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Jean-Pierre Bemba, 48, steht  nun in Den Haag vor Gericht.
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Jean-Pierre Bemba, 48, steht nun in Den Haag vor Gericht.

Kongo

Hunderte Opfer, ein Angeklagter

Der Ex-Vizepräsident der Demokratischen Republik Kongo muss sich in Den Haag für seine Gräueltaten verantworten. Bemba werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt.

Rund acht Jahre nach den Gräueltaten an Hunderten Zivilisten in Zentralafrika muss sich der frühere Vizepräsident der Demokratischen Republik Kongo, Jean-Pierre Bemba, nun vor Gericht verantworten. Am Montag hat vor dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag der Prozess gegen den 48-Jährigen begonnen. Bemba werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt.

Rund 1500 Soldaten der damals von Bemba befehligten Bewegung für die Befreiung Kongos (MLC) sollen zwischen Oktober 2002 und März 2003 in der benachbarten Zentralafrikanischen Republik zahlreiche Männer, Frauen und selbst Kinder gefoltert und getötet haben.

Das Gericht geht davon aus, dass auch rund 400 Menschen vergewaltigt wurden. Die Opfer der Übergriffe sollen zwischen acht und 70 Jahre alt gewesen sein.

Bemba habe seinen Milizen „wissentlich gestattet“, Hunderte von Vergewaltigungen zu begehen, sagte Chefankläger Luis Moreno-Ocampo am Montag in Den Haag. Die Kämpfer hätten Frauen unabhängig von ihrem Alter vergewaltigt. Wenn sich Zivilisten widersetzt hätten, seien sie getötet worden. Die Verbrechen seien verübt worden, um zu „demütigen und zu beherrschen“, sagte Moreno-Ocampo.

Während Bemba jegliche Beteiligung an den Verbrechen bestreitet, sieht die Anklage im Vorgehen des früheren Vizepräsidenten einen „systematischen Angriff auf die Zivilbevölkerung“ und will den ehemalige Rebellenführer als Anführer seiner Milizen zur Verantwortung ziehen. Damit zieht das „Weltstrafgericht“ zum ersten Mal einen Befehlshaber für Gräueltaten seiner Unterstellten zur Rechenschaft, an denen er nicht unmittelbar beteiligt war. Eine Verurteilung Bembas wäre „ein starkes Signal“ an Kommandierende in militärischen Konflikten, dass sie für derartige Verbrechen ihrer Truppen bestraft werden, sagte Chefankläger Luis Moreno-Ocampo.

Dem Gericht in Den Haag liegen dabei auch Zeugenaussagen von Opfern vor. 759 Menschen wurden bereits als Opfer anerkannt. Mehr als 500 weitere warteten noch darauf.

Bemba war im Mai 2008 in Brüssel auf Antrag des IStGH festgenommen worden. Die Fahndung nach ihm war nicht öffentlich gemacht worden, um die Festnahme zu erleichtern. Bemba war ins Exil gegangen, nachdem im März 2007 bei Kämpfen zwischen seiner Privatmiliz und den Regierungstruppen mehr als 300 Menschen ums Leben gekommen waren. Zuvor war er bei den Präsidentschaftswahlen angetreten, hatte jedoch gegen den amtierenden Staatschef Joseph Kabila verloren.

Eine IStGH-Berufungskammer hatte Mitte Oktober einem Antrag Bembas, die Anklageerhebung in Den Haag abzuweisen, nicht stattgegeben. Mit der Entscheidung war der Weg für den Prozess frei geworden. (afp/dpa)

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