Nach jahrelangem Konflikt

Houthi-Rebellen verkünden Waffenruhe

Der Anführer der Aufständischen verkündet in einer Tonband-Botschaft eine einseitige Waffenruhe. Auch die Bedingungen der Regierung für eine Friedenslösung will er akzeptieren. Die Regierung reagiert positiv.

Sanaa. Im jahrelangen blutigen Konflikt zwischen der Regierung des Jemens und den schiitischen Houthi-Rebellen in der nördlichen Provinz Saada zeichnet sich eine Entspannung ab. Der Anführer der Aufständischen, Abdulmalik al-Houthi, verkündete in einer Tonband-Botschaft eine einseitige Waffenruhe.

Seine Gruppe sei außerdem bereit, die Bedingungen der Regierung für eine Friedenslösung zu akzeptieren. Die Führung in Sanaa reagierte am Sonntag positiv. Sie habe "keine Einwände gegen eine Beendigung der Militäroperationen", insofern sich die Rebellen an ihre Bedingungen für einen Waffenstillstand hielten, hieß es in einer Stellungnahme des Nationalen Verteidigungsrats, der unter Führung des jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Salih zusammengetreten war.

Sein Waffenstillstandsangebot ziele darauf ab, "das Blutvergießen zu beenden und den Jemen vor einer katastrophalen Situation zu bewahren", sagte Al-Houthi. Zu den von der Regierung gestellten Bedingungen zählt unter anderen, dass die Rebellen die Kampfhandlungen einstellen, sich aus allen militärischen Stellungen und von ihnen besetzten öffentlichen Gebäuden zurückziehen, die gefangenen jemenitische Soldaten freilassen und das erbeutete Kriegsmaterial an das Militär zurückgeben.

Großoffensive im August

Das jemenitische Militär hatte im vergangenen August eine Großoffensive gegen Stellungen der Aufständischen im Norden des Landes gestartet. In die Kämpfe war zeitweise sogar das Nachbarland Saudi-Arabien verwickelt. Saudische Kampfjets bombardierten dabei mit Billigung der Regierung in Sanaa mehrfach Ortschaften im Houthi- Gebiet. Rebellen griffen wiederum saudische Grenzposten an.

An dieser Nebenfront hatten die Aufständischen bereits am Montag eine einseitige Waffenruhe proklamiert. Die Regierung in Riad erklärte daraufhin die Kampfhandlungen ihrerseits für beendet. Der Nationale Verteidigungsrat des Jemens erklärte am Sonntag: "Das Gremium bestätigt, dass sich die Houthi-Rebellen zur Erfüllung der von der Regierung gestellten Bedingungen für eine Beendigung der Militäroperationen verpflichtet haben." Gegen eine tatsächliche Einstellung der Kampfhandlungen bestünden daher "keine Einwände" mehr. Die beidseitigen Erklärungen von Regierung und Aufständischen könnten den Schlusspunkt unter einen seit 2004 schwelenden Krieg setzen, bei dem Tausende Jemeniten und zuletzt auch 113 Saudis ums Leben kamen.

Nach Meinung von Beobachtern in Sanaa stünden die Aussichten darauf auch deshalb gut, weil beide Seiten in dem zermürbenden und opferreichen Waffengang "einen hohen Grad an Erschöpfung" erreicht hätten.

Der Konflikt mit den schiitischen Aufständischen ist aber nicht der einzige Faktor, der die Existenz des Jemens gefährdet. Im weiten Hinterland des bitterarmen Landes hat sich über die letzten Jahre ein aktiver Ableger des Terrornetzes El Kaida eingenistet. Im Süden mit seiner Küste und den Häfen am Golf von Aden betreiben wiederum Sezessionisten eine Abspaltung dieses Landesteils.

In der Nacht zum Samstag fassten die Behörden in der südöstlichen Hafenstadt Mukalla einen potenziellen Selbstmordattentäter. Der El- Kaida-Extremist sei mit einer Sprengstoffweste auf einem Motorrad unterwegs gewesen und habe Anschläge gegen Wirtschaftseinrichtungen in der Stadt geplant, teilte das jemenitische Innenministerium mit.

Erst am Mittwoch war dem Jemen bei einer internationalen Konferenz in London mehr Hilfe im Kampf gegen El Kaida und bei der Lösung seiner inneren Konflikte versprochen worden. Das Gefahrenpotenzial des Landes war ins internationale Rampenlicht gerückt, als ein Nigerianer zu Weihnachten versucht hatte, ein US-Passagierflugzeug vor Detroit in die Luft zu sprengen. Er soll seine Terror-Ausbildung bei der El Kaida im Jemen erhalten haben. (dpa)

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