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„Dank Deiner Mutter, General“ steht auf dem Ehren-Graffito für Ratko Mladic in Belgrad.
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„Dank Deiner Mutter, General“ steht auf dem Ehren-Graffito für Ratko Mladic in Belgrad.

Ratko Mladic

Serbien: Kriegsverbrecher werden als Helden gefeiert

  • VonThomas Roser
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Graffiti für Ratko Mladic, Ehrenbürgertitel für andere Verurteilte: In Serbien werden Verantwortliche für Gräuel des Bosnienkriegs immer häufiger gefeiert.

Serbiens bekanntester Kriegsverbrecher salutiert seit über drei Wochen meterhoch im Herzen der Hauptstadt. Zwei Mal wurde das Mauergemälde von Ex-General Ratko Mladic im Belgrader Stadtteil Vracar übermalt. Beide Male wurde das Mural zu Ehren des im Juni rechtskräftig zu lebenslänglicher Haft verurteilten Kriegsschergens schnell wieder hergestellt. „Dank Deiner Mutter, General“, lautet die Botschaft seines Sprayer-Fans.

Serbien: Immer mehr Huldigungen für Kriegsverbrecher Ratko Mladic

Noch ist unbekannt, wo der wegen des an über 8000 Muslimen in Srebrenica begangenen Völkermords im Bosnienkrieg (1992-1995) verurteilte Mladic seine Strafe verbüßen wird. Doch nicht nur in der bosnischen Republika Srpska, auch in Serbien haben sich seiner Verurteilung die Graffiti zu seinen Ehren mit stillschweigender Duldung der nationalpopulistischen Machthaber sprunghaft vermehrt.

Als Oppositionspolitiker hatte der heutige Staatschef Aleksandar Vucic 2007 das Straßenschild einer dem 2003 ermordeten Reformpremier Zoran Djindjic gewidmeten Allee in Neu-Belgrad mit der Aufschrift „Ratko-Mladic-Boulevard“ überklebt. 2015 machte sich das Politchamäleon zum 20. Jahrestag der Massenmorde Mladics immerhin zur Gedenkfeier für dessen Opfer nach Srebrenica auf – und wurde mit Steinwürfen empfangen.

Serbien: Staatschef sympathisiert mit Kriegsverbrecher Mladic

Nun wird in dem von Vucic mit harter Hand geführten Serbien selbst einem rechtskräftig verurteilten Kriegsverbrecher wieder öffentlich gehuldigt. Zugleich werden die von ihnen verantworteten Untaten relativiert, heruntergespielt, verschwiegen – oder gefeiert. „Die Verherrlichung der Kriegsverbrecher ist die offizielle Politik Serbiens“, konstatiert bitter der Belgrader Publizist Tomislav Markovic.

Tatsächlich wurde zu Monatsbeginn der Ex-Kommandant Vladimir Lazarevic zum Ehrenbürger der Gemeinde Pantelej in Nis ernannt. Er war 2009 wegen im Kosovokrieg 1999 begangenen Kriegsverbrechen zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Seine Richter hatten dem Kriegsverbrecher die Verantwortung für die Ermordung, Vertreibung und Vergewaltigung albanischer Zivilist:innen zur Last gelegt. Lazarevic habe „die Ehre der Nation und des Staates“ verteidigt, pries hingegen die Bürgermeisterin von Pantelej den neuen Ehrenbürger in ihrer Laudatio. Sie gehört Vucics Serbischer Fortschrittspartei (SNS) an.

Serbien: Von der Leugnung des Genozids zum Feiern der Kriegsverbrecher

Lange beschränkte sich Belgrad darauf, die im Namen der eigenen Nation in Kroatien, Bosnien oder Kosovo begangenen Verbrechen mit dem Verweis auf die ungesühnten Massaker an serbischen Zivilist:innen zu relativieren. Doch inzwischen werden Kriegsverbrecher wie Radovan Karadzic oder Mladic nicht nur von der Regierungspresse als „Helden“ gefeiert, sondern gelten auch aus der Haft entlassene Kriegsschergen als ehrenwerter Teil des Establishments.

Es gebe in Serbien kaum mehr einen größeren Ort ohne Graffiti-Oden auf Mladic, berichtet betrübt das Blatt „Danas“. „Wir sind eine Gesellschaft, die aus der Phase des Leugnens des Genozids in eine Phase des öffentlichen Feierns der Kriegsverbrecher übergegangen ist“, konstatiert bitter der Anwalt und Oppositionspolitiker Aleksandar Olenik. (Thomas Roser)

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