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Feuerwehr löschte einen geplünderten und niedergebrannten Supermarkt in der Stadt Manzini.
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Feuerwehr löschte einen geplünderten und niedergebrannten Supermarkt in der Stadt Manzini.

Afrika

Horrorfilm mit Titel „Eswatini“

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Im früheren Swasiland lässt der Monarch seine Getreuen auf das Volk schießen. Er tut das eigentlich regelmäßig. Diesmal scheint er den Bogen überspannt zu haben.

In den sozialen Netzwerken kursierten die Bilder, bis die Regierung den Schalter umlegte. Von uniformierte Ordnungshütern, die mit langen Stöcken auf Demonstranten einschlagen, bis sich diese nicht mehr rührten. Ein Soldat verfeuerte das Magazin seines Sturmgewehrs dorthin, wo gerade noch ein junger Mann gestanden hatte.

Ob der Demonstrant tödlich getroffen wurde, ist dem wackligen Video nicht zu entnehmen. Augenzeugen berichten von Dutzenden von demonstrierenden Swati, die in dem südafrikanischen Bergkönigreich Eswatini (vormals Swasiland) in den vergangenen Tagen von Staatskräften erschossen worden seien: Amnesty International (AI) will über eine Namensliste mit mindestens 20 bislang getöteten Oppositionellen verfügen. „Dutzende von Menschen wurden umgebracht, nur weil sie ihre Regierung zur Einhaltung der Menschenrechte aufforderten“, sagt der AI-Direktor fürs Südliche Afrika, Deprose Muchena.

In Afrikas letztem absolutistischen Königreich flackerten in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer wieder Proteste gegen die Herrschaft und den Lebensstil des 53-jährigen Monarchen Mswati III. auf – so wütend und gewalttätig wie in den vergangenen zehn Tagen waren die Proteste allerdings noch nie. Als sich der Protest wegen des Todes eines Jurastudenten – vermutlich von Polizisten verschuldet – Ende Juni auf die Straße ergoss, verhängte der vom König eingesetzte Premierminister Themba Masuku kurzerhand ein Demonstrationsverbot: Es wurde mit der Verbreitung des Corona-Virus begründet. Das wütende Volk plünderte daraufhin zahlreiche mit dem Königshaus in Verbindung gebrachte Geschäfte und zündete sie an. Dabei soll ein Schaden von umgerechnet fast 200 Millionen Euro entstanden und 5000 Menschen um ihre Arbeit gebracht worden sein, gab die Regierung bekannt.

Dass sich die Lage inzwischen etwas beruhigt hat, habe nichts mit dem Eindämmen des ersten Volkszorns zu tun, sagt der ins südafrikanische Exil geflohene Chefredakteur der „Swaziland News“, Zweli Dhlamini. Vielmehr hätten die Staatskräfte ihre Repressionswelle inzwischen von den städtischen Zentren des Königreichs auf ländliche Gebiete verlagert. „Das Morden, Verprügeln und Schikanieren der Bevölkerung geht unvermindert weiter“, sagt der Journalist. Aber er hofft: „Der Aufstand gegen die absolute Herrschaft des Monarchen wird sich dieses Mal nicht so schnell zerschlagen lassen.“

Sprecher der in Eswatini verbotenen Opposition fordern eine demokratische Verfassung, ein Ende des Verbots politischer Parteien sowie die Bildung einer Übergangsregierung. Politische Organisationen sind in dem 1,2 Millionen Menschen zählenden Königreich seit 1973 verboten: Der Monarch regiert seit seinem 18. Lebensjahr – das war 1986 – ohne jegliche Einschränkungen. Dem 15-fachen Ehemann wird auch ein verschwenderischer Lebensstil angesichts eines bettelarmen Landes vorgeworfen. Mswatis Besitz wird auf 100 Millionen US-Dollar geschätzt, während 60 Prozent der Bevölkerung mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen müssen.

Südafrikas Staatenbund SADC entsandte am Wochenende drei Delegierte nach Eswatini, um eine politische Lösung des Konflikts zu initiieren. Dabei kam es allerdings schnell zum Eklat, als sich herausstellte, dass die – von der Regierung handverlesenen – Angehörigen der Zivilgesellschaft allesamt mit dem Königshaus in Verbindung standen. Das SADC-Trio brach daraufhin seine Mission ab und beabsichtigt nun zu einem späteren Termin zurückzukommen.

Mlungisi Makhanya, der Präsident der in Eswatini als „Terrororganisation“ verbotenen Oppositionspartei Pudemo, äußerte sich enttäuscht über die Initiative der Nachbarstaaten. Die drei Gesandten hätten kein einziges Krankenhaus oder Gefängnis besucht, in denen inzwischen Tausende junger Swati eingesperrt seien. Sie hätten außerdem auch mit keiner der Familien gesprochen, die während der Unruhen der vergangenen Tagen einen Sohn oder eine Tochter verloren. „Sie sollten die Welt nicht mit ihrem unvollständigen Bild täuschen“, fügte Makhanya hinzu. „Wir sind an einem Punkt angelangt, wo es keinen Rückzieher mehr gibt.“

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