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Trotz eines Verbots sind in Hongkong am chinesischen Nationalfeiertag Zehntausende Menschen für Demokratie und Menschenrechte auf die Straße gegangen.

Hongkong

Hongkong: Schüsse auf Demonstranten am Nationalfeiertag

In Hongkong kommt es erneut zu Ausschreitungen. Erstmals wird ein junger Mann mit scharfer Munition angeschossen.

Hongkong (dpa) - Zeitgleich mit den Feierlichkeiten zu Chinas 70. Geburtstag ist es in Hongkong erneut zu schweren Ausschreitungen gekommen. Im Anschluss an zunächst friedliche Proteste der Demokratiebewegung kam es am Dienstag an mehreren Orten zu Zusammenstößen radikaler Demonstranten mit der Polizei. Erstmals wurde laut einem Bericht ein Demonstrant mit scharfer Munition angeschossen.

Die Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“ berichtete, dass der junge Mann an der Brust getroffen und in ein Krankenhaus gebracht wurde. Demnach befand er sich in einem kritischen Zustand. Hongkongs Krankenhaus-Behörde teilte mit, dass bis zum Nachmittag (Ortszeit) 15 Menschen bei den Protesten verletzt wurden, von denen sich einer in einem kritischen Zustand befand.

Fünf Schüsse abgegeben

Wie die Zeitung weiter berichtete, gab die Polizei mindestens fünf Schüsse ab. Zwei Warnschüsse wurden demnach abgefeuert, nachdem Polizisten von einer Gruppe Demonstranten angegriffen worden war. Ein Sprecher der Polizei machte zunächst keine Angaben.

Bei Ausschreitungen an mindestens fünf Orten in der Stadt blockierten Aktivsten Straßen, warfen Pflastersteine, legten Feuer und warfen Brandsätze. Die Beamten setzen Tränengas, Schlagstöcke und Wasserwerfer ein.

Zehntausende Demonstranten zogen trotz eines Verbots der Behörden am Dienstag durch die Straßen der chinesischen Sonderverwaltungszone. „Freiheit für Hongkong“ riefen die zumeist schwarz gekleideten Demonstranten und stimmten die Hymne der Protestbewegung an. Auch an anderen Orten in der früheren britischen Kronkolonie mit ihren rund sieben Millionen Einwohnern kamen Demonstranten zu zunächst friedlichen Protestaktionen zusammen.

Zeitgleich hatten unter hohen Sicherheitsvorkehrungen am Morgen die Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag der Volksrepublik China begonnen. Abgeriegelt von der Öffentlichkeit verfolgten geladene Gäste im Messezentrum der Stadt eine Zeremonie, die in die geschlossenen Räume übertragen wurde.

Mehr als 1500 Festnahmen 

Eine Ehrengarde hisste die Nationalflagge an der goldenen Bauhinien-Statue, einem Wahrzeichen der Stadt. Zwei Helikopter mit einer großen chinesischen und einer kleineren Hongkonger Fahne flogen über den Hafen entlang der Hongkonger Skyline.

Die Demonstranten fordern eine unabhängige Untersuchung von Polizeigewalt bei den seit fünf Monaten andauernden Protesten, eine Amnestierung der mehr als 1500 bisher Festgenommenen, eine Rücknahme der Einstufung ihrer Proteste als „Aufruhr“ sowie freie Wahlen.

„Wir kämpfen für Freiheit und Demokratie“, sagte ein Demonstrant namens Ramon. Die Kommunistische Partei gewähre den Menschen keine freien Wahlen, zudem würden Versammlungsfreiheit und Redefreiheit immer weiter eingeschränkt.

Carrie Lam in Peking

In Erwartung der Ausschreitungen hatten die Behörden bereits am Morgen einige Straßen und U-Bahn-Stationen in der Innenstadt gesperrt. Über 20 Stationen wurden bis zum Abend geschlossen. Mindestens 6000 Polizisten hielten sich bereit, wie lokale Medien berichteten. Mehrere große Einkaufszentren und Hunderte Geschäfte in der Stadt blieben geschlossen; einige Hotels empfahlen ihren Gästen, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten.

Hongkongs bei der Protestbewegung verhasste Regierungschefin Carrie Lam verbrachte den Feiertag nicht in der Stadt. Gemeinsam mit einer großen Delegation war sie zu der großen Militärparade nach Peking gereist.

Hongkongs Behörden hatten einen für Dienstag geplanten großen Protestmarsch im Vorfeld untersagt. Die Demokratiebewegung hatte dennoch für den Tag mehrere Protestaktionen angekündigt. Schon bei Protesten am Wochenende war es in Hongkong wieder zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird Hongkong mit einem eigenen Grundgesetz autonom regiert. Die Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit, um die sie jetzt fürchten. (dpa)

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