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Biologin Marie-Luise Vollbrecht hält Vortrag und entzieht sich der Diskussion

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Von: Katja Thorwarth

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Biologin Marie-Luise Vollbrecht dufte ihren Vortrag in der Humboldt-Uni halten - diskutieren wollte sie nicht.
Biologin Marie-Luise Vollbrecht dufte ihren Vortrag in der Humboldt-Uni halten - diskutieren wollte sie nicht. © Bernd von Jutrczenka/dpa

Biologin Marie-Luise Vollbrecht holt ihren Vortrag über Geschlecht an der Berliner Humboldt-Uni nach. Nachfragen lässt sie unbeantwortet.

+++ 22.00 Uhr: Biologin Marie-Luise Vollbrecht sprach am Donnerstag etwa eine halbe Stunde in der Humboldt-Universität, Proteste gab es nicht. Bei einer Podiumsdiskussion versuchte die Uni anschließend, die komplexe Kontroverse aufzuarbeiten. Universitätspräsident Peter Frensch sagte, es sei nie Absicht gewesen, den Vortrag zu streichen, sondern nur, ihn zu verlegen. Kritiker:innen werfen ihr eine feindselige Haltung gegenüber trans Menschen vor.

Nach dem Vortrag verweigerte Vollbrecht die Beantwortung anschließender Fragen. Geschichtsprofessorin Gabriele Metzler auf Twitter: „Man kann in einer Universität keinen Vortrag halten (den man selbst als ‚korrekt‘ preist) und sich dann der Diskussion entziehen. Wissenschaftsfreiheit heißt nicht, Erkenntnisse zu präsentieren und Fragen zu unterbinden.“

Biologin Marie-Luise Vollbrecht hält Vortrag - beantwortet aber keine Nachfragen

+++ 17.50 Uhr: Biologin Marie-Luise Vollbrecht hat ihren Vortrag nachgeholt. Die Berliner Geschichtsprofessorin Gabriele Metzler kritisierte am Rande der Veranstaltung, dass Vollbrecht keine Nachfragen aus dem Auditorium beantworten wolle. Es sei unwissenschaftlich, der fachliche Auseinandersetzung auszuweichen. „Da sollte die Universität jetzt wirklich keine Bühne geben“, sagte Metzler, die an der HU lehrt.

Vortrag der Biologin Vollbrecht wird nachgeholt: Im Anschluss diskutieren will sie nicht

Erstmeldung: Berlin - Die Diskussion um die Absage eines Vortrags der Biologin und Doktorandin Marie-Luise Vollbrecht in den sozialen Netzwerken ist nach wie vor im Gang. Anfang Juli hatte Vollbrecht den Vortrag „Geschlecht ist nicht (Ge)schlecht, Sex, Gender und warum es in der Biologie zwei Geschlechter gibt“ im Kontext der „Langen Nacht der Wissenschaften“ halten wollen. Dagegen hatte sich Protest formiert, unter anderem, weil die Biologin Mitautorin eines als transfeindlich eingestuften Gastbeitrags war, der in der Welt erschienen ist.

Die Universität meldete schließlich Sicherheitsbedenken an und nahm den Beitrag aus dem Programm. Kritisiert wurde in erster Linie, dass Vollbrecht in einem Forum hätte sprechen können, indem sie ohne Widerspruch queerfeindliche Thesen als wissenschaftliche Fakten hätte behaupten können. Allerdings fiel Vollbrecht auf Twitter in der Vergangenheit regelmäßig durch transfeindliche Tweets auf, die sie schnell zu löschen scheint.

Screenshot Tweet, „Frau Summer“ - Account von Marie-Luise Vollbrecht.
Screenshot Tweet, „Frau Summer“ - Account von Marie-Luise Vollbrecht. © Screenshot_ Twitter_Dana_Mahr

Vortrag an der Humboldt-Universität: Biologin Vollbrecht will nicht zur Podiumsdiskussion

Die Medizinsoziologin Dana Mahr ist eine ihrer Kritikerinnen und sieht in dem Vollbrecht-Vortrag den „... Bestandteil einer regressiven Kommunikationsstrategie jener Akteur:innen, denen die (bis jetzt noch) bestehende Offenheit unserer Gesellschaft ein Dorn im Auge ist“. Die Biologin würde sich als „Opfer des ‚Woke-Mob‘ und einer angeblich ‚wissenschaftsfeindlichen Kultur‘“ inszenieren und betreibe selbst „Täter-Opfer-Umkehr“. Dieses Muster sei methodisch der „alternativen Rechten“ zuzuordnen.

Mahr selbst wurde bereits auf Twitter von dem Account „Frau Summer“ aka Marie-Luise Vollbrecht beleidigt: „Es geht und ging Personen wie Marie-Luise Vollbrecht übrigens nie um biologische Zweigeschlechtlichkeit, sondern darum, Menschen wie die Politikerin Tessa Ganserer oder auch mich mithilfe einer rückwärtsgewandten Moral des ‚Normalen‘ (erneut) aus der Gesellschaft zu drängen.“

Vollbrecht-Vortrag an Humboldt-Uni: Forschungsministerin sorgt sich um „Wissenschaftsfreiheit“

Nun hält Marie-Luise Vollbrecht ihren Vortrag am Donnerstag (14. Juli), um 17 Uhr. Im Anschluss soll eine Podiumsdiskussion mit Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) stattfinden, um die Kontroverse zu beleuchten. An dieser Veranstaltung wird Vollbrecht jedoch nicht teilnehmen, wie sie auf Twitter erklärt. Ihr gehe es um die „Vermittlung von biologischem Grundlagenwissen“. Ihr Vortrag sei „korrekt und muss nicht ‚kontextualisiert‘ werden“, schreibt sie.  

Stark-Watzinger sorgt sich dennoch um die Wissenschaftsfreiheit. Hochschulen müssten kritische Debatten ermöglichen, sagte die FDP-Politikerin der dpa. Und weiter: „Das müssen wir alle aushalten.“ Sven Lehmann, Queer-Beauftragter der Bundesregierung, widerspricht: „Nein, wir müssen Transfeindlichkeit nicht ‚aushalten‘. Wir müssen auch Antisemitismus und Rassismus nicht ‚aushalten‘. Wir müssen dagegen vorgehen und laut widersprechen! - um als offene Gesellschaft die Menschen zu schützen, die täglich darunter leiden.“ (Katja Thorwarth)

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