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Nikki Haley bei den Vereinten Nationen.

UN-Botschafterin

Ein Hurrikan namens Haley

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Völlig überraschend tritt Trumps UN-Botschafterin ab. Sie bestreitet eigene Ambitionen auf das Präsidentenamt.

Als Reality-TV-Fan inszeniert Donald Trump selbst seine politischen Rückschläge noch wie eine Fernsehserie. „Wichtige Bekanntmachung mit meiner Freundin Nikki Haley um 10.30 Uhr im Oval Office“, twitterte er am Dienstagmorgen. Eine Stunde später saß er neben der amerikanischen UN-Botschafterin in seinem Arbeitszimmer und erklärte: „Wir sind sehr gut vorbereitet auf den heranziehenden Hurrikan. Es kommt ein wirklich großer Hurrikan.“

Trump sollte recht behalten – allerdings anders als gemeint: Haleys völlig überraschender Rückzug vom prominenten New Yorker Posten traf das Weiße Haus wie ein Donnerschlag. „Es war die Ehre meines Lebens“, beschrieb die 46-Jährige ihre zweijährige Zeit bei den Vereinten Nationen. Doch nun wolle sie etwas anderes machen. Nicht nur die Gründe ihres Rückzugs blieben im Dunkeln. Vor allem der Zeitpunkt der Ankündigung vier Wochen vor den politisch wichtigen Kongresswahlen sorgte selbst in US-Regierungskreisen für Verwunderung und Verstörung. Weder Außenminister Mike Pompeo noch Sicherheitsberater John Bolton sollen vorab informiert worden sein.

Nikki Haley blickt auf eine steile politische Karriere zurück. Die Tochter indischer Einwanderer hatte im Präsidentschaftswahlkampf als Gouverneurin von South Carolina die republikanischen Bewerber Marco Rubio und Ted Cruz unterstützt. Nach Trumps Wahlsieg war sie aber rasch als Außenministerin im Gespräch und erhielt schließlich den Botschafterposten bei den Vereinten Nationen. In der öffentlichen Wahrnehmung entwickelte sie sich bald zur Konkurrentin für den blassen Außenminister Rex Tillerson. In der Iran- und Israel-Politik vertrat sie wesentlich radikalere Positionen. Auch trat sie anders als Trump für eine härtere Gangart gegenüber Russland ein. Andererseits engagierte sich Haley für Menschenrechtsfragen, die den Präsidenten wenig interessieren und ging in der MeToo-Debatte spürbar auf Distanz zu dem Regierungschef.

Anschein von Einverständnis

Sowohl Trump wie Haley waren bei dem Auftritt im Oval Office bemüht, den Anschein des besten Einverständnisses zu erwecken. „Sie hat einen phantastischen Job gemacht“, lobte Trump, der viele Minister bestenfalls durch die Hintertür verabschiedete, seine scheidende Botschafterin. Der Posten in New York sei durch Haley „glamouröser“ geworden, schwärmte der Präsident. Es sollte ein Kompliment sein. Trump behauptete, Haley habe ihm ihren Veränderungswunsch schon vor sechs Monaten angekündigt, was erfahrene White-House-Korrespondenten angesichts des Ablaufs der Ereignisse bezweifeln. 

Über die wahren Gründe für den Rückzug der eloquenten Regierungsvertreterin wird nun heftig spekuliert. Haley wurden als Hoffnungsträgerin vieler traditioneller Konservativer immer wieder Ambitionen nachgesagt, sich 2020 selbst um die Präsidentschaft zu bewerben. „Nein, ich werde 2020 nicht antreten“, versicherte sie im Oval Office. Andere Beobachter glauben, dass die ehrgeizige Politikerin sich zwischen dem machtbewussten Außenminister Pompeo und Sicherheitsberater Bolton zunehmend an den Rand gedrängt fühlte, zumal die USA viele UN-Organisationen verlassen. Möglicherweise strebe sie einen lukrativeren Job in der Wirtschaft an. Schließlich wurden am Dienstag Vorwürfe einer Nichtregierungsorganisation bekannt, dass Haley Basketball-Freitickets im Wert eines Kleinwagens und Luxusjet-Flüge von einem Unternehmer angenommen haben soll.

„Innerhalb der nächsten zwei oder drei Wochen“ will Trump über die zum Jahreswechsel anstehende Nachfolge entscheiden. Zum Abschluss lockte der Präsident erneut mit einem Teaser: „Vielleicht geht es auch schneller.

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