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Cécile Kyenge fordert mehr Rechte für Immigranten.
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Cécile Kyenge fordert mehr Rechte für Immigranten.

Erste schwarze Ministerin

Hoffnungsschimmer in Italien

Cécile Kyenge, eine Augenärztin aus dem Kongo, ist die erste schwarze Ministerin in Italien. „Das ist ein großer Schritt in Richtung einer zivileren Gesellschaft“, sagt Fußballer Mario Balotelli.

Von Julius Müller-Meiningen

Cécile Kyenge war noch nicht einmal als Ministerin für Integration vereidigt, da hatte sie schon eine ganze Menge durcheinander gebracht. Italiener sind gewöhnt, dass ihre Politiker mit einigem Brimborium auftreten und sich zumindest in einer Limousine mit verdunkelten Scheiben chauffieren lassen. Kyenge kam am Sonntag stattdessen im Taxi zum Amtssitz des Staatspräsidenten in Rom.

Und kurz bevor die Augenärztin dann mit leicht französischem Akzent ihre Treue auf die italienische Verfassung schwor, da wollte sich Donato Marra doch noch einmal bei seinem Nebenmann versichern, wie man diesen eigenartigen Nachnamen ausspricht. Ein Mikrofon war angeschaltet. Und so wurden die Fernsehzuschauer Zeugen der Unsicherheit des sonst so unerschütterlich wirkenden Generaldirektors des Staatspräsidenten.

Auf der dicht gedrängten Agenda der neuen italienischen Regierung findet die Integrationspolitik keinen prominenten Platz. Aber im Fall von Cécile Kyenge steckt bereits in ihrer Nominierung Politik. Kyenge wurde vor 48 Jahren im Kongo geboren und ist die erste schwarze Ministerin Italiens. Seit der Parlamentswahl Ende Februar ist sie Mitglied des Abgeordnetenhauses und zieht allein durch ihre Präsenz allerlei Feindseligkeiten vor allem aus dem Norden auf sich.

Balotelli: "Schritt in Richtung einer zivileren Gesellschaft"

Ein besonders eifriger Rassist und Lokalpolitiker der fremdenfeindlichen Lega Nord rief nach der Wahl auf seiner Facebook-Seite dazu auf, Kyenge „auszuschalten“. „Ich habe nichts gegen sie, aber mir gefällt nicht, was sie sagt“, erklärte Ex-Innenminister Roberto Maroni (Lega Nord), der in seiner Amtszeit das Einwanderungsrecht extrem verschärfte. Seine Partei will unter anderem wegen der Nominierung Kyenges die Regierung nicht mittragen.

Dabei hat Kyenge bislang kaum den Mund aufgemacht. Ihre Positionen sind mit denen der linken Demokratischen Partei (PD) identisch, deren Mitglied sie ist. Bislang war die zweifache Mutter in der Lokalpolitik in ihrer Heimatgemeinde nahe Modena aktiv und zuletzt in der Emilia-Romagna die Verantwortliche ihrer Partei für Immigrationspolitik.

Kyenge, die 1983 zum Medizinstudium nach Rom kam, steht für die Stärkung der Rechte von Immigranten und setzt sich dafür ein, dass in Italien geborene Menschen endlich auch die italienische Staatsbürgerschaft bekommen. Unterstützung für diese Forderung kommt auch vom allseits geachteten Staatspräsidenten Giorgio Napolitano. „Die Furcht vor der Andersartigkeit ist in Italien noch sehr stark“, sagt Kyenge.

Diese Erfahrung teilt auch der schwarze Fußballer Mario Balotelli vom AC Mailand, der als Sohn afrikanischer Flüchtlinge in Italien geboren wurde und trotzdem lange nicht die italienische Staatsbürgerschaft bekam. Für Balotelli, der in den Stadien immer wieder rassistisch angefeindet wird, ist die Nominierung Kyenges ein Hoffnungsschimmer. „Das ist ein großer Schritt in Richtung einer zivileren Gesellschaft“, sagte er.

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