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Deutschland unter dem Regenbogen: CDU-Politiker Jens Spahn kritisiert Homophobie unter Flüchtlingen.

Diskriminierung

Homophobie wie in den 50ern

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Wie sich die Haltung von Migranten und deutschen Konservativen ähnelt.

Der CDU-Spitzenpolitiker Jens Spahn findet, es sei ein Thema, über das zu wenig geredet werde: Homophobie, also Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit, von Flüchtlingen. „Mich nervt einfach, dass wir dieses Problem gar nicht besprechen – aus Angst, man könnte sich irgendwie verheddern in seinem Multikulti-Wohlfühldasein“, hat er dieser Tage der „B.Z.“ gesagt.

Mit den Flüchtlinge sei viel Homophobie ins Land gekommen. Spahn, selbst schwul, führte Beispiele aus dem eigenen Leben an: In Köln auf der Straße sei er frech angemacht worden. Der Türsteher eines Clubs für Schwule sei von einem Iraker niedergestochen worden. „Die Probleme, die ich in der Szene erlebe, entstehen vor allem, weil Menschen aus Ländern kommen, wo man mit Schwulen nicht zimperlich umgeht.“ Spahn, der sich seit einer Weile bemüht, sich als Sprachrohr der Konservativen in der CDU zu etablieren, nahm dies als Beleg dafür, dass sich die Werte von Flüchtlingen gravierend von den deutschen unterscheiden. Aber stimmt eigentlich die Ausgangsthese?

„Wir sehen in unserer Beratung aktuell keinen Anstieg von Diskriminierungen homosexueller Menschen“, sagte Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes der FR. Und auch beim Lesben- und Schwulenverband (LSVD) heißt es zur Frage nach gestiegener Homophobie aufgrund der Flüchtlingszuwanderung: „Es gibt keine Studien, die das belegen.“

Eine Studie der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) aus dem Jahr 2016 stellt allerdings fest, die Sexualmoral der Flüchtlinge erscheine im Vergleich zur liberalen deutschen Mehrheitsgesellschaft als intolerant und prüde. Bei den Haltungen etwa zu außerehelichem Sex, zu interreligiösen Ehen oder zur Homosexualität „fühlt man sich ins Deutschland der vergangenen 50er Jahre zurück versetzt“.

So lehnten 43 Prozent der von den HMKW-Wissenschaftlern befragten Flüchtlinge ein schwules Paar als Nachbarn ab (und 24 Prozent eine WG aus Männern und Frauen, sowie 18 Prozent ein unverheiratetes deutsches Paar). Eine Allensbach-Studie aus dem Jahr 2013 ergab in der Gesamtbevölkerung eine deutlich höhere Akzeptanz: 13 Prozent der Befragten wollten nicht neben Homosexuellen wohnen. 1991 allerdings lag der Anteil noch bei 36 Prozent.

Ablehnung äußert sich subtil

Die Sozialpsychologin Beate Küpper von der Hochschule Niederrhein, die eine Studie für die Anti-Diskriminierungsstelle des Bundes erstellt hat, bestätigt, Flüchtlinge trügen ihre Homophobie möglicherweise offener vor sich her „als dies in Deutschland inzwischen in der Breite üblich ist“. Aber völlig liberal sei Deutschland noch nicht. „Die Ampel steht da noch nicht ganz auf grün.“ Die ADS-Studie ergab zwar, dass nur noch eine Minderheit in Deutschland heute Homosexualität ablehnt. Rund jeder zehnte Befragte bewertete Homosexualität als unmoralisch, immerhin jeder fünfte als unnatürlich. Die Ablehnung sei allerdings nicht verschwunden, sondern äußere sich nun subtiler – etwa mit dem Hinweis, über Schwule und Lesben werde zu viel Aufhebens gemacht. Rund 40 Prozent der Befragten fanden den Gedanken unangenehm, ihr Sohn oder ihre Tochter könnten homosexuell sein. „Was sich über Jahrhunderte eingebrannt hat, ist nicht so schnell wieder weg“, sagt Küpper. „Der Konservatismus der Flüchtlinge ist sehr nah bei dem von konservativen Milieus in Deutschland.“

Das stellt auch die HMKW fest: „Das Wertebild der Flüchtlinge ähnelt in zentralen politischen Teilen am ehesten dem der AfD-Anhänger und anderer rechtspopulistischer Bewegungen.“ Aber was ist mit den Erfahrungen, die Spahn gemacht hat?

„Jens Spahn stellt die Frage nach der Homophobie lieber an die Flüchtlinge als an seine Wähler“, sagt Küpper. „So stellt sich dann die CDU plötzlich als Vorreiter der Kämpfer für Schwulenrechte dar, statt sich damit zu beschäftigen, was sie selbst noch verbessern könnte“. Die Sozialwissenschaftlerin findet, es gebe Anlass zu Optimismus: „Deutschland ist ein tolles Beispiel dafür, dass eine Gesellschaft sich entwickeln kann, auch wenn es etwas dauert.“

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