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Hurrikan trifft US-Küste

New Orleans zwangsevakuiert / Ölpreis steigtMit Windgeschwindigkeiten von 235 Kilometern pro Stunde hat der Hurrikan "Katrina" am Montag die Südküste der USA erreicht und in hunderttausenden Haushalten die Stromversorgung unterbrochen.

New Orleans · Der Wind schwächte sich über Nacht zwar so weit ab, dass der Sturm auf die zweithöchste Kategorie vier zurückgestuft wurde. Dennoch blieb der Hurrikan immer noch einer der stärksten, der die Region am Golf von Mexiko jemals heimgesucht hat. Mindestens eine Million Menschen befanden sich in Louisiana auf der Flucht.

Weil der Sturm über dem Golf von Mexiko leicht nach Osten abdrehte, keimte in der 485 000-Einwohner-Stadt New Orleans die Hoffnung, dass das Zentrum des Hurrikans - und damit die Schneise der größten Verwüstungen - östlich vorbeiziehen könnte. "Die westliche Flanke von ,Katrina' ist nicht ganz so schlimm wie die östliche. Aber es wird schlimm genug werden", sagte Eric Blake vom Nationalen Hurrikanzentrum in Miami.

Er warnte vor einer bis zu sechs Meter hohen Sturmflut, die die gesamte Stadt unter Wasser setzen könnte. Aus der Großstadt am Mississippi-Delta wurden bereits Windböen mit Geschwindigkeiten bis 115 Stundenkilometern gemeldet. Die Stadt ist besonders verletzlich, weil sie teilweise unterhalb des Meeresspiegels liegt. Schon Stunden vor Eintreffen von "Katrina" standen Straßen unter Wasser.

80 Prozent der Einwohner waren dem Aufruf der Behörden gefolgt und hatten ihre Stadt am Sonntag verlassen - es war die erste Zwangsevakuierung in der Geschichte von New Orleans. Die verbliebenen Einwohner suchten in Notunterkünften Zuflucht, etwa 9000 waren es im Footballstadion Superdome. Schon Stunden, bevor das zerstörerische Zentrum des Hurrikans erwartet wurde, rissen Windböen Löcher in das Dach der Arena, und es regnete hinein.

Bürgermeister Nagin sprach von einem noch nie da gewesenen Ereignis. "Die Stadt New Orleans ist noch nie direkt von einem Hurrikan dieser Stärke getroffen worden", sagte er. Der bisher schwerste Wirbelsturm war vor 40 Jahren der Hurrikan "Betsy", der fast die Hälfte der Stadt unter Wasser setzte. Damals kamen 74 Menschen ums Leben.

Hunderttausende Menschen brachten sich in Sicherheit

An der gesamten Golfküste bildeten sich am Wochenende lange Staus, weil sich hunderttausende Menschen in Sicherheit brachten. Alle Autobahnspuren wurden für den Verkehr in Richtung Norden reserviert. Nach Angaben deutscher Reiseveranstalter sind derzeit nur wenige deutsche Reisende in Louisiana unterwegs. Bis zum Wochenende hätten sich dort rund 250 Bundesbürger aufgehalten, davon die Hälfte in New Orleans.

Sorgen über die Auswirkungen von "Katrina" trieben den Öl-Preis auf neue Rekordmarken und belasteten auch den Deutschen Aktienmarkt. In der Spitze stieg US-Öl auf 70,80 Dollar je Barrel (159 Liter). Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) warnte angesichts des rasanten Anstiegs der Ölpreise vor Gefahren für die Konjunktur.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) appellierte an die USA, ihren Widerstand gegen verbindliche internationale Klimaschutzziele aufzugeben. In einem Gastbeitrag für die Frankfurter Rundschau schreibt Trittin anlässlich des Wirbelsturms, es sei eindeutig belegt, dass der Klimawandel das Entstehen von Stürmen und Fluten in Nordamerika und Europa wahrscheinlicher mache.

Der durchschnittliche US-Amerikaner erzeuge mehr als doppelt so viel Kohlendioxid wie der durchschnittliche Europäer, schreibt Trittin. Dennoch lehne US-Präsident Bush internationale Klimaschutzziele mit der Begründung ab,sie schadeten der Wirtschaft. ap/rtr/dpa

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