Proteste

In Hongkong fällt der erste Schuss

Ein Polizist feuert bei den Protesten in Hongkong in die Luft. Regierungschefin Lam gibt sich gesprächsbereit.

Ein Polizist in Hongkong hat während einer Demonstration am Sonntag mindestens einen Schuss abgegeben. Ein Beobachter des Bezirksrats berichtete, dass ein Polizist mit seiner Waffe in die Luft geschossen habe, nachdem ihn mehrere Demonstranten umringt hätten. Erstmals setzten die Beamten auch zwei Wasserwerfer ein.

Am Wochenende war es bei den Protesten erneut zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Die Beamten setzten Tränengas ein und drängten Protestler zurück, die auf der Straße Barrikaden errichtet hatten. Demonstranten warfen Flaschen, Brandsätze und Steine auf die Polizisten. Zudem lieferten sich beide Seiten Auseinandersetzungen mit Baseballschlägern und Schlagstöcken.

Die Demonstrationen hatten am 9. Juni begonnen. Die Kritik richtete sich anfangs gegen ein - inzwischen auf Eis gelegtes – Gesetz, das Auslieferungen nach China erlaubt hätte und von Hongkongs prochinesischer Regierungschefin Carrie Lam auf den Weg gebracht worden war.

Lam teilte auf Facebook mit, sie habe sich mit einer „Gruppe von Menschen“ getroffen, um zu besprechen, wie man einen Dialog einleiten könne. An dem Treffen nahmen 19 Top-Wirtschaftsführer und Politiker teil, wie die Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“ berichtete.

Konsulatsmitarbeiter frei

Mehr als die Hälfte der Anwesenden soll Lam geraten haben, mehr Kompromissbereitschaft gegenüber den Demonstranten zu zeigen, eine unabhängige Untersuchung über Polizeigewalt bei den Protesten einzuleiten und das Auslieferungsgesetz auch formell zurückzuziehen. Beides sind Kernforderungen der Protestbewegung. Kritik der Protestbewegung zog am Wochenende auch der Hongkonger U-Bahn-Betreiber auf sich, der vor Beginn des angemeldeten Marsches keine Züge mehr an den umliegenden Stationen halten ließ. Dadurch erschwerte sich die Anreise für Demonstranten, die der Bahn-Gesellschaft vorwarfen, auf Druck Pekings gehandelt zu haben.

Ein in China festgesetzter Mitarbeiter des britischen Konsulats in Hongkong wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. Wie die Polizei der Stadt Shenzhen mitteilte, lief die „Administrativhaft“ für Simon Cheng am Samstag ab. Er konnte nach Hongkong zurückkehren. Der 28-Jährige war am 8. August an der Grenze zwischen China und Hongkong auf dem Heimweg in die Sonderverwaltungszone verschwunden. (afp/dpa)

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