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Hongkong – Geografie, Geschichte und Politik von Chinas Millionenmetropole

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Skyline von Hongkong
Skyline von Hongkong © IMAGO / YAY Images

Hongkong gehört heute zu den Weltstädten. Die Sonderverwaltungszone Chinas hatte allerdings in der Vergangenheit mit viel Gewalt und Unterdrückung durch Fremdherrschaft zu kämpfen.

Hongkong – Das bedeutet so viel wie „duftender Hafen“. Es ist außerdem der Name der Sonderverwaltungszone an der Südküste der Volksrepublik China. Hongkong gehört zu den Metropolen und bedeutenden Weltstädten.

Hongkong in der Volksrepublik China: Geografie

Hongkong befindet sich an der Mündung des Perlflusses in das Südchinesische Meer. Das geografische Gebiet erstreckt sich über eine unregelmäßig geformte Halbinsel sowie über 263 zusätzliche Inseln. Zu den wichtigsten davon zählen:

Das Hongkonger Territorium wird noch einmal in Kowloon, Hong Kong Island, die New Territories und die Outlying Islands unterteilt. Trotz der enormen Größe von 1.113 Quadratkilometern Landfläche sind lediglich 25 Prozent davon bebaut. Das liegt vor allem an der bergigen Topografie mit vielen steilen Hängen. Der größte Berg ist der Tai Mo Shan mit 958 Metern Höhe. Als Hausberg Hongkongs und zugleich als eines der markantesten Naturmonumente gilt jedoch der 495 Meter hohe Lion Rock an der Grenze zwischen Kowloon und den New Territories.

Das Gros der bebauten Fläche entstand durch Landgewinnung im Victoria Harbour und in den New Territories. Zu den New Territories gehören das ursprüngliche Hinterland nördlich von Kowloon sowie die meisten der 263 Inseln. Obwohl die New Territories damit die größte Fläche Hongkongs ausmachen, sind die Halbinsel Kowloon sowie der Norden von Hong Kong Island die am dichtesten besiedelten Gebiete. Die beiden Orte trennt die schmale Meerenge Victoria Harbour.

Hongkong als Sonderverwaltungszone: Politik

Hongkong untersteht zwar direkt der Zentralregierung Pekings, besitzt als Sonderverwaltungszone jedoch seine eigenen Gesetze, Zölle und eine eigene Währung. Die Verfassung, das Basic Law, regelt die exekutive, legislative und judikative Kraft. Im Vergleich zum restlichen China ist Hongkong relativ autonom. Freie Wahlen sind aber auch hier nicht vorgesehen. Der Regierungschef wird von einem Peking-treuen Wahlgremium aus 800 Mitgliedern auf fünf Jahre gewählt. Es besteht eine einmalige Möglichkeit zur Wiederwahl. Dieser Regierungschef ernennt den Exekutivrat und Legislativrat. Seit dem 1. Juli 2022 besetzt John Lee, ehemaliger Minister für Staatssicherheit, das Amt des Regierungschefs. Er ist damit der direkte Nachfolger von Carrie Lam.

Hongkong als britische Kolonie

Archäologische Forschungen besagen, dass seit etwa 5.000 Jahren Menschen in dieser Region Chinas leben. Der hochgradig konfliktgeladene Teil der Geschichte Hongkongs begann zwischen den Jahren 1840 und 1842. Hier fand der englisch-chinesische Opiumkrieg statt, der mit der britischen Besetzung Hongkongs endete. Dies markierte auch den Beginn der Periode der Unterwerfung Chinas unter die wirtschaftlichen Interessen westlicher Großmächte.

Als China versuchte, die Opium-Einfuhr aus Indien durch die Briten zu verhindern, fühlte sich Großbritannien im freien Handel mit China beeinträchtigt. Zudem drängten die ökonomisch schwer geschädigten Kaufleute danach, zu handeln. Daraufhin griffen britische Flotteneinheiten das Land an. Ihr erstes Ziel war Kanton, der wichtigste chinesische Freihafen für europäische Waren. Von dort drangen die Briten weiter nach Shanghai und Richtung Peking vor. 1841 besetzten sie das Hongkonger Gebiet. Am 29. August 1842 mussten sich die Chinesen geschlagen geben. Sie unterzeichneten den Friedensvertrag von Nanking, einen der sogenannten ungleichen Verträge. Damit musste China das Gebiet offiziell an das Vereinigte Königreich abgeben. 1843 erklärte Großbritannien Hongkong zur britischen Kolonie. Fortan wurde das Territorium von einem Gouverneur verwaltet.

Aufstände gegen die britische Herrschaft

Für das britische Empire entwickelte sich Hongkong schon bald zu einem wichtigen Militärstützpunkt und Warenumtausch-Platz in Ostasien. Um die Industrie aufzubauen, brachte man Hunderttausende billige chinesische Arbeitskräfte gewaltsam nach Hongkong. 1899 kam es zum ersten nationalen Widerstand gegen die Besatzungsmacht. Auslöser war der Eisenbahnbau von Kowloon nach Kanton, durch den Großbritannien seinen Einfluss auf China noch weiter ausbauen wollte. Alle Aufstände wurden blutig niedergeschlagen.

1925 ereignete sich das heftigste Massaker, was zugleich der Auftakt zu einer der größten Massenbewegungen in China war. Bei einer antikolonialen Demonstration in Schanghai setzten britische Polizeikräfte ihre Schusswaffen ein und töteten mehrere chinesische Studenten. Daraufhin breiteten sich Proteste im ganzen Land aus. Die Aufstände gipfelten im 16 Monate andauernden Kanton-Hongkong-Streik. Dabei vereinten sich die Nationale Volkspartei Chinas und die Kommunistische Partei Chinas zu einer gemeinsamen Front. Alle Chinesen in Hongkong wurden dazu aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen, englische Waren zu boykottieren und die Stadt zu verlassen. Allein in der ersten Woche des Streiks verließen 50.000 Chinesen Hongkong. Zwischen August und Dezember 1925 soll Hongkong wie eine Geisterstadt gewirkt haben. Der Kanton-Hongkong-Streik schwächte sowohl den wirtschaftlichen als auch den politischen Einfluss Großbritanniens in China nachhaltig.

Hongkong und China: Geschichte ab dem Zweiten Weltkrieg

Unmittelbar nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs griff die japanische Armee Hongkong an. Nach zweieinhalb Wochen des Kampfes mussten die Briten den Japanern die Stadt abtreten. Mit der Kapitulation Japans am 16. August 1945 endete die japanische Besetzung. Danach gelang es Großbritannien erneut, die Kontrolle über das Gebiet zu erlangen. Es dauerte nicht lange, und es kam infolge großer sozialer Ungleichheiten zu vermehrtem Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft. 1967 erreichten die Spannungen ihren Höhepunkt; die Unruhen führten zu vielen Toten und Verletzten.

1982 begannen Gespräche zwischen Großbritannien und China über Hongkongs Zukunft. Die Volksrepublik China forderte all ihre im Vertrag von Nanking unter Zwang abgetretenen Territorien vollständig zurück. Der Politiker Deng Xiaoping entwickelte die „Ein Land, zwei Systeme“-Doktrin, die es Hongkong ermöglichte, sich von der Fremdherrschaft zu befreien. Am 19. Dezember 1984 unterzeichneten die beiden Länder die chinesisch-britische Erklärung zu Hongkong, die vorsah, dass Hongkong am 1. Juli 1997 zu einer Sonderverwaltungszone – Special Administrative Region – werden sollte. Damit würde Hongkong seine eigene Zollverwaltung, Handelspolitik und Gesetze sowie eigene politische und wirtschaftliche Systeme haben.

Zu diesem festgelegten Datum wurde Hongkong schließlich nach 156 Jahren britischer Kolonialherrschaft wieder offizieller Teil von China mit dem Status einer Sonderverwaltungszone.

Hongkong heute

Heute zählt Hongkong über sieben Millionen Einwohner mit circa 16.000 Einwohnern pro Quadratkilometer. 95 Prozent davon sind chinesischer Abstammung. Der ausländische Bevölkerungsteil stammt vorwiegend von den Philippinen, aus Pakistan, Indien, Indonesien und Thailand.

Hongkong besitzt seine eigene Flagge. Sie zeigt die in Hongkong einheimische fünfblättrige Bauhinien-Blüte auf rotem Hintergrund. Auf den fünf Blütenblättern befinden sich fünf gleich aussehende Sterne, die ebenfalls auf der Fahne der VR China vorkommen. Entworfen hat sie der Architekt Tao Ho. Die Nationalhymne teilt sich Hongkong mit der Volksrepublik China.

Obwohl China Hongkong als Sonderverwaltungszone erklärte, nimmt die Volksrepublik mit dem Hongkonger Sicherheitsgesetz seit einiger Zeit vermehrt Einfluss auf die Stadt. Chinesische Sicherheitskräfte erhalten besondere Befugnisse. Deshalb wird der chinesischen Regierung vorgeworfen, Hongkong nicht als Sonderverwaltungszone zu akzeptieren, was wiederum zur Folge hat, dass es in Hongkong wieder zu anhaltenden Protesten kommt, zuletzt 2019 und 2020. Peking ließ die Demokratiebewegung blutig niederschlagen und viele ihrer Anführer zu langen Haftstrafen verurteilen.

China, Hongkong und die Börse

Die Weltstadt besitzt einen bedeutenden Wirtschafts- und Finanzsektor. Sie ist Sitz der SEHK – der Hongkonger Aktienbörse. Diese gehört zur Hong Kong Exchanges and Clearing Limited (HKEX). Neben ihr hat China noch zwei weitere Aktienbörsen, eine in Shanghai und eine in Shenzhen. Die SEHK verfügt über einen etablierten Zugang zum internationalen Kapitalmarkt. Deshalb nutzen Unternehmen des chinesischen Festlands sie ebenfalls zum Aktienhandel. Die SEHK rangiert bezogen auf die Marktkapitalisierung mit 16 Billionen Hongkong-Dollar (2,1 Billionen US-Dollar) auf Rang sieben der Welt.

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