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Holocaust-Gedenktag: Wie die Welt erinnert

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Von: Jakob Maurer, Friederike Meier

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Der Schriftzug „#WeRemember“ steht an der Fassade des Reichstagsgebäudes in Berlin. An zahlreichen Gebäuden weltweit erstrahlt der Spruch bis zum 27. Januar.
Der Schriftzug „#WeRemember“ steht an der Fassade des Reichstagsgebäudes in Berlin. An zahlreichen Gebäuden weltweit erstrahlt der Spruch bis zum 27. Januar. © dpa

„#WeRemember“ lautet das Motto am 27. Januar: Ob vor Ort oder digital – weltweit wird an diesem Tag innegehalten und an die Opfer des Holocaust erinnert – auch in der arabischen Welt.

In ganz Großbritannien werden in dieser Woche Eichen gepflanzt. Vor einer Grundschule im Südwesten Englands, im Londoner Hyde Park und im Garten eines Reihenhauses nahe Newcastle. Die Menschen, die zum Spaten greifen, wollen an die Schicksale erinnern von Tausenden jüdischen Flüchtlingen, „die es geschafft haben, in Großbritannien Zuflucht vor der Verfolgung durch die Nazis in Europa zu finden“, heißt es in einer Ankündigung, und an deren „massiven Beitrag“ für die Gesellschaft.

An 80 Orten sollen Bäume gepflanzt werden – einer für jedes Jahr, das vergangen ist, seit sich 1941 die Association of Jewish Refugees, der Verband jüdischer Flüchtlinge, die vom NS-Regime vertrieben wurden, gründete. Es wird Eichenjubiläum gefeiert, so wie nach 80 Jahren Ehe.

Allein an diesem Donnerstag, wenn international der Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust begangen wird, werden an 22 Orten Menschen zum Spaten greifen. Zum 77. Mal jährt sich die Befreiung des nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz.

Am 27. Januar 1945 fanden sowjetische Soldaten auf dem Gelände des Lagers im Süden Polens noch etwa 7000 Menschen vor. In Deutschland wird seit 1996 an diesem Tag der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ begangen, an dem an die jüdischen, aber auch alle anderen Opfer erinnert wird. 2005 erklärte die Generalversammlung der UN den Tag zum internationalen Holocaust-Gedenktag.

Rund um das Datum ist der Leitspruch „We remember“ – „Wir erinnern“ allgegenwärtig. Der Jüdische Weltkongress ruft mit der Unesco unter diesem Motto dazu auf, in den sozialen Medien Bilder von sich mit einem Schild zu teilen, das die Solidaritätsbekundung zeigt. Gleichzeitig werden Wahrzeichen mit dem Spruch illuminiert, in Berlin etwa das Reichstagsgebäude.

Die unter „#WeRemember“ hochgeladenen Fotos werden schließlich Teil einer Projektion auf dem Gelände von Auschwitz-Birkenau, die wiederum per Live-Stream über Facebook, Twitter und Youtube gezeigt wird. Dieses mediale Wechselspiel soll das Andenken wahren und ein Zeichen gegen Antisemitismus und jede Form von Hass setzen.

„Aufklärung inspiriert“

„Achtzig Jahre nach Beginn des Holocaust bleibt gewalttätiger Antisemitismus eine Bedrohung, wie wir in einer Synagoge in Texas in diesem Monat sehen konnten“, schreibt das US-amerikanische Holocaust Memorial Museum in seiner Ankündigung für den Gedenktag. In der Nähe von Dallas hatte Mitte Januar ein Mann während eines Gottesdienstes den Rabbiner und drei weitere Menschen in seine Gewalt gebracht – die Geiseln überlebten, der Angreifer starb.

Taten wie diese, sagt Museumsdirektorin Sara Bloomfield, „erinnern uns daran, dass alle Teile der Gesellschaft daran arbeiten müssen, die Ausbreitung des Antisemitismus zu verhindern. Wir hoffen, dass die Aufklärung über den Holocaust die Menschen dazu inspiriert, sich mit Antisemitismus und allen Formen von Hass auseinanderzusetzen.“

Die Pandemie erschwert genau dies jedoch: Die KZ-Gedenkstätten in Deutschland etwa haben 2021 erneut deutlich weniger Besucherinnen und Besucher verzeichnet als noch vor Corona. Grund für den Rückgang seien vor allem die mehrmonatigen Schließungen, wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes ergab. Schon im Jahr zuvor waren die Zahlen stark gesunken.

Doch es regt sich auch etwas, etwa in der arabischen Welt. Dort wird zwar nach wie vor die Existenz des Holocaust häufig infrage gestellt. Doch im vergangenen Sommer öffnete in Dubai die erste permanente Holocaust-Ausstellung ihrer Art im arabischen Raum. Und am Montag veranstaltete die US-Botschaft in der ägyptischen Hauptstadt Kairo die erste Gedenkveranstaltung in der arabischen Welt anlässlich des Unesco-Jahrestags.

Doch genau wie in Großbritannien, wo das Pflanzen der Bäume in Erinnerung an jüdische Flüchtlinge auch über diesen Donnerstag hinaus fortgeführt wird, nehmen viele Länder lokale Ereignisse und andere Jahrestage zum Anlass. So begeht Österreich einen nationalen Gedenktag am 5. Mai, anlässlich der Befreiung des KZ Mauthausen. In Lettland wird am vierten Juli der Opfer des Holocaust gedacht – an diesem Tag im Jahr 1941 brannten die Nationalsozialisten die Große Choralsynagoge in der Hauptstadt Riga nieder. Und in Israel gibt es bereits seit 1959 den Gedenktag Yom Hashoah, der am 27. Tag des Monats Nisan begangen wird – in diesem Jahr findet er am 27. April statt.

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