutton und Oppositionskreise waren am Mittwoch empört, dass das Boulevardblatt The Sun vorab die wichtigsten Schlussfolgerungen des geheimen Berichts druckte. Der Bericht war am Dienstag an einen sehr kleinen Kreis von Personen gegangen, die sich alle rechtlich verpflichten mussten, keine Informationen weiter zu reichen.

In der Regierungszentrale hofft man nun darauf, dass Blairs jüngste Krise einem Ende zugeht. Am Dienstagabend war der Premierminister im Unterhaus bereits bei der zweiten Lesung des umstrittenen Hochschulgesetzes äußerst knapp einer gefährlichen Niederlage entgangen. Das Gesetz, an das der Premier den Erfolg seines gesamten Reformprogramms knüpfte, wurde mit 316 zu 311 Stimmen verabschiedet. 72 Labour-Abgeordnete stimmten gegen die Regierung, 19 enthielten sich der Stimme.

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