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Häuser beim US-Militärflugplatz Thule Air Base auf Grönland.

Geopolitik

Hotspot Grönland

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Außer den USA verfolgt auch China strategische Interessen auf Grönland. Dazwischen sucht das kleine Dänemark seine Rolle.

Das groteske Kaufinteresse von Donald Trump an Grönland hat in Dänemark erst ungläubiges Kopfschütteln und dann eine Debatte über die eigene Rolle ausgelöst. „In einer Zeit mit entscheidender strategischer Bedeutung für die Arktis muss Grönland eine gewichtigere Rolle in der dänischen Politik bekommen,“ forderte die konservative Zeitung „Berlingske“, als sich die Aufregung über den US-Präsidenten und seine ebenso beleidigte wie beleidigende Absage eines Staatsbesuchs etwas gelegt hatte. Das Kopenhagener Blatt bemühte große Worte: „Unser Königreich ist eine arktische Supermacht wie Norwegen, die USA, Russland und Kanada. Ohne Grönland wird Dänemark ein amputierter Zwerg.“

Die größte Insel der Welt hat gerade mal 56.000 Bürgerinnen und Bürger. Ihnen haben die vor 300 Jahren als Kolonialherren herangesegelten Dänen die volle staatliche Unabhängigkeit zugesagt. Bis auf die Außen- und Sicherheitspolitik ist sie als Teilautonomie schon Wirklichkeit. Aber die Karten werden zwischen Kopenhagen und Grönlands Hauptstadt Nuuk neu verteilt, seit das Eis hier in klimatechnisch alarmierendem Tempo schmilzt. Die Aussicht auf den Abbau gigantischer Bodenschätze und die zunehmende Befahrbarkeit der Nordwest-Schiffspassage haben die Insel kommerziell und auch militärstrategisch zu einem geopolitischen Hotspot gemacht.

Das war sie auch bis zum Ende des Kalten Krieges mit der US- Militärbase Thule, wo unter anderem ein atomar bestückter B-52-Bomber abstürzte mit Folge einer radioaktiven Verseuchung. Kurz nach Trumps Kaufangebot kündigte die dänische Verteidigungsministerin Trine Bramsen an, ihr Land werde verstärkt Kriegsschiffe in die polaren Gewässer entsenden und schließe die Stationierung von Kampfflugzeugen nicht aus.

Die neuerliche militärische Aufrüstung in der Arktis vollzieht sich unter viel komplexen Vorzeichen und vor allem mit mehreren Akteuren, zwischen denen sich das kleine Dänemark zurechtfinden muss. Als die aufstrebende Weltmacht China in diesem Jahrzehnt ihr kommerzielles und strategisches Interesse an Grönland mit dem Angebot kundtat, auf der eisigen Insel ohne Landstraßen Flugplätze zu bauen und zu finanzieren, legte Kopenhagen ein Veto ein: Das sei mit Dänemarks Sicherheitsinteressen nicht vereinbar. Washington hatte lange vor Trumps Amtsantritt signalisiert, dass man „not amused“ sei, sollte China hier mit gigantischen Investitionen oder Krediten wie in Afrika entscheidenden Einfluss gewinnen.

Grönländische Delegationen sind unterdessen schon fleißig nach Peking gepilgert, um endlich von den jährlichen Subventionen aus Kopenhagen unabhängig zu werden. Diese machen mit jährlich 500 Millionen Euro die Hälfte des grönländischen Haushalts aus. Unverzichtbar, aber auch eine demütigende Fessel, so lange die Insel keine anderen nennenswerten Einnahmen als den Fischfang hat.

Norwegen dürfte aufmerksam verfolgt haben, wie brutal Trump mit dem Nato-Partner Dänemark umgesprungen ist. Als ebensolcher mit direkter Landesgrenze zu Russland hat das Land die eigenen militärischen Anstrengungen im hohen Norden zur See und in der Luft kräftig verstärkt. Die zweite skandinavische „Großmacht“ in der Arktis zog sich vor knapp einem Jahr den Zorn Moskaus zu, als Norwegen mit 50 000 Soldaten aus allen 29 Nato-Mitgliedstaaten sowie Schweden und Finnland das größte westliche Militärmanöver seit dem Ende des Kalten Krieges ausrichtete. Dies sei die unumgängliche Reaktion der westlichen Allianz auf die massive Zunahme russischer Militäraktivität in der Arktis, entgegnete Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, ein Norweger.

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