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Horst Seehofer bei seinem "Anstandsbesuch".
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Horst Seehofer bei seinem "Anstandsbesuch".

Jamaika-Sondierungen

Horst Seehofer wagt sich auf grünes Terrain

  • Daniela Vates
    VonDaniela Vates
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Zum Beginn der Sondierungsverhandlungen betritt CSU-Chef Horst Seehofer zum ersten Mal die Parteizentrale der Grünen. Zwischen den Parteien beginnt das Pokern.

Die Sondierungsverhandlungen für die Jamaika-Koalition beginnen mit einer Premiere. Noch bevor es richtig los geht, betritt CSU-Chef Horst Seehofer zum allerersten Mal in seinem Leben die Parteizentrale der Grünen. Verbotspartei haben sie in der CSU die Grünen noch vor kurzem mit einem gewissen Schaudern genannt.

Nun stellt sich Seehofer strahlend zwischen die Grünen-Spitzenkandidaten Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt. Es ist das optische Gegenprogramm zum Geraune aus seiner Partei, dass man eigentlich noch nicht so recht sehe, wie sich Union, Grüne und FDP zusammenfinden sollen zu einer Regierung. „Ein Anstandsbesuch“ sei das gewesen bei den Grünen, wiegelt Seehofer danach ab.

Immerhin kann man festhalten: Vor vier Jahren, als die Union nach der Wahl mit den Grünen über eine schwarz-grüne Koalition verhandeln, hat es einen solchen Anstandsbesuch nicht gegeben. Es hat dann ja bekanntermaßen auch nicht geklappt mit Schwarz-Grün. Die Union gibt die Schuld dafür den Grünen.

Seehofer hat dann auch noch schnell bei der FDP vorbeigeschaut, eine halbe Stunde lang. Auch da passte das Wort Anstand:  FDP und CSU haben sich in ihrer letzten gemeinsamen Regierung vor vier Jahren schließlich gegenseitig als Wildsau und Gurkentruppe beschimpft. Ein offensiv gelassener CSU-Chef kam dann bei strahlender Sonne in den herrschaftlichen Bau der Parlamentarischen Gesellschaft gegenüber des Reichstags. Im Saal „Berlin“ ging es gemeinsam ab Mittag weiter – mit der ersten echten Runde der Sondierungsgespräche.

Gute zwei Stunden saßen Liberale und Union zusammen. Organisationsfragen standen im Vordergrund. Es wird auch eine Rolle gespielt haben, wie sehr man schon in den Sondierungsgesprächen ins Detail gehen sollte, bevor man sich dazu entschließt, die nächste Stufe in Angriff zu nehmen: die Aufnahme richtiger Koalitionsverhandlungen. Für den Wunsch der Grünen, schon in den Sondierungen möglichst viel festzulegen, scheinen auch die anderen Parteien aufgeschlossen zu sein. Aber das sind ja erstmal nur die Formalitäten.

CDU, CSU und FDP entschlossen sich nach zwei Stunden, sich gemeinsam vergnügt zu zeigen. Die Generalsekretäre Peter Tauber, Andreas Scheuer und Nicola Beer verließen einträchtig strahlend das Verhandlungsgebäude. „Wir haben ein gutes Gefühl“, sagte Tauber und versicherte, die Union habe nicht nur selber geredet, sondern: „Wir haben auch zugehört.“

Scheuer und Beer übten sich im Wettbewerb der Jamaika-Bezüge. Scheuer hatte da schon vor Tagen vorgelegt, mit dem Hinweis, es werde keine Reaggae-Atmosphäre geben, weil es dafür alles viel zu ernst sei. Mittlerweile hat die CSU auch die Frage nach dem Längsten geklärt, dem längsten Fluss in diesem Fall. Das sei in Jamaika der „Black River“, der Schwarze Fluss, verkündete Scheuer. Womit die Stärkenverhältnisse absolut geklärt sein dürften.

Weil inhaltlich noch nicht viel passiert ist, oder nicht viel verraten werden soll, gab auch FDP-Generalsekretärin Beer ihre Geographie-Kenntnisse zum Besten. Sie hat nachgemessen, dass Berlin und die jamaikanische Hauptstadt Kingston 8500 Kilometer voneinander entfernt sind. „Die ersten Meter auf diesem Weg sind gut gelaufen“, sagte sie, blieb aber noch ein bisschen vorsichtig. Es sei wie bei der Grundlagenforschung: „Wir wissen, was wir suchen. Aber wir wissen noch nicht, was wir finden.“

Nach dem Treffen mit den Grünen war es dann ein wenig ernster, aber bemüht um Zuversicht. Die Gespräche seien geprägt von der Lösungssuche, sagte Grünen-Generalsekretär Michael Kellner. Und CSU-Chef Seehofer befand, ob ernsthaft oder anstandshalber: „Für den ersten Tag war das nicht schlecht.“

Die Grünen setzen sich nun am Donnerstag noch mit den Liberalen zusammen, bevor sich alle vier Parteien am Freitag erstmals gemeinsam um einen Tisch versammeln. „Möge uns allen ein Licht aufgehen“, wünscht sich Grünen-Chef Özdemir. Für diese Woche sind noch keinerlei inhaltliche Einigungen zu erwarten.(mit mdc.)

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