Corona verändert die Arbeit

Homeoffice: Altmaier lehnt Rechtsanspruch ab, Deutsche Bank will Heimarbeiter:innen besteuern

  • Tim Vincent Dicke
    vonTim Vincent Dicke
    schließen

Corona bringt in Deutschland viele Veränderungen mit sich – auch die Arbeitswelt ist betroffen. Wie geht es mit dem Homeoffice weiter?

  • Die Politik streitet, ob Arbeitnehmer:innen ein Recht auf Homeoffice bekommen sollen.
  • Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) lehnt einen Rechtsanspruch ab.
  • Ein kontroverser Vorschlag eines Analysten der Deutschen Bank erhitzt derweil die Gemüter.

Frankfurt/Berlin – Seit der Coronavirus-Pandemie hat sich die Arbeitsrealität zahlreicher Menschen verändert. Deutlich mehr Menschen arbeiten im Homeoffice – Unternehmen setzen auf die Arbeit von zu Hause, um Infektionen zu verhindern. Politisch wird gezankt, ob ein Recht auf Heimarbeit gesetzlich verankert werden soll.

Deutlich mehr Menschen arbeiten wegen Corona im Homoffice: Peter Altmaier lehnt Rechtsanspruch ab

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier lehnt ein Recht auf Homeoffice ab, auch eine abgewandelte Form eines möglichen Rechtsanspruchs auf Heimarbeit sollte es nach Ansicht des CDU-Politikers nicht geben.

In der „Bild am Sonntag“ erteilte der CDU-Politiker einem Kompromissvorschlag von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) im Streit um ein mögliches Heimarbeit-Recht eine Absage. „Ich habe keinerlei Sympathie für Rechtsansprüche, die nur einigen wenigen Arbeitnehmern zugutekommen“, sagte Altmaier der Zeitung und blieb damit bei seiner bisherigen Position.

Homeoffice und Corona: So viel zuhause arbeiten, wie möglich

„In Corona-Zeiten sollten die Unternehmen so viel Homeoffice ermöglichen, wie es nur irgendwie geht, und das tun sie ja auch“, sagte Altmaier. Aber dies sei eine Ausnahmesituation. „Der Gesetzgeber sollte nicht alles mit Regularien verpflichtend bestimmen.“ Arbeit im Homeoffice müsse Sache der Firmen und ihrer Mitarbeiter:innen bleiben, so der 62-Jährige.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier ist gegen ein Recht auf Homeoffice.

Streit in der Corona-Krise: Hubertus Heil schlägt Recht auf Homeoffice vor

Heil war am Samstag in der Debatte um ein Recht auf Homeoffice einen Schritt auf die CDU/CSU zugegangen. „Da die Union bei dieser Frage offensichtlich noch nicht im Jahre 2020 angekommen ist, bin ich bereit, den Anspruch auf 24 Tage Homeoffice im Jahr zurückzustellen“, sagte Heil dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag). „Mein Vorschlag ist: Lasst uns jetzt zumindest gemeinsam einen modernen Rahmen für mobile Arbeit beschließen. Es geht mir darum, dass wir weiterkommen“, sagte Heil.

Anfang Oktober hatte Heil ein gesetzlich verankertes Recht auf Homeoffice vorgeschlagen, das unter anderem vorsah, dass Beschäftigte bei einer 5-Tage-Woche 24 Tage im Jahr mobil oder im Homeoffice arbeiten dürften. Das lehnen Wirtschaftsverbände und die Union ab. Ende Oktober legte der Arbeitskreis Zukunft der Unions-Bundestagsfraktion einen Gegenentwurf vor.

Analyst der Deutschen Bank geht davon aus, dass viele Menschen auch nach Corona im Homeoffice arbeiten werden

Während Berlin über das Homeoffice streitet, stellt ein Experte der Forschungsabteilung der Deutschen Bank eine ganz andere Forderung auf: Heimarbeit soll besteuert werden, um mit dem Geld Schwächere zu unterstützen. In einem kurzen Aufsatz für DB Research geht der Autor geht davon aus, dass auch nach der Corona-Krise viele Menschen weiter von zu Hause aus arbeiten wollen.

„Die Arbeit von zu Hause ermöglicht direkte Einsparungen etwa bei der Anreise, dem Mittagessen, Kleidung und Reinigung“, schreibt er. Kosten entstünden den Beschäftigten vor allem indirekt in Form von „zusätzlichem mentalen Stress“ etwa durch die Kinderbetreuung während der Arbeit oder der schlechteren Ausstattung am Heimarbeitsplatz. „Diese Kosten dürfen nicht unterschätzt werden, sie verblassen aber für gewöhnlich im Vergleich mit den Vorteilen“, heißt es weiter.

Kontroverser Vorschlag: Analyst fordert Steuer für Heimarbeiter:innen

Für die Wirtschaft hingegen sei die Arbeit Tausender Menschen im Homeoffice ein schwerer Verlust. Über lange Zeit hätten sich Wirtschaftszweige wie der Einzelhandel sowie Infrastrukturen rund um die Arbeit im Büro entwickelt. Falle diese weg, verschärften sich die ökonomischen Probleme weiter. Vom Mittagessen oder dem Pausenkaffee hingen eben auch Arbeitsplätze und Unternehmen ab, lautet das Argument.

Der Autor schlägt deshalb eine Steuer in Höhe von fünf Prozent auf das Bruttoeinkommen vor. Sie soll nur an den Tagen erhoben werden, an denen auch zu Hause gearbeitet wird. Bei einem Bruttoverdienst von rund 40.000 Euro im Jahr seien dies rund 7,50 Euro pro Homeoffice-Tag. Der Staat könnte auf diese Weise rund 15,9 Milliarden Euro zusätzlich einnehmen, rechnet der Analyst vor. Mit dem Geld könnten dann diejenigen unterstützt werden, die ein geringes Einkommen haben oder ihre Arbeit in der Corona-Krise verloren haben. Schließlich hätten hauptsächlich besser Verdienende die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. In vielen systemrelevanten Berufen mit niedrigeren Einkommen gebe es diese Wahl hingegen häufig nicht.

Diskussion um Homeoffice: Vorschlag der Deutschen Bank stößt auf Kritik

Dieser Umverteilungsvorschlag ist nicht neu und wird grundsätzlich von vielen Ökonom:innen geteilt. Dennoch stößt die Art und Weise auf Kritik. „Ich finde das unter Gerechtigkeitspunkten nicht wirklich nachvollziehbar“, sagt BTU-Wirtschaftsprofessor Schnellenbach. „Wenn man umverteilen will, dann kann man das am Einkommen festmachen. Ob jemand im Homeoffice arbeitet, ist kein Indikator für wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.“

So sieht es auch Stefan Bach, Steuerexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): „Das Argument der gerechten Verteilung der Krisenkosten ist gut, aber das soll man am Einkommen messen und nicht daran, ob Menschen im Homeoffice sitzen.“ Zudem gehe die politische Diskussion derzeit in die entgegengesetzte Richtung. Sebastian Dullien, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung, nannte die Vorschläge auf Twitter „schräg“. (Tim Vincent Dicke mit dpa)

Rubriklistenbild: © Michele Tantussi/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare