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Die Demokratin Ilhan Omar kontert Trumps Attacken mit einer klaren Kampfansage.

Ilhan Omar

Hoffnungsträgerin als Hassobjekt

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Donald Trump zielt mit seinen rassistischen Attacken vor allem auf Ilhan Omar – ein Porträt.

Anfeindungen ist Ilhan Omar gewohnt. In der Schule im Bundesstaat Virginia wurde sie als Zwölfjährige gehänseltt. Jemand klebte ihr einen Kaugummi auf das Kopftuch. „Die Leute machen das nicht, weil sie Dich nicht mögen“, habe ihr Vater damals gesagt, berichtete Omar später: „Sie machen das, weil sie sich irgendwie durch Deine Existenz bedroht fühlen.“

Inzwischen ist sie 37 Jahre alt, hat selbst drei Kinder, und sitzt seit Januar als eine von zwei Musliminnen im amerikanischen Repräsentantenhaus, wo eigens die 181 Jahre alte Geschäftsordnung geändert wurde, um der aus Somalia stammenden Demokratin das Tragen einer Kopfbedeckung zu erlauben. Donald Trump erkor die Frau mit der ruhigen Stimme und dem eleganten Auftreten von Anfang an zum Feindbild. „Das sind Leute, die unser Land hassen“, ätzte er erst am Montag wieder.

Seit dem Wochenende hat der US-Präsident vier Parlamentarierinnen unter Dauerbeschuss genommen, die linke Positionen vertreten. Die Frauen sollten „zurückgehen und helfen, die total kaputten und von Gewalt verseuchten Orte in Ordnung zu bringen, aus denen sie kommen“, wütete Trump auf Twitter. Der inzwischen vom Repräsentantenhaus offiziell als rassistisch gerügte Ausbruch kann formal nur Ilhan Omar gelten, denn als einzige der vier ist sie nicht in den USA geboren. Und auch inhaltlich regt sich Trump besonders über Omar auf, die er zur Totengräberin des christlich-weißen Amerikas verzerrt.

Als jüngstes von acht Kindern war Ilhan Omar 1981 in der somalischen Hauptstadt Mogadischu zur Welt gekommen. Ihre Mutter starb, als sie zwei Jahre alt war. Der Vater, ein Lehrer, floh mit der Familie vor dem Bürgerkrieg zunächst nach Kenia und dann in die USA, wo er Asyl erhielt. Mit 17 Jahren erwarb die Tochter die amerikanische Staatsbürgerschaft. Sie studierte Politik, heiratete, betätigte sich als politische Aktivistin, zog ins Landesparlament von Minnesota ein und schaffte im vorigen Herbst den Sprung in den US-Kongress. Seither sei sie „die am meisten verklärte und diffamierte“ Newcomerin im Parlament, schrieb die New York Times.

Tatsächlich ist Omar für viele der Inbegriff des amerikanischen Traums; ein Flüchtlingskind, das es bis in den Kongress geschafft hat. Dass sie sich für Minderheiten einsetzt und politisch progressive Forderungen erhebt, verschafft ihr weitere Sympathien im linksliberalen Milieu. Allerdings vertritt sie pointiert israelkritische Positionen, die auch von Teilen der Demokraten nicht geteilt werden. Das nutzt Trump aus, indem er einzelne Äußerungen aus dem Zusammenhang reißt und skandalisiert.

„Sie sagt furchtbare Dinge über Israel. Sie hasst Juden“, behauptet der Präsident. Außerdem verharmlose sie die Terroranschläge vom 11. September 2001. Tatsächlich hatte Omar mehreren Kongressabgeordneten vorgeworfen, sie seien von einer israelischen Lobby-Organisation gekauft worden und lehnt es ab, als Muslimin in Kollektivhaftung für islamistischen Terror genommen zu werden. Die Faktenchecker der Washington Post bewerteten Trumps Vorwürfe mit vier von vier Lügen-Pinocchios.

Die Zeiten, in denen sich Omar herumschubsen ließ, sind vorbei. Am Dienstag trat die Abgeordnete selbstbewusst und kämpferisch in einer Fernseh-Talkshow auf. „Das ist der schlechteste, korrupteste und unfähigste Präsident, den wir je hatten“, konterte sie die präsidialen Attacken: „Es ist Zeit, ihn aus dem Amt zu jagen.“

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