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Gelandet - und dann untergetaucht: Williamson.

Großbritannien

Holocaust-Leugner Williamson zurück

Holocaust-Leugner Richard Williamson ist in seiner Heimat Großbritannien auf einen kühlen Empfang gestoßen.

Von PETER NONNENMACHER

London. Auf einen kühlen Empfang in seiner Heimat Großbritannien ist der römisch-katholische Bischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson gestoßen. Er war aus seinem argentinischen Domizil verstoßen worden und traf am Mittwoch in London ein. Ein Sprecher der englischen Bischofskonferenz erklärte, Williamson falle "in keine Jurisdiktion der Bischöfe von England und Wales" und habe folglich "nichts mit den Bischöfen in unserem Lande zu schaffen". Er müsse sich selbst darum kümmern, wo er wohnen und wie er seinen Unterhalt verdienen wolle.

Im silbernen Geländewagen

Der Repräsentant der umstrittenen Pius-Bruderschaft, den Papst Benedikt XVI. wieder in die Kirche aufgenommen hat, löste mit seinen Überzeugungen weithin Empörung aus. Er behauptet, dass im Dritten Reich höchstens 300 000 Juden in Konzentrationslagern ums Leben gekommen seien und dass es "keine Gaskammern" unter Hitler gegeben habe.

Als britischer Staatsbürger hat Williamson das Recht, in seiner alten Heimat zu leben - und Gesetze gegen Holocaust-Leugner gibt es im Vereinigten Königreich derzeit nicht (siehe Infobox). Bei seiner Ankunft in Heathrow, im Priesterkragen und ganz in Schwarz, verweigerte Williamson der Presse jeglichen Kommentar und wurde von Polizeikräften von Pressevertretern abgeschirmt. Er stieg in einen silbernen Geländewagen und wurde vom Flughafen zum Hauptquartier der Pius-Brüder in Großbritannien im Süd-Londoner Stadtteil Wimbledon gefahren.

Was der umstrittene Bischof weiter plant, war am Mittwoch unbekannt. Die Konferenz der englischen und walisischen Bischöfe erklärte, sie habe "absolut keine Ahnung", wohin er von Wimbledon aus gehen werde. Die Bischofskonferenz hatte die Ansichten Williamsons schon vorher als "vollkommen unakzeptabel" bezeichnet. Der Präsident des britischen Holocaust Educational Trust, Lord Janner, sagte: "Es wäre sehr viel besser, wenn Williamson nicht hier wäre, weil seine Ansichten antisemitisch und extrem verletzend sind. Leider kann man es aber nicht verhindern, weil er britischer Staatsbürger ist."

Williamson wurde 1940 als Pfarrerssohn in England geboren. Er ging in Winchester zur Schule und studierte Literatur an der Universität Cambridge, bevor er einen Lehrauftrag in Afrika übernahm. 1971 trat er zum Katholizismus über und wurde im Anschluss Mitglied der von dem Traditionalisten-Erzbischof Marcel Lefebvre gegründeten Pius-Bruderschaft.

1976 wurde Williamson Priester und 1988 weihte ihn Lefebvre, - gegen den Willen des Vatikans - zum Bischof. Zusammen mit Lefebvre und drei anderen Bischöfen exkommuniziert, machte sich Williamson einen Namen als einer der bekanntesten Wortführer der Traditionalisten. Die letzten Jahre lebte er in Buenos Aires und leitete das dortige Pius-Seminar. Diesen Posten verlor er nach der jüngsten Holocaust-Kontroverse.

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