+
Gedenken am Tatort: Auschwitz-Überlebende am Sonntag vor dem Lagertor in Oswiecim.

Holocaust-Gedenken

„Null Toleranz gegen Antisemitismus“

Spitzenpolitiker mahnen am Holocaust-Gedenktag zur Wachsamkeit und warnen vor Nationalismus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) haben anlässlich des Holocaust-Gedenktags am Sonntag einen entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus gefordert. „Dieser Tag lässt uns daran erinnern, was Rassenwahn, Hass und Menschenfeindlichkeit anrichten können“, sagte Merkel in ihrem Video-Podcast. Jeder Einzelne habe die Aufgabe, „auch Verantwortung dafür zu tragen, dass wir null Toleranz gegen Antisemitismus, Menschenfeindlichkeit, Hass und Rassenwahn zeigen“, das sei in „ unserer heutigen Zeit wieder von großer Dringlichkeit.“

Maas wies in einem Gastbeitrag für die „Welt am Sonntag“ darauf hin, dass der Zeitpunkt näher rücke, an dem Zeitzeugen nicht mehr vom NS-Unrecht berichten könnten. „Unsere Gedenkkultur muss sich daran anpassen.“ Es brauche neue Ansätze: „Unsere Geschichte muss von einem Erinnerungs- noch stärker zu einem Erkenntnisprojekt werden.“ Maas warnte: „Wir sehen, wie in ganz Europa Nationalismus propagiert wird und Feindbilder genutzt werden, um die eigene dumpfe Ideologie zu rechtfertigen. Rechtspopulistische Provokateure relativieren den Holocaust – im Wissen, dass ein solcher Tabubruch maximale Aufmerksamkeit beschert.“

Am Holocaust-Gedenktag am 27. Januar wird der sechs Millionen ermordeten europäischen Juden und aller anderen Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Am 27. Januar 1945 hatten sowjetische Soldaten die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz befreit. Auch der Bundestag erinnert jährlich in einer Gedenkstunde an die Opfer, in diesem Jahr am kommenden Donnerstag. In den Stadien der Fußballbundesligavereine wurde am Wochenende ebenfalls an die Auschwitz-Befreiung erinnert.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet hat anlässlich des Holocaust-Gedenktages ein entschlossenes Einstehen gegen Antisemitismus angemahnt. „Wir müssen den Antisemitismus von rechts konsequent bekämpfen – auf der Straße, im Netz, auf Schulhöfen“, sagte der CDU-Politiker am Sonntag laut Mitteilung bei einem Besuch des ehemaligen deutschen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. „Ebenso sagen wir jenen Zuwanderern, die mit antisemitischer Tradition aufgewachsen sind: Wir dulden keine Form von Antisemitismus oder Diskriminierung.“

Neue Formen des Erinnerns

Bei seinem Besuch nahm Laschet außerdem auf Einladung des polnischen Staatspräsidenten Andrzej Duda an der Gedenkfeier zum 74. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau teil.

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sagte im Deutschlandfunk: „Wir müssen natürlich Formen des Erinnerns finden, die die Menschen heute ansprechen. Auch die, die jetzt vor einigen Jahren erst zu uns gekommen sind, entweder als Migranten oder sogar als Flüchtlinge.“ Das seien etwa „interaktive Formen, wo zum Beispiel der eigene Betrieb, die eigene Firma, die eigene Institution, in der man ist, sich Gedanken macht, wie sie in der nationalsozialistischen Zeit gehandelt hat, was mit den damaligen Kollegen passiert ist“. Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, verlangte in der „Passauer Neuen Presse“ einen „Aufschrei der gesellschaftlichen und politischen Institutionen“ und „gesellschaftlichen Widerstand“ gegen Antisemitismus. Das Wiesenthal-Zentrum hob derweil den Einsatz der deutschen Justiz gegen NS-Verbrecher in den vergangenen Jahren hervor. In einem Jahresbericht vom Sonntag ist die Rede von „erheblichen Fortschritten vor allem in Deutschland“. Schlechte Noten bekamen dagegen Länder wie Norwegen, Schweden, Österreich, Litauen und die Ukraine. (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion